Thüringer Ministerin Taubert will „Frei.Wild“-Lieder überprüfen lassen

Gibt es Liedtexte der rechtslastigen Band „Frei.Wild“, die jugendgefährdend sind? Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat sich bisher nicht damit beschäftigt. Die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Heike Taubert (SPD), hat nun eine Prüfung der Liedtexte durch die BPjM angeregt.

Frei.Wild-Fans in Berlin. Foto: Oliver Cruzcampo

Zuerst erschienen auf Filmfaktum

"Die norditalienische Deutschrock-Band „Frei.Wild“ verbreitet aggressiven Nationalismus, völkisches Gedankengut und Hass auf Andersdenkende, sie verherrlicht Gewalt, sie arbeitet mit geschichtsrevisionistischen Anspielungen und sie bedient antisemitische Stereotype" – darauf weist der Rechtsextremismus-Experte und Buch-Autor Thomas Kuban in dem Beitrag auf Filmfaktum wiederholt hin.

Dass Botschaften der Südtiroler Gruppe verschiedentlich Kritik hervorrufen, ist in Deutschland spätestens seit dem Frühjahr 2013 bekannt, als die „Deutsche Phono-Akademie“, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie, die „Frei.Wild“-Nominierung für den Musikpreis „Echo“ zurückgezogen hat. Viele Medien haben darüber berichtet.

Trotzdem kann sich die Band bis heute damit brüsten, dass keines ihrer Lieder von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert worden ist. Wenn ein Musiktitel auf diesen Index kommt, darf der entsprechende Tonträger nicht mehr an Personen unter 18 Jahren verkauft werden. Dies ist bei „Frei.Wild“ aber bisher nicht der Fall. Die Band tourt seit dem vergangenen Jahr durch deutsche Großstadthallen und spielt vor zigtausend Fans – darunter sind viele Jugendliche.

Wie bewertet die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien die Liedtexte von „Frei.Wild“?

Gegenüber Thomas Kuban hat die BPjM erklärt: „Zu Tonträgern oder sonstigen Veröffentlichungen der Musikgruppe ,Frei.Wild‘ wurden bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien bisher keine Indizierungsverfahren durchgeführt.“ Die Bundesprüfstelle dürfe nur auf Antrag oder Anregung der in Paragraf 21, Absatz 2 und Absatz 4, des Jugendschutzgesetzes genannten Stellen tätig werden. Dort sind aufgeführt: das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die obersten Landesjugendbehörden, die zentrale Aufsichtsstelle der Länder für den Jugendmedienschutz, die Landesjugendämter, die Jugendämter sowie andere Behörden und „anerkannter Träger der freien Jugendhilfe“. Die BPjM schreibt weiter: „Zu Veröffentlichungen der Gruppe ,Frei.Wild‘ wurden bisher keine Anträge/Anregungen eingereicht.“

Wie die Vorsitzende der Bundesprüfstelle, Elke Monssen-Engberding, bestätigt hat, darf sie nicht von Amts wegen tätig werden, wenn sie auf einen jugendgefährdenden Liedtext aufmerksam wird, sofern sie nicht von einer der im Jugendschutzgesetz genannten Behörden und Institutionen auf diesen Liedtext aufmerksam gemacht worden ist. Wenn sie also einen jugendgefährdenden Liedtext kennt, aber weder ein Antrag noch eine Anregung der gesetzlich vorgesehenen Stellen bei der BPjM eingeht, dann kommt der entsprechende Tonträger nicht auf den Index.

Im Fall „Frei.Wild“ hat die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Heike Taubert (SPD), den Journalisten Thomas Kuban darüber informiert, dass sie die „Anregung, dass bestimmte Textstellen von Liedern der Band ,Frei.Wild‘ jugendgefährdend sein könnten, sehr ernst nimmt“. Die Ministerin hat deshalb „eine Prüfung der entsprechenden Textpassagen durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) angeregt“ und über die „zuständige Abteilung ,Jugend, Familie, Sport, Landesjugendamt‘ auf den Weg bringen lassen“.

Der Pressesprecher ihres Ministeriums hat außerdem mitgeteilt: „Fest steht, dass Träger- und Telemedien, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden, als jugendgefährdend zu bewerten sind. Dazu zählen vor allem unsittliche, verrohend wirkende, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende Medien sowie Medien, in denen Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen selbstzweckhaft und detailliert dargestellt werden oder Selbstjustiz als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Gerechtigkeit nahe gelegt wird. Ob dies auch auf Texte der Band ,Frei. Wild‘ zutrifft, wird die von Frau Ministerin angeregte Prüfung ergeben.“

Die Band „Frei.Wild“ hat beispielsweise das Gewalt und Selbstjustiz verherrlichende Lied „Rache muss sein“ veröffentlicht, das auf dem Album „Eines Tages“ im Jahr 2002 erstmals verkauft wurde. Eine Neuauflage der CD hat das „Frei.Wild“-Label „Rookies & Kings“ mit Sitz in München im Jahr 2009 auf den Markt gebracht.

Auf Filmfaktum hat Kuban den Text ausführlich analysiert.

Die Band „Frei.Wild“ beginnt am 21. November in Berlin ihre nächste Deutschland-Tournee.

Kommentare(43)

Ingo Lühn Donnerstag, 14.November 2013, 19:34 Uhr:
Liebe Leute von Stroch Heinar,ihr habt jetzt aber echt einen Vogel.Das geht garnicht,ich habe mir gerne eure Seite auf FB angeschaut um nich über den rechten Müll zu informieren,aber das geht jetzt zu weit.Frei.Wild ist und wird nie eine rechte Band sein!Es ist einfach nur Deutsche Rockmusik!Lasst euch mal was neues einfallen es langweilt mich!Wie wäre es wenn ihr mal zur Abwechslung diesen Rapper und HIpHop Kram analysiert!Oder Texte von Englischsprachiegen Metallbands,danach könnt ihr mal wieder so einen schwachsinnigen Artikel bringen!Schönen Tag noch!!
 
Felix G-Punkt Donnerstag, 14.November 2013, 20:33 Uhr:
Ich hoffe doch mal, das mein Vorredner, Ingo hier ein Fünkchen Sarkassmus bzw. Ironie an den Tag legt. :D
 
Bätti Donnerstag, 14.November 2013, 21:32 Uhr:
Felix.... ich glaub, das war sogar echt-wirklich-total Sarkasmus.... ich hab gelacht ;D
 
Roichi Donnerstag, 14.November 2013, 22:08 Uhr:
@ Ingo

Noch ein Fan, der sinnlos rumpöbelt, oder doch nur Ironie?
 
Gunnar M Donnerstag, 14.November 2013, 22:38 Uhr:
Ich kann ebenfalls nicht verstehen, warum im Rahmen dieses Anti-Rechts-Forums gegen eine Band gewettert wird, die sich seit Jahren öffentlich gegen rechtes Gedankengut engagiert.
Die Band kann man mögen oder nicht. Sie aber, bei nicht gefallen, in eine politische Ecke zu kehren finde ich ziemlich unprofessionell.
 
Philip Freitag, 15.November 2013, 03:02 Uhr:
Mach die Augen auf, lieb ruhig dein Zuhaus
Lebe aber mit Bedacht und lass eines niemals außer Acht
Schau genau und das raus übern Tellerrand
Lebe wie ein Mensch mit Herz und mit Verstand
Bekämpf den Zorn, handle mit Menschlichkeit
Und steh auf für Wahrheit und Gerechtigkeit

Das ist nur eine von dutzenden Liedtexten, bei denen sich FW klar gegen Gewalt aussprechen. Wem die erste Zeile schon wieder zuviel Heimatliebe darstellt und denkt rechtes Gedankengut zu riechen , ist einfach zu sehr auf sich beschränkt und nicht fähig andere Ansichten zu akzeptieren. LG
 
Ein Nienhagener Freitag, 15.November 2013, 10:53 Uhr:
"Das ist nur eine von dutzenden Liedtexten, bei denen sich FW klar gegen Gewalt aussprechen. "

Na das ist doch schön.
Dann droht diesen Liedern doch keine Unbill seitens der BPjM und rechtfertigt keinen Sturm im Freiwild-Fanclub-Wasserglas.

Was aber z.B. mit dem genannten "Rache muss sein" passiert, wird die Prüfung der BPjM ergeben.

Hier kann doch auch genauso gut heraus kommen, dass kein Indizierungsgrund vorliegt.

Ergibt die Prüfung aber einen Indizierungsgrund, folgt, auch wenn es der "Fan-Logik" widerspricht:
Eine Aufrechnung i.S. von "zwei unkritische Lieder machen ein kritisches wieder wett" findet im Rahmen der Prüfung nicht statt.
 
Tom Freitag, 15.November 2013, 11:34 Uhr:
Mal ganz im Ernst: Diese Seite berichtet, dass diese Analyse durchgeführt wird und, dass es Kritiker gibt, die der Meinung sind, FW sei rechts. Sie nimmt nicht selbst Stellung dazu.
 
Kommentator Freitag, 15.November 2013, 11:50 Uhr:
Was regt Ihr euch schon wieder so auf? Wenn FW so unschuldig sind und die Texte so harmlos und gegen Gewalt, dann wird die prüfung nichts ergeben. Also nicht vorher jammern, oder erwartet Ihr doch ein negatives Ergebnis???
 
General Freitag, 15.November 2013, 12:53 Uhr:
@Kommentator
Die Kapelle Freiwild macht Musik und hat verstehbare Texte.
Völlig unpolitisch und gewaltfrei.
 
Lars Freitag, 15.November 2013, 12:54 Uhr:
Dieser Artikel ist furchtbar!!!! Zeilenweise Andeutungen, allgemeines Geschwafel über das allgemeine Verfahren. Der einziger Wirklich konkreter Vorwurf an die Band ist ganz am Ende in einer Zeile: "Gemeint ist das Lied ...." Was soll dieser Artikel bewirken? Aufklärung oder weitere Vorurteile durch Halbe-Geschichten.
Beim nächsten mal bitte besser, so bringt das Nix
 
Philip Freitag, 15.November 2013, 13:48 Uhr:
Ja, zugegeben das lied "Rache muss sein" ist echt ein wenig grenzwertig, hinsichtlich der Gewaltdarstellung. Mir ist klar, dass 2 "Anti-Gewaltlieder" nicht ein anderes nichtig machen. Das Lied "Rache muss sein" hätte meiner Meinung sogar eine Indizierung verdient. Wenn ich aber schon am anfang lesen muss "die rechtslastige band", wer hat das beschlossen? Warum hätte "Deutschrockband" oder einfach nur Band nicht gereicht? Warum gleich Meinungsmanche betreiben? Und warum direkt die härteste Anschuldigung seitens des selbsternannten Experten Kuban als Zitat dem leser direkt vor den Latz klatschen? Okay,es ist ein Zitat. Aber mal ganz ehrlich,welches Bild wird hier schon wieder einem Leser vermittelt der FW nicht kennt? Er liest in den ersten 10 Zeilen eine Behauptung seitens des Autores,dass die Band rechtslastig ist (was eine dreiste Behauptung ist). Dann sagt ein Experte es gäbe Antisemitische Inhalte. Da ist für viele Leser schon klar: FW = Naziband,warum auch nicht? Es kommt ja von einem Experten, die haben ja sowieso immer recht,oder? In einem objektiven kritischen Artikel,lässt man die Gegenseite auch zu Wort kommen (So war es jedenfalls mal vorgesehen (; ). Es gibt genug "Experten" die das Gegenteil kundgeben, diese werden jedoch hier ignoriert. Somit handelt es sich hier um reine subjektive Meinungsmache. LG
 
Flo Freitag, 15.November 2013, 15:59 Uhr:
Diese Frei.Wild-Groupies sind schon manchmal echt lustig. Es gibt mehrere Fakten zum Thema Frei.Wild.
1. Teile der Band haben sich im rechten Spektrum engagiert, zumindest in der Vergangenheit
2. Sie haben nach dem marketingtechnischen Super-GAU der Echoverleihung eine Demo gegen Extremismus gestarte
und jetzt kommt noch 3. dazu: eine Ministerin will, dass die Veröffentlichungen der Band Sicht des Jugendschutz überprüft werden.
Ich denke darüber darf und sollte auch berichtet werden und es bleibt jedem selbst überlassen wie er darüber denkt.
Für mich ist die politische Gesinnung der Band als Gemeinschaft zweifelhaft und genau aus dem Grund werde ich die Band weder durch Plattenkäufe, noch bei irgendwelchen Aktionen umterstützen. Aber wer Fan ist und das bleiben möchte, wird doch da durch nicht daran gehindert, also hört mal damit auf, hinter jedem Bericht über sie gleich eine Verschwörumg von Frei.Wild-Hassern zu suchen.
 
hanz Samstag, 16.November 2013, 01:54 Uhr:
Find ich gut, dass gegen entartete Kunst wie die von "Freiwild" endlich staatlicherseits vorgegangen wird. Ich will eine politisch reine Volksgem... äh... Gesellschaft!
 
Philip Samstag, 16.November 2013, 05:31 Uhr:
Hey flo,
Ich habe generell nichts gegen Kritik,egal gegen wen. Kritik ist wichtig,ob diese jetzt meine Lieblingsband betriftt, oder i.etwas anderes spielt keine rolle. Ich habe auch nichts dagegen,dass die Bpjm Lieder von FW überprüft. Meine Kiritk bezieht sich lediglich auf den ersten Teil des Artikels; bei dem m.M. nach subjektive Meinungsmache (wie in 99% der anderen TV-Berichten,Zeitungsartikeln) betrieben wird. Dies führt dazu,dass "sozial neutral" eingestellte Menschen wie ich, aus öffentlichen Locations geworfen werden, weil sie ein FW-Shirt tragen. (persönliche Erfahrung) In unsrer Gesellschaft sind viele Menschen nichtmehr (anscheinend) in der Lage sich eine eigene Meinung zu bilden und vertrauen blind auf Medien. Ein solcher Mensch genügt schon die ersten Zeilen des obrigen Artikels "antisemitismus" "rechtslastig" (in diesem Artikel würde ein Weiterlesen widerum auch keinen Unterschied machen,da die "FW Seite" nicht zu wort kommt) um sich bestätigt/informiert zu fühlen: FW = Rechter Abschaum. Wenn ein FW Fan es dumm findet,dass die Bpjm Lieder überprüft,dann ist er dumm. Dieser ganze Artikel wäre vollkommen legitim gäbe es diese unnötige, meinungsmachende, von Behauptungen geprägte und von Halbwissen triefende Einleitung nicht. LG
 
General Samstag, 16.November 2013, 10:28 Uhr:
Sehr erstaunlich, wie leicht und erfolgreich sich eine Masse von Menschen
manipulieren lässt. Die Medienhörigkeit ist sehr groß.
Um sich eine eigene Meinung zu bilden, braucht es objektive Informationen.
Wenn es die nicht oder nicht so einfach gibt, werden Unwahrheiten geglaubt.
Wer nichts weiß, muß alles glauben.
Vorurteile lassen sich schwieriger beseitigen , als Urteile.
Gute Menschen kommen in den Himmel, böse kommen überall hin.
ICH BIN LIEBER DER BÖSE.
 
Dresdner Samstag, 16.November 2013, 22:08 Uhr:
@ General

Ich bin beeindruckt, wie Sie das immer hinkriegen in Ihren Kommentaren keinerlei Stellung zum Thema zu beziehen.

Nur der Unwissende wird böse, der Weise versteht.
(Indisches Sprichwort)
 
JayBee Samstag, 16.November 2013, 23:38 Uhr:
@ genral

"Um sich eine eigene Meinung zu bilden, braucht es objektive Informationen."

Und warum noch mal sind nun genau Deine Informationen so objektiv? Weil Du sie Dir selber ausgedacht hast.
 
Thomas Sonntag, 17.November 2013, 02:37 Uhr:
FW lacht sich ins Fäustchen. Was besseres konnte ihnen nicht passieren. Die Medien stürzen sich drauf und steigern den Bekanntheitsgrad der Band. Die Fans solidarisieren sich und viel von ihnen KAUFEN die Produkte. (ist ja IHRE Band). Finanziell läuft es bei denen.

...und die Texte. Wer es hören will findet genug in der Richtung (und schärfer). Und wer nicht...der nicht.
 
Chewie Sonntag, 17.November 2013, 04:51 Uhr:
@ General:

Dann bring sie doch mal an, deine objektiven Informationen. Deine Statements jedenfalls sind nichts als schwachsinniges und inhaltleeres Gebrabbel,
 
münchhausen Sonntag, 17.November 2013, 14:05 Uhr:
1/2

@Philip:

Ich finde problematisch, dass Sie entweder davon ausgehen:

- dass man sich objektiv über FW informiert und dann zu Ihrer Ansicht gelangt
- oder man der Presse folgt und deswegen FW als Rechtsrockband ablehnt.

Sie lehnen die Möglichkeit ab, dass Personen sich selbst eine Meinung anhand der vorliegenden Tatsachen bilden und selbst zu dem Schluss kommen, dass FW kritisch einzuschätzen ist. Jede Gegenmeinung ist für Sie illegitim, weil nicht eigenständig gebildet.

Wenn Sie das machen, nehmen Sie aber das Ergebnis der Diskussion voraus: Entweder man erkennt "die objektive Wahrheit", dass an FW nichts auszusetzen ist oder man ist eben der "Lüge" der Presse zum Opfer gefallen.

Viele Menschen haben sich aber sehr wohl mit der Band auseinandergsetzt und sind eben zu einem anderen Ergebnis gekommen. Ich behaupte nicht, dass es sich um die BAndmitglieder um überzeugte Rechte handelt. Das ist aber auch imho vollkommen belanglos. Wichtig ist, dass die Texte immer wieder Anspielungen enthalten, die nicht etwa von links, von öko, von antifa, von Migranten, sondern ausschlueßlich von rechts goutiert werden.

Ein paar Beispiele im nächsten Beitrag. Es kann ja sein, dass Sie inhaltlich damit übereinstimmen und deswegen kein Problem darin sehen: "Das was der Burger sagt ist doch so" - dann aber beanspruchen Sie wieder "die Wahrheit" für sich. Denn die Texte erzählen nicht nur, sie transportieren auch eine gewisse Haltung. Und das sehen viele Menschen als problematisch an.
 
münchhausen Sonntag, 17.November 2013, 14:22 Uhr:
2/2

- "Kreuze werden aus Schulen entfernt, aus Respekt / Vor den andersgläubigen Kindern" - Das ist ja keine sachliche Zustandsbeschreibung hier. Da werden die Auswirkungen einer multireligiösen Gesellschaft kritisiert/verhöhnt. Es wird auf die Verdrängung der heimischen Identität abgehoben.

- "Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat / Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk" - Erhalt der Tradition, Einheit der Kultur, Bewahrung des Volkes. Ob es jemand persönlich gut oder schlecht finden, spielt keine Rolle. Es ist ganz wertfrei und rein analytisch gesprochen rechts(konservativ).

- "Nichts als Richter, nichts als Henker / Keine Gnade und im Zweifel nicht für dich / Heut gibt es den Stempel, keinen Stern mehr / Und schon wieder lernten sie es nicht." - Eine Verharmlosung der Judenverfolgung. Menschen werden heute nicht staatlich gezwungen ihre Religion/Herkunft offen zur Brust zu tragen und werden nicht enteignet, staatlich verfolgt und industriell vernichtet. Aber das ganz ist doch nur metaphorisch gemeint? Genau darin liegt die Verharmlosung und Verhöhnung. Man selbst steigert seinen Opferstatus ins Unermessiche und das Schicksal der verfolgten Juden wird mit der Gegenwart verglichen und relativiert.

Ich halte FW nicht für eine neonazistische Band wie Störkraft/Lunikoff usw. Aber deswegen wird sie ja eben auch nicht als Neonaziband sondern als Rechtsrockband betitelt.Viele Menschen kommen zum Schluss, dass die Texte rechts sind, ganz ohne Presse
 
münchhausen Sonntag, 17.November 2013, 14:41 Uhr:
3/2

Ein Argument der FW-Fans ist ja, dass da Sachen in den Text hineininterpretiert werden, die die Band gar nicht vertritt. Das Argument ist aber überhaupt nicht stichhaltig. Es geht ja nicht um ein Lied, das vielleicht ironisch oder etwas pathetisch überhöht ist. Es ergibt sich aus einer Vielzahl von Liedern eine repräsentatives Bild, das in eine Richtung weist.

Man kann nicht überall alles hineninterpretieren. Versuchen Sie mal ähnlich stichhaltig wie bei FW den Sportfreunden, Ärzten, BAP, Madsen, den Toten Hosen, Westernhagen, Wir sind Helden, Kettcar, Jennifer Rostock rechtslastige Tendenzen hineinzuinterpretieren. Es hat schon einen Grund, warum in der rechten Szene FW und nicht etwa 'Echt' so großen Anklang findet.

Noch ein Beispiel zum Vergleich:

Hosen:
"Hohe Berge, weite Täler/klare Flüsse, blaue Seen/dazu ein paar Naturschutzgebiete/alles wunderschön
Wir lieben unser Land!"

Klingt nationalistisch?

- In dem Lied wird dieser Nationalismus später ironisch gebrochen. Auf FW kann ich dieses Argument nicht anwenden.
- Die Bandmitglieder haben keine Vergangenheit als aktive Rechte. FW schon
- Das ist das einzige Lied über "Vaterland". Bei FW ist es wiederkehrendes Motiv
- DTH hat Lieder, die sich eindeutig gegen "rechts" positionieren. Bei FW geht es gegen Gutmenschen und Extremismus im allgm.

Man kann ja der Meinung sein, dass FW nur die "Wahrheit" singt. Man kann der Meinung sein, daß an einem "gesunden Patriotismus" nichts falsch ist. Aber das ist nunmal rechts.
 
Bürger Montag, 18.November 2013, 02:54 Uhr:
@ Münchhausen

"Man kann ja der Meinung sein, dass FW nur die "Wahrheit" singt. Man kann der Meinung sein, daß an einem "gesunden Patriotismus" nichts falsch ist. Aber das ist nunmal rechts. "

Stellt sich nur die Frage,was daran so schlimm sein soll?!
 
Roichi Montag, 18.November 2013, 16:46 Uhr:
@ Gunnar

Mal abgesehen von der Tatsache, dass dir offenbar wesentliche Informationen fehlen, geht es hierbei nicht um persönliche Empfindung, sondern Fakten.
Und die sprechen grad nicht für die Band.

@ Philip

Willst du jetzt jeden Text durchgehen, oder nur die, von denen du meinst, sie würden hier etwas aufzeigen?
Dann aber bringt das gar nichts.

"und nicht fähig andere Ansichten zu akzeptieren"

Das ist ein Problem der Fans, das hier öfter auftaucht.

"Wenn ich aber schon am anfang lesen muss "die rechtslastige band", wer hat das beschlossen?"

Das ist eine Einschätzung, die auf ihren Aussagen und Liedern beruht, und die bisher von der Band nicht ausgeräumt wurde.

"Warum hätte "Deutschrockband" oder einfach nur Band nicht gereicht?"

Weil es keine ausreichende Beschreibung wäre.

"was eine dreiste Behauptung ist"

Nö. Diese Behauptung wurde hier auf der Seite auch schon begründet.

"In einem objektiven kritischen Artikel,lässt man die Gegenseite auch zu Wort kommen "

Immer diese Möchtegernjournalisten.
Keine Ahnung haben und dann mit sowas kommen.
Dann kannst du ja auch von der DS verlangen, dass sie Asylbewerber interviewt. Oder ist das was ganz anderes.

"Es gibt genug "Experten" die das Gegenteil kundgeben"

Es steht dir frei, diese zu verlinken.

"dass "sozial neutral" eingestellte Menschen wie ich,"

Soll das sowas wie "unpolitisch" sein, um nicht sagen zu müssen, dass man rechts ist?
Soviel zur Ehrlichkeit.

Ende Teil 1
 
Roichi Montag, 18.November 2013, 16:47 Uhr:
Teil 2

"aus öffentlichen Locations geworfen werden, weil sie ein FW-Shirt tragen."

Tja. Wer sich öffentlich äußert muss auch mit einer Reaktion klarkommen.
Und genau das hast du getan.

"Dieser ganze Artikel wäre vollkommen legitim gäbe es diese unnötige, meinungsmachende, von Behauptungen geprägte und von Halbwissen triefende Einleitung nicht."

Wen interessiert denn deine Meinung dazu?
Die Autoren können und dürfen schreiben, was sie wollen.

Ansonsten ist Münchhausen mal wieder nichts hinzuzufügen.



@ General

"Die Kapelle Freiwild macht Musik und hat verstehbare Texte.
Völlig unpolitisch und gewaltfrei. "

Immerhin besser als deine Kommentare, die weder verständlich, noch unpolitisch sind und schon gar nicht Gewaltfrei.
Da wären sie dir weit voraus.
Dass du natürlich die Hälte weglässt, und deine eigene Agenda verfolgst, wissen wir schon.


@ Lars

Lies den Artikel.
Dann weißt du auch was drinsteht.
 
Alex Dienstag, 19.November 2013, 09:51 Uhr:
Kuban hat also den text "Rache muss sein" analysiert? Ich darf in Erinnerung rufen, dass der text auf dem ersten Album war, wo die Texte fast ausschließlich vom Saufen, Freundschaft und Themen, die grad im Interesse der damals noch jugendlichen Bandmitglieder waren, handelten.
Wenn Kuban sich dahinter setzt, will er doch irgendetwas beweisen. Aber was? Ein solch alter und noch dazu schlechter Text sagt so viel über eine Band aus, wie die Aussagen, die Menschen in ihrer Jugend getätigt haben über sich als Person. Vor allem die textliche Entwicklung der band spricht dagegen.
Also wo will er also das Gewaltpotenzial der Band nachweisen? (Wenn man sich seine Analyse anschaut, dann erweckt es den Anschein als wollte er genau das)

Ich will trotz allem nicht verneinen, dass das Lied ein gigantisches Potenzial an Gewaltverherrlichung ausstrahlt, welches durchaus auf den Index gehört.
 
TB Dienstag, 19.November 2013, 12:36 Uhr:
Bei dem genannten Beispiel "Rache muss sein" stimme ich zu, es kann zumindest gewaltverherrlichend verstanden werden. Wobei dann wohl auch die meisten Punk- und Aggro-Berlin-Bands/Interpreten auf den Index müssten.

Ne ganz andere Sache ist der Vorwurf der Rechtslastigkeit. Ich sehe hier den entscheidenden Unterschied zwischen Patriotismus = Heimatliebe und Nationalismus = Fremdenhass. Da kann jeder selbst entscheiden, worunter ein Lied für ihn fällt. Mir ist jedoch noch kein Fall von Fremdenfeindlichkeit in Frei.Wild-Liedern aufgefallen (wobei ich auch nicht alle kenne).

Bei den eher patriotischen Liedern (wie z.B. "Wahre Werte") kommt noch hinzu, dass Frei.Wild als Südtiroler Band die Situation der Südtiroler Minderheit thematisiert. Jedoch nicht indem sie Hass aufs Italienische schürt, sondern indem sie schlicht die sprachliche und kulturelle Eigenständigkeit ihres "Volkes" (kulturell verstanden, nicht rassistisch) herausstellt. Mag sein, dass es unter den Frei.Wild-Fans auch manche Rechte und Rechtsradikale gibt, welche diesen Bezug übersehen (wollen oder schlicht zu schlicht sind, ihn zu sehen). Jedoch spricht das gegen diese "Fans", nicht gegen die Gruppe selbst.
 
münchhausen Dienstag, 19.November 2013, 14:17 Uhr:
1/2

Die Geschichte vom "guten" Patriotismus und vom "bösen" Nationalismus ist ein Trugbild, tatsächlich sind das beides die zwei Seiten der gleichen Medaille. Das können Sie nun glauben oder nicht, aber die Politik-, Geschichts- und Sozialwissenschaften haben das in einer Vielzahl an Arbeiten eindeutig festgestellt. Wenn Menschen persönlich anderer Meinung sind, mag das so sein, nur dann deckt sich das nicht mit der Realität. Psychologische und soziale Prozesse finden nämlich wirklich statt - Patriotismus/Nationalismus ist nichts anderes als die Kategorie, mit der Wissenschaftler ein bestimmtes existierendes Phänomen in der Gesellschaft beschreiben.

Patriotismus/Nationalismus funktionieren über das Gefühle von Zusammenhalt und Zugehörigkeit zu einem größeren Verbund (guter Patriotismus), die Herstellung einer homogenen Identität funktioniert aber nur über die Abgrenzung nach außen (böser Nationalismus).

Das beste Beispiel liefert der "Partyotismus" der WM 2006. Mit dem "neuen Patriotismus" wurde auch ein Anstieg der Ressentiments und ein Anpassungsdruck festgestellt. Nicht durch herumphilosophieren, sondern durch harte Sozialempirik

Die Wissenschaft ist sich da in der Tendenz einig. Sie können sich entweder in das Thema einlesen und die Argumente und Beweise, die ich hier nich auf 1500 Zeichen unterbringen kann, auf sich wirken lassen oder sich in einen persönlichen Relativismus flüchten, wo sie ihre eigenen Kategorien und Definitionen über die Welt anstellen.
 
münchhausen Dienstag, 19.November 2013, 14:37 Uhr:
2/3

in der politischen Diskussion wird tatsächlich zwischen Patriotismus und Chauvinismus/Nationalismus geschieden, dieses Auseinanderdividieren hat aber wie erwähnt nunmal nichts mit der historischen und soziologischen Realität gemeinsam.

Forschungen zur Chimäre Patriotismus/Nationalismus:

- Langewiesche, Dieter: Nation, Nationalismus, Nationalstaat. Forschungsstand und Forschungsperspektiven. In: Neue Politische Literatur 40
Zeigt, dass ich der Geschichte 'guter, emanzipatorischer' Patriotismus wie in der Vormärzbewegung auch immer zugleich mit einer aggressiven Abwertung der Fremden verbunden war und beide Teile nicht voneinander trennbar sind

- Schediwy, Dagmar: Ganz entspannt in Schwarz-Rot-Gold? Der Neue deutsche Fußballpatriotismus aus sozialpsychologischer Perspektive, Berlin 2012.
Die Abriet aus der Sozialpsychologie zeigt, dass WM-Patrioten ganz unbewusst zur Abwertung nicht nur der gegnerischen Mannschaften, sondern auch anderer 'Nationen' neigten.

- Jürgen Fleiß, Franz Höllinger, Helmut Kuzmics: Nationalstolz zwischen Patriotismus und Nationalismus? Empirisch-methodologische Analysen und Reflexionen am Beispiel des International Social Survey Programme 2003 „National Identity“. In: Berliner Journal für Soziologie 19 (3), 2009, S. 409–434
Diesmal aus der Soziologie. Der Unterschied wird nochmals anhand harter empirischer Fakten eingeebnet.
 
münchhausen Dienstag, 19.November 2013, 14:53 Uhr:
3/3

Münkler, Herfried: Wege in die neue Bundesrepublik: Politische Mythen und kollektive Selbstbilder nach 1989, Frankfurt 2009.
Erklärt aus politikwissenschaftlicher Sicht, warum in der politischen Debatte der Gegenwart die Unterscheidung zwischen Patriotismus und Nationalismus zu Stande kam, welche Interssen dahinter standen und warum der Nationalismus nicht vom Patriotismus zu trennen ist.

Und um die großen Zusammenhänge zu verstehen, um zu verstehen, warum die Welt anders ist als wir sie wahrnehmen und zur Theorien, Funktion und Geschichte des Nationalismus/Patriotismus siehe den Überblick über die verschiedenen Ansätze bei

- Salzborn, Samuel (Hg.): Staat und Nation, Stuttgart 2011.
- Weichlein, Siegfried; Nationalbewegung und Nationalismus in Europa, Darmstadt 2006

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Natürlich sind diese Arbeite nicht sakrosankt und der Wahrheit letzter Schluss. Aber wenn Sie anderer Meinung sind, dann müssen Sie sich an den Argumenten und Ergebnissen , sozusagen am state of the art, abarbeiten. Heutzutage würde ja auch (fast) niemand mehr einen Aderlass statt einer Chemotherapie veranlassen - der Stand der Erkenntnis ist einfach weiter.
Der sozialpsychologischen Realität ist ihre Meinung egal. Deswegen funktionieren die genannten Arbeiten auch umgekehrt: Sie finden zuerst ein gesellschaftliches Phänomen vor und beschreiben und erklären es dann (Deduktion)
 
Roichi Dienstag, 19.November 2013, 15:56 Uhr:
@ TB

"Ich sehe hier den entscheidenden Unterschied zwischen Patriotismus = Heimatliebe und Nationalismus = Fremdenhass."

Der Übergang ist fließend und nicht klar definiert.
Von daher kann man das auch anders sehen.
Zumal deine Definition schon recht abenteuerlich und sehr vereinfachend ist.

"Jedoch spricht das gegen diese "Fans", nicht gegen die Gruppe selbst. "

Es spricht allerdings nicht für die Gruppe, sich gerade hier nicht klar zu positionieren und sogar im Gegenteil ganz offiziell zu sagen, dass man auch dieses Publikum bedienen möchte.
 
Gunnar M Mittwoch, 20.November 2013, 00:26 Uhr:
@ alle und

@ Roichi,
eine sehr aufwendige Darstellung, die Du da verfasst hast. Leider fällt auf das Du Dir die Kommentare dieser Diskussion immer so zurecht drehst, dass sie in Dein schon vorgefertigtes Meinungsbild passen. Trauriger Höhepunkt ist dabei sicher "sozial neutral" = "unpolitisch" = "rechts"

Mit diesem Talent könntest Du sicher Sprecher jeder Partei werden. Aber vielleicht hast Du Dir auch keine richtige Mühe gegeben.

Ich will hier mal darauf verzichten weiterhin Texte der Band auseinander zu nehmen - dass ist in diesem Rahmen exemplarisch schon ausgiebig passiert. Auch sind einzelne Passagen, sicher auch im Hinblick auf die insgesamt über 10 Jährige Entwicklung der Band, kontrovers zu einander. Weiterhin bin ich der Meinung, dass man den Texten der Band durchaus eine gewisse Aggression nach sagen kann. Dies ist allerdings ein Mittel, welches - wie auch schon gesagt - im gesamten Hardrock bis hin zu Punkrock und Rap Anwendung findet und somit nicht auf eine bestimmte politische Einstellung zurück zuführen ist.
Schlussendlich glaube ich am Ende der Band selbst, die in allen Interviews immer wieder hervorhebt - wie sie zu dem Thema "rechts" eingestellt sind.

(@ Roichi - vielleicht wesentliche Informationen, die Dir noch fehlen ;)

Daher exemplarisch, für alle die sich selbst ein Bild aus erster Hand machen wollen:

http://www.youtube.com/watch?v=-IofKlDn7Z8

http://www.youtube.com/watch?v=Y8GYNLRSQss
 
JK Inc Mittwoch, 20.November 2013, 14:44 Uhr:
@General

Das Sprichlaut lautet: "Gute MÄDCHEN kommen in den Himmel, Böse überall hin!"

Aber gut, die Nazideppen in Dortmund spielen auch Rio Reiser und die Die Ärzte...
 
General Mittwoch, 20.November 2013, 17:14 Uhr:
@Roichi
"Dass du natürlich die Hälfte weglässt, und deine eigene Agenda verfolgst,
wissen wir schon."
So, so ! Wer ist denn "wir" ?
Ich kann gerne noch etwas hinzufügen.
Freiwild macht Musik und unterliegt nicht diesem in Deutschland medial propagiertem Ungeist keinen Nationalstolz besitzen zu dürfen.
Sie haben italienische Pässe und sind naturgemäß Stolz auf ihre Heimat Südtirol.
In den Konzerten gibt es nur kunstinteressiertes Publikum, keinerlei gewalttätige oder politisch motivierte Vorkommnisse.
Wer natürlich alles was nicht stramm links ausgerichtet ist, als rechtslastig
einstuft, sollte sich mal fragen warum er sich so manipulieren lässt.
P.S. Gibt es irgendetwas, das nicht manipuliert wird?
 
Bürger Mittwoch, 20.November 2013, 19:01 Uhr:
Da der Kommentator "Münchhausen" die Band "Die Ärzte" in die Diskussion eingebracht hat und der Kommentator "ein Nienhagener" den Text des "Frei.Wild"-Liedes "Rache muss sein" für indizirungswürdig hält,möchte ich die Texte des Liedes "Rache muss sein" von "Fei.Wild" mit dem Text des Liedes "Schunder-Song" der der Band "Die Ärzte" gegenüberstellen.

Ich Zitiere als erstes aus dem "Schunder Song" der "Arzte":

"...Gewalt erzeugt Gegengewalt - hat man Dir das nicht erklärt.
Oder hast Du da auch, wie so oft, einfach nicht genau zugehört.
Jetzt stehst Du vor mir und wir sind ganz allein.
Keiner kann Dir helfen, keiner steht Dir bei.
Ich schlage nur noch auf Dich ein.

Immer mitten in die Fresse rein!
Immer mitten in die Fresse rein!"

Und zum Vergleich,der Text des Liedes "Rache muss sein, von "Frei.Wild":

"Hast auf mich geschlagen,
warst einer dieser drei.
Doch in fünf Minuten,
sind's ja eh nur noch zwei. (sind's ja eh nur noch zwei, Jaaaah)

Denn heut' verhaue ich Dich,
schlag Dir mein Knie in deine Fresse rein.
Heut' vermöbel ich Dich,
Zähne werden fallen durch mich.

Und ich tret' Dir in deine Rippen,
schlag mit dem Ellbogen auf Dich ein.
Tut mir leid mein Freundchen,
aber Rache muss sein, die muss sein."

Ich gaube nicht,dass bei beiden Liedern ein Indizierungsgrund vorliegt.
Aber wenn das Lied "Rache muss sein" von der BPjM indiziert wird,dann sollte diese Behörde auch so konsequent sein und den "Schunder-Song" von den "Ärzten" ebenfalls indizieren.
 
Ein Nienhagener Donnerstag, 21.November 2013, 13:10 Uhr:
@Bürger
"der Kommentator "ein Nienhagener" den Text des "Frei.Wild"-Liedes "Rache muss sein" für indizirungswürdig hält,möchte ich die Texte des Liedes "Rache muss sein" von "Fei.Wild" mit dem Text des Liedes "Schunder-Song" der der Band "Die Ärzte" gegenüberstellen."

Man weiß ehrlich gesagt nicht, ob man der schier grenzenlosen Unfähigkeit der Neonazis lachen oder heulen soll.

Punkt 1)
Ich halte das Lied also für "indizierungswürdig". Nun gut. Lesen wir nochmal nach, was ich dieser Tage in diesem Strang kommentierte: "Was aber z.B. mit dem genannten "Rache muss sein" passiert, wird die Prüfung der BPjM ergeben. Hier kann doch auch genauso gut heraus kommen, dass kein Indizierungsgrund vorliegt."

Punkt 2)
"Die Ärzte"
sind gerade ein gutes Beispiel dafür, wie die BPjM arbeitet und vor allem, wie man "locker" und mit Stil mit Indizierungen umgehen kann.
Aber Neonazis sind ja per Definition anscheinend vollkommen humorlos und spaßbefreit .

Punkt 3)
Ehrlich gesagt kann ich den ganzen Frei.wild-Hype auch nicht nachvollziehen. Liegt aber wohl eher daran, dass wir in Nienhagen andere Kaliber aus dem Bereich gewöhnt sind.

"dann sollte diese Behörde auch so konsequent sein und den "Schunder-Song" von den "Ärzten" ebenfalls indizieren."

Kann doch passieren.

Das Prozedere, also wie, wer, wann und warum eine Prüfung beantragen kann steht im Artikel.

Ach ja - ich vergaß:
Verstehendes Lesen und erfassen von Sachverhalten ist Ihnen wesensfremd.
 
Roichi Donnerstag, 21.November 2013, 13:15 Uhr:
@ Gunnar

"eine sehr aufwendige Darstellung, die Du da verfasst hast."

Nö. Mit Absicht nicht.
Aber das hat Münchhausen ja gemacht.
Schon interessant, was du mir vorwirfst, um dann doch selbst nichts anderes zu praktizieren.
Zumal du deinen Vorwurf nirgends belegen kannst.

"Trauriger Höhepunkt ist dabei sicher "sozial neutral" = "unpolitisch" = "rechts""

Nö. Das ist nur ein Nebeneinanderstellen üblicher Phrasen zur Verschleierung.
Denn eine solche, ich nenne es mal "aussagelose Selbstbeschreibung", kann nur eine Lüge sein. Entweder sich selbst, oder allen anderen gegenüber.
Münchhausen kann dir sicher haarklein ausführen, warum dem so ist.
An dieser Stelle sollte das erstmal genügen, damit du wenigstens mal drüber nachdenkst.

"Schlussendlich glaube ich am Ende der Band selbst, die in allen Interviews immer wieder hervorhebt - wie sie zu dem Thema "rechts" eingestellt sind. "

Du darfst glauben, was du willst.
Ob das der Realität entspricht ist dabei unerheblich.

"vielleicht wesentliche Informationen, die Dir noch fehlen"

Och Dankeschön.
Jetzt fühle ich mich wesentlich besser informiert.
Dennoch besteht zwischen Worten und Taten eine Diskrepanz. Und wie Münchhausen ausführte, gibt es dennoch genug Anhaltspunkte für Einstellungen, die man sehrwohl als politisch rechts bezeichnen kann und muss.


@ generälchen

"So, so ! Wer ist denn "wir" ?"

Die Mitlesenden.

"Ich kann gerne noch etwas hinzufügen."

Du hättest es besser gelassen.
 
Roichi Donnerstag, 21.November 2013, 13:16 Uhr:
@ Bürger

Deine Gegenüberstelluing scheitert schon allein am Textverständnis.
Und weiter kommst du dann auch nicht.
 
münchhausen Donnerstag, 21.November 2013, 15:05 Uhr:
1/3

Es gibt außer dem "Schundersong" und "Rache" noch ein deutschsprachiges Lied, das in Rachephantasien schwelgt:

"Verbrenne sollte man die Hunde,
Die uns so schändlich hintergehn,
Es ist nicht länger anzusehn.
Mir stockt die Zunge fast im Munde,
Um ifren Lohn zu ordnen an:
Erst geköpft,
dann gehangen,
dann gespießt
auf heiße Stangen;
dann vebrannt,
dann gebunden,
und getaucht;
zuletzt geschunden."

Das ist übrigens Mozart. Und dieser 'Song' steht nicht auf dem Index. Ist er denn nicht auch gewaltverherrlichend? Nein, denn nicht nur die konkrete Äußerung ist bei Liedern, Literatur, Kunst, Theater -kurz Kunst (und dazu zählt soziologisch gesehen auch Freiwild)- entscheidend, sondern der KONTEXT.

Ich hab meinen Punkt eigentlich bereits am Beispiel der Hosen vorgeführt, kann es aber gerne auch am Beispiel der Ärzte wiederholen, bei Bedarf auch später auch noch mal mit Rammstein, Udo Lindenberg oder Lena Meyer-Landruth

Es geht also um den Kontext, in dem das Lied steht.

1. Der Stil des Liedes selbst:
a) Bei den Ärzten stehen Text+Musik in einem etwas widersprüchlichen Verhältnis. Das upbeat Ska-Genre konterkariert das Gewaltmotiv. Die Musik widerspricht der Gewohnheit, wie Gewalt gewöhnlich transportiert wird und unterläuft Erwartungen
Bei FW: Volles Brett, Musik und Text stehen im Einklang miteinander. Das Musikgerne ist oi!, das nicht per se gewaltverherrlichend ist, auf das aber andere rechtsrockbands gerne zurückgegriffen haben um ganz unironisch haß zu propagieren.
 
münchhausen Donnerstag, 21.November 2013, 15:15 Uhr:
2/?

b) Stilmittel des Textes: Ärzte: Ironie ist immer eine schwierige Sache, weil es stark vom Hörer abhängt, ob er etwas als Ironie versteht. Aber gibt es bei den Ärzten Stellen, die zumindest potentiell ironisch wirken könnten? Ja:

"Du hast mich so oft angespuckt, geschlagen und getreten /
Das war nicht sehr nett von Dir. Ich hatte nie darum gebeten"

nett? darum gebeten? Sind das wirklich Formulierungen, die realistisch sind, dass sie einem Menschen kurz vor dem Racheakt durch den Kopf gehen? Ich weiß die Antwort nicht, aber zumindest irritiert diese Stelle, stellt die Ernsthaftigkeit in Frage.

"Deine Kumpels waren immer dabei, doch jetzt wendet sich das Blatt/Auch wenn ich morgen besser umzieh', irgendwo in eine andere Stadt."

Ich zumindest muss da immer schmunzeln. Wer denkt denn schon gleich an Umzug, wenn man gerade noch voll mit der Rache beschäftigt ist. Humor aber schafft Distanz zum Text und regt zum Nachfragen an.

Freiwild: Ich will dem Text gar nicht absprechen ironisch und humorvoll zu wirken. Ich selbst kann aber diese Stilmittel nicht feststellen. Wenn Sie mir die Stellen zeigen und nachvollziehbar begründen , bin ich wirklich bereit meine Meinung über den Text zu ändern.

c) Inhalt des Textes
 
münchhausen Donnerstag, 21.November 2013, 15:30 Uhr:
3/?

c) Die Erzählsituation:
Ärzte: Das lyrische Ich (gibt es in der Musik) erzählt in dem Lied vor allem davon, wie es früher gemobbt und verprügelt wurde und warum "das Maß voll" ist. Der Hörer identifiziert sich mit Mobbingopfer
FW: Das lyrische Ich geht in exakt vier zeilen auf den Hintergrund des Racheaktes ein. Der Rest ist eine genaue Beschreibung der ausgeführten Gewalt, welche Körperteile verletzt werden, dass am Ende jemand sterben wird usw.. Der Hörer identifiziert sich mit dem Gewalttäter


d) Das Plattencover / Musikclip:
Ärzte: Schon das Plattencover der Single stellt die Ernsthaftigkeit der Liedes in Frage. Im Musikvideo spielt mit den Stilmitteln des Varietétheaters [!] und hat keinen bildlichen Bezug zum Text des Liedes. Die Diskrepanz von Bild und Text irritiert auch hier wie schon zuvor bei Musikgerne und Text.
FW: Kenn ich leider nicht, kann ich nichts zu sagen. Aber auch hier bin ich offen für Argumente. Wenn FW ein Clip gedreht hat, der im klaren Widerspruch zum Text steht und zum Nachdenken anregt, bin ich auch hier bereit meine Meinung nochmal zu prüfen.


2. Andere Lieder der Band:
Die Ärzte sind bekannt dafür, dass sie in ihren Liedern zumeist ironisch sind, sie verwenden auch in anderen Songs Absurditäten, Übertreibungen, Selbstironie und Humor. Es ist also wahrscheinlich, dass der 'schundersong' auch in diese Richtung weist.
 
münchhausen Donnerstag, 21.November 2013, 15:56 Uhr:
4/4

Freiwild: Die anderen Lieder von FW sind mir bisher nicht durch Humor oder Selbsironie aufgefallen. Wenn FW von "wahren Werten" singt, von "Heimat", von "Gutmenschen" geschieht das ebenso unironisch wie in "Rache muss sein". Die Band singt so, wie sie es auch meint. Aber auch hier können Sie mich gerne eines Besseren belehren


3. Der Hintergrund der Band:

Ärzte: Bewusst unpolitischer Spaß-Punk (Selbstverortung der Bandmitglieder)
=> Lieder sind Ironisch, sollen nicht immer ganz ernst genommen werden, die Band nimmt sich selber aufs Korn und untergräbt seine eigene Position, verulkt die eigenen Lieder.
FW: Südtiroler Patrioten (Selbstverortung der Bandmitglieder)
=> "wahre Werte" halt: Die Band singt von ihrer Lebenswelt und will ihre Lebenswelt abbilden und verarbeiten, aber auch ihre persönliche Einstellung verteidigen. Die Lieder werden immer mit dem Pathos des 'Aufrichtigen' vermittelt


4. Fangemeinde:

Ärzte: Von jung bis alt, von Mauerer bis Hirnchirurg, von NPD bis KPD. Keine spezielle Fanbasis in einem bestimmten Milieu. Hören den "Schundersong" tanzen, singen und freuen sich.
FW: Von jung bis alt, von Mauerer bis Hirnchirurg, von NPD bis KPD. Haben aber auch eine feste, treue Fanbasis in der rechten Szene. Ihre Lieder wurden auf unzähligen Rechts- und NS-Rocksamplern vertrieben. Egal, wie die Band selbst dazu steht (s. o mein Beitrag zu DTH). "Rache muss sein" wird in rechten Kreisen gehört und als Affirmation des eigenen gewalttätigen Lebensstils abgefeiert.
 

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