von Tim Schulz
   

Thüringen: Neonazi Frenck kauft Grundstück

Thüringen gilt als rechtsextreme Hochburg. Die Szene hat sich hier mit dutzenden Grundstücken und Häusern wichtige Rückzugsräume eingerichtet. Szene-Unternehmer Tommy Frenck sorgte nun für Zuwachs im rechtsextremen Immobilienbestand. Für den Freistaat heißt das: Noch mehr Platz für Rechtsrock-Events.

Tommy Frenck im Gespräch mit der Polizei während des Neonazi-Festivals in Themar

Tommy Frenck baut sein rechtsextremes Geschäft im thüringischen Kloster Veßra aus. Auf Facebook verkündete er jüngst, ein Villengrundstück in der kleinen Ortschaft erstanden zu haben. Das ehemalige Fabrikantenanwesen soll nach Angaben von inSüdthüringen.de ca. 3.000 Quadratmeter Fläche umfassen. Frenck ersteigerte die Immobilie für etwa 33.000 Euro – ein Preis, der laut Behördensprechern über dem Verkehrswert des sanierungsbedürftigen Hauses liege.

Und der umtriebige Neonazi macht kein Geheimnis daraus, was er mit dem Grundstück vor hat: Unter der Überschrift „Rechtsrockt! - wie immer in Kloster Veßra - neues zum Grundstück!“ rechnet Frenck auf seiner Website vor, wie viele rechtsextreme Musikfans auf die Neuerwerbung passen würden. Etwa 3.600 Personen könnten dort problemlos untergebracht werden. Bereits zur nächsten „Kundgebung“ sollen dort Rechtsrock-Anhänger zelten. Allerdings solle das Grundstück vorerst nur als Ausweichfläche für Großveranstaltungen dienen, gibt Frenck mit Blick auf die gefloppten Konzerte in Mattstedt, Magdala und Apolda zu verstehen.

Thüringens Innenminister Georg Maier wertete den Kauf als Rückschritt im Kampf gegen die Rechtsrock-Szene. Die neue Immobilie schaffe für die Rechtsextremisten „Möglichkeiten, die für uns schwer zu händeln sind, wenn es darum geht, Verbote auszusprechen“, so Maier.

Szeneunternehmer und Kommunalpolitiker

Frenck, der bereits in seiner Jugend für die NPD aktiv war, sitzt seit 2009 für die rechtsextreme Wahlliste „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ im Kreistag der gleichnamigen, thüringischen Kleinstadt. Viel bedeutender für die Szene als seine Rolle in der provinziellen Kommunalpolitik dürfte allerdings sein geschäftliches Treiben sein. Seit 2014 betreibt der Neonazi die Gaststätte „Goldener Löwe“, die gegenüber seines neuerworbenen Grundstücks liegt.

Das Lokal hat sich seither zur überregionalen Anlaufstelle der rechten Szene entwickelt und ist laut der Mobilen Beratung in Thüringen (Mobit) ein Hotspot für rechtsextreme Konzerte in Thüringen. Eine neue Dimension erreichte das Rechtsrock-Festival „Rock gegen Überfremdung“ 2017 im Nachbarort Themar: Bilder von hunderten Neonazis, die mit Hitlergruß und Sieg-Heil-Rufen das Spektakel feierten, sorgten für Schlagzeilen.

„Rechtsrockland Thüringen“

Tommy Frenck ist allerdings nicht der einzige Immobilienbesitzer mit rechtsextremistischer Gesinnung im Freistaat Thüringen. Insgesamt 15 Grundstücke zählt Mobit zur „zentralen Infrastruktur der extrem rechten Szene“. Etwa die „Gedächtnisstätte“ in Gutmannshausen oder das Gutshaus Hanstein in Fretterode, in dem NPD-Vize Thorsten Heise wohnt - die Immobilien bilden laut der Beratungsstelle das Rückgrat für die rechtsextreme „Konzert- und Eventkultur“ im Freistaat. Rechtsrock-Veranstaltungen wie in Themar wären ohne solche Rückzugsräume kaum möglich.

Zudem könnte Frenck auch bald in den benachbarten Freistaat expandieren. Auf Facebook kündigte er am Dienstag an, möglichst noch 2019 einen Ableger des „Goldenen Löwen“ in Sachsen eröffnen zu wollen. Ob hinter der Aussage Fakten stehen, wird sich noch zeigen müssen.

Kommentare(1)

Heller Morgen Donnerstag, 29.November 2018, 14:06 Uhr:
"Rechtsrockland Thüringen" Was soll das werden? Wie selbstverliebt wird denn hier, von ganz oben herab, moralisiert? Was kann ein Bundesland dafür, dass sich die Leute in ihm niedergelassen haben? Deutschland ist ein freies Land, für alle. In Niedersachsen gibt es keine Teutonendörfer und Bayern sind alles Grünwähler? Pfui Spinne - Sie schlafen doch noch mit erhobenem Zeigefinger, Herr Schulz.
 

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