von Oliver Cruzcampo
   

Thor Steinar eröffnet Laden in Neubrandenburg

Am Donnerstag eröffnete in Neubrandenburg in guter Lage ein neuer Thor Steinar-Laden. Der Bürgermeister will umgehend den Vermieter kontaktieren – und bereits am ersten Tag kam es zu Gegenprotesten.

Polizei positionierte sich vor dem Eingang des neuen Geschäfts, Foto: Roman.

Erst am Vorabend machte Thor Steinar auf seiner Facebook-Seite die geplante Eröffnung publik, hielt jedoch die Anschrift weiterhin geheim. Und dann, 30 Minuten bevor sich die Pforten am Donnerstagvormittag öffneten, wurde die Anschrift in der Stargarder Str. 10b bekanntgegeben. Kundschaft war zu dem Zeitpunkt nicht anzutreffen.

Dafür gab es bereits am Nachmittag die ersten Gegenproteste. Rund 80 Personen hatten sich nach einem Aufruf des Bündnisses Neubrandenburg nazifrei an dem Ort unweit des Marktplatzes eingefunden, um ihren Unmut über die in Neonazi-Kreisen beliebte Marke kundzutun. „Stahlverstärkte Türen und Fenster, Videoüberwachung und 6 teils vermummte Securitys aus der lokalen Türsteherszene bestimmen die Ausstrahlung des Ladens“, schreibt das Bündnis im Nachgang der Proteste.


Neonazis mit Thor Steinar-Kluft auf einer NPD-Demo in Neubrandenburg

Nach außen geben sich Mitarbeiter zugeknöpft, „Wir reden nicht mit der Presse“, so eine Mitarbeiterin gegenüber dem Nordkurier. Auch eine kurze Besichtigung des Ladens war nicht erwünscht. Neubrandenburgs Bürgermeister Silvio Witt sieht den Tønsberg kritisch, laut Nordkurier wolle er den Vermieter umgehend kontaktieren.

Zweite Filiale in M-V

Ein kleines Hinweisschild zur Kameraüberwachung verrät mehr über die mutmaßlichen Betreiber. Verantwortlich zeichne die Skytec Outlets GmbH aus Mittenwalde, rund 30 Kilometer südlich von Berlin. Die Firma vertreibt die Thor Steinar-Klamotten, die wiederum zur MediaTex GmbH gehören. Die Unternehmen firmieren beide unter identischer Anschrift in dem Ort.

Skytec Outlets betreibt auch den Schweriner Thor Steinar-Laden, der Tønsberg existiert dort seit mittlerweile knapp neun Jahren. Eine Klage brachte seinerzeit keinen Erfolg. Anders hingegen in Rostock, der dortige Haugesund musste seine Pforten Ende Januar 2015 dichtmachen, vier Jahre später platziert das Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern nun erneut ein zweites Geschäft.

Neonazi-Szene platziert eigene Unternehmen

In den zurückliegenden Jahren sorgten jedoch vor allem zwei Geschäfte in der Nähe Hamburgs für Aufmerksamkeit. Anfang 2017 schloss in Glinde ein Laden, nachdem es dort Hunderte Mahnwachen durch eine lokale Bürgerinitiative gegeben hatte. Im rund 30 Kilometer entfernten Norderstedt sollte es dann weitergehen, doch bereits am Tag der „Eröffnung“ hieß es seitens der Polizei: „Der Laden ist gewerbe- und nutzungsrechtlich nicht korrekt angemeldet. Der Laden wurde jetzt geschlossen." Und damit war das Kapitel Norderstedt beendet.

Thor Steinar expandiert seit einigen Jahren verstärkt nach Osteuropa. Insgesamt 37 weitere Läden werden gelistet, etliche davon in Russland. Während die zwar weiterhin in der rechtsextremen Szene beliebte Marke in Deutschland vor einigen Jahren noch unangefochtener Platzhirsch war, versuchen seitdem Neonazi-Unternehmer wie Tommy Frenck, Patrick Schröder und viele weitere rechte Kleinstfirmen, eigene Produkte auf dem Markt zu platzieren.

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