von Oliver Cruzcampo
   

Thinghaus: NPD isst vom „Happy Holocaust“-Grill

Auf dem NPD-Gelände des Thinghauses in Grevesmühlen entdeckte kürzlich eine Reporterin einen Grill mit der Aufschrift „Happy Holocaust“. Darauf angesprochen, reagierte der NPD-Landesvorsitzende Stefan Köster sichtlich nervös. Seine Begründung: Es würde sich lediglich um einen Spaß handeln.

In den vergangenen Monaten machten sich Dutzende Reporterteams auf in den hohen Norden, um Videobeiträge über das sogenannte Neonazi-Dorf Jamel und das Thinghaus in Grevesmühlen zu drehen. So auch eine Reporterin der Online-Video-Plattform „VBS.TV“, die zuerst ein Gespräch mit Anwohnern in Jamel suchte und dann abschließend ein Interview mit dem NPD-Landesvorsitzenden Stefan Köster führen wollte.

Zuvor erkundete die Frau offenbar zum ersten Mal das Gelände des Thinghauses in Grevesmühlen, welches im Frühjahr 2010 seine Pforten öffnete. Eigentümer ist das NPD-Mitglied Sven Krüger, der vor wenigen Wochen gerade zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden ist. Neben dem Palisadenzaun und dem Wachturm fiel die Aufmerksamkeit der Reporterin vor allem auf den dort abgestellten Grill: Auf diesem befindet sich in altdeutscher Fraktur die Inschrift „Happy Holocaust“.

Im Interview mit Köster sprach die Frau den Landesvorsitzenden zunächst auf den Wachturm an. Köster unterbrach die Reporterin abrupt. Es würde sich lediglich um einen „Werbeturm“ handeln, da an ihm immer ein Transparent der NPD befestigt sei. „Im Grunde genommen ist es mehr ein Spielturm für Kinder“, führt Köster weiter aus. „Auf den Turm lassen wir sie aber ungerne hinauf“, ergänzt der 37-Jährige dann aber doch.

Schließlich spricht die Reporterin den Grill auf dem Gelände an. „Denken Sie, es ist eine kritische Auseinandersetzung, wenn man sich einen Grill, auf dem Happy Holocaust steht, in den Hintergarten stellt“, geht die Frage an den NPD-Landesvorsitzenden. Dies bringt Köster für kurze Zeit völlig aus dem Konzept. Erst nachdem er einige Sekunden vor sich hin stammelt, antwortet er lapidar: „Hab ich nicht.“

Er wisse zwar von dem Grill, der dort auch schon länger stehe, allerdings habe er von der Inschrift noch nie Kenntnis genommen. Nach weiterem Zögern findet Köster dann eine mögliche Erklärung: „Vielleicht nimmt da jemand die politischen Repressalien in diesem Land ein bisschen auf die Schippe. Aber das hat sich auch die politische Klasse zuzurechnen, weil hier einfach Meinungen unterdrückt werden. Wenn jemand eine Meinung zum Holocaust hat, kann man doch da die Auseinandersetzung führen, oder nicht?“ Abschließende Frage der Reporterin an Köster: „Finden Sie das witzig?“ Die Antwort des NPDlers: „Pff...pff...pff...nö“.

Ein Grill mit der Inschrift „Happy Holocaust“ – eine ganz spezielle „Auseinandersetzung“ von NPD-Anhängern mit der millionenfachen Ermordung von Juden während des NS-Regimes.

Foto: Screenshot

Kommentare(22)

Remumbo Sonntag, 04.September 2011, 10:00 Uhr:
Sollte dieser Grill nicht selbst auf Privatgelände den ein oder anderen Straftatbestand erfüllen?
 
Birgit Kramp Sonntag, 04.September 2011, 10:05 Uhr:
Ohne Worte...
 
Benni Sonntag, 04.September 2011, 10:12 Uhr:
Das würde mich auch interessieren. Ob und wie könnte man in dem Falle eine Strafanzeige stellen?
 
Gunnar Sonntag, 04.September 2011, 10:26 Uhr:
Mich beruhigt der Umstand, dass Sie nun einen Einblick in meine Gedankenwelt erhielten, als ich zum ersten Mal Parolen linker Gruppierungen vernahm, die eine erneute Bombardierung der deutschen Bevölkerung wünschten.

"Bomber Harris, do it again!"

"Feste feiern, wie sie fallen!" (mit abgebildeten Bomberflugzeugen)
 
Amtsträger Sonntag, 04.September 2011, 12:17 Uhr:
Einen Strafantrag kann jede Person bei jedem Polizeivollzugsbeamten stellen.

Allerdings ist für den §130 StGB die öffentliche Meinungsäußerung nötig. Ich bezweifel, dass im vorliegenden Falle diese Öffentlichkeit gegeben war.
 
Benni Sonntag, 04.September 2011, 13:01 Uhr:
Ich überlege tatsächlich ganz ernsthaft einen Strafantrag zu stellen - Aussicht auf Erfolg hin oder her. Ist mit der Äußerung Kösters dazu nicht eine gewisse "Öffentlichkeit" gegeben. Zudem steht der Grill im öffentlich zugänglichen (?) Raum des Bürgerbüros der NPD.
 
Gunnar Sonntag, 04.September 2011, 15:22 Uhr:
Lieber Benni,

könnten Sie mir dann bitte die genauen Beweggründe dafür benennen! Schließlich handelt es sich um einen Grill, auf dem sicherlich Fleisch gegrillt und anschließend verzehrt werden soll.
Bedenkt man nun den Personenkreis, in dem sich der Grill befindet, könnte man sicherlich Bezüge zur Shoa aufbauen. Aber wie weiter?
Die hiesige NPD verherrlicht die >vollständige Verbrennung
 
Amtsträger Sonntag, 04.September 2011, 15:46 Uhr:
Nur weil ein Gegenstand von außen einsehbar ist, ist er nicht in der Öffentlichkeit.

Prinzipiell muss auch der Wille erkennbar sein, den Gegenstand einer unbestimmten Menge an Personen zugänglich zu machen.

Ich begrüße natürlich jeden Strafantrag, da der Sachverhalt dann durch die Ermittlungsbehörden ausgeleuchtet und von einem Richter bewertet wird!

Vor kurzem hat ein Gericht geurteilt, dass eine Privatperson in seinem eigenen Garten, der durch eine Hecke geschützt war, nackt herumlaufen darf, auch wenn er von außen durch kleine Löcher in der Hecke kurzweilig sichtbar war. Hier war der Tatbestand "öffentlich" nicht gegeben.
Der Schutz von Art. 13 GG (Wohnung) ist eher stark auszulegen. Dient die Wohnung doch jedem Menschen als höchst privates Rückzugsgebiet, aus dem sich der Staat möglichst herauszuhalten hat.
 
b.c. Sonntag, 04.September 2011, 18:33 Uhr:
moecht nicht wissen, was man auf dem wachturm nicht noch alles finden wuerde.
 
Amalek Sonntag, 04.September 2011, 20:07 Uhr:
Meine Güte ruft den Staatsschutz, weil wir keiner gefährlicheren Probleme haben.

Mal über eine richtige Arbeit nachgedacht Herr Cruzcampo?
 
Andreas Sonntag, 04.September 2011, 20:20 Uhr:
Was kommt als nächstes - der Anders-Breivik-Gedächtnis-Schiesstand?
 
Roichi Sonntag, 04.September 2011, 21:27 Uhr:
@Amtsträger

Zu Berücksichtigen ist, dass es sich 1. Nicht um ein Wohnhaus handelt, 2. Zwei Bürgerbüros von NPDlern in diesem Haus sind, 3. Die Parteizentrale der NPD.
Einen Strafantrag sollte tatsächlich mal jemand stellen.
Art. 13 GG. dürfte da schon etwas schwierig werden.
Nur, damit mal geprüft wird, wie das ist.
 
Dasgehtdichrotzlöffelgarnichtsan Montag, 05.September 2011, 00:45 Uhr:
@ Remumbo

Der Grill hat einen Straftatbestand erfüllt? Dann gehört er mindestens 15 Jahre in den Keller gestellt! Böser Grill, böser!
 
Hausmeister Montag, 05.September 2011, 10:59 Uhr:
Auf dem Grill steht "happn holocaust" und nicht "happy holocaust"!
 
Uwe Montag, 05.September 2011, 12:02 Uhr:
"Mal über eine richtige Arbeit nachgedacht Herr C..."

Über richtige Arbeit sollte vielleicht erst einmal derjehnige nachdenken, der mit einigem Aufwand den Grill verunstaltet hat.
 
b.c. Montag, 05.September 2011, 14:34 Uhr:
@hausmeister
vor dem klugscheissern vielleicht mal pruefen, was sie behaupten:
http://www.suetterlinschrift.de/Lese/Alphabet.htm
 
Amtsträger Montag, 05.September 2011, 18:57 Uhr:
Lieber Roichi,

nur weil Art. 13 GG das Wort Wohnung nennt, heißt das nicht, dass nur Wohngebäude durch ihn geschützt werden.

Tatsächlich umfasst der Artikel alle umfriedeten Räume, in denen ein Mensch seinen Lebensmittelpunkt bestreitet. Dazu zählen neben dem Wohnhaus auch Gärten, Scheunen und insbesondere Arbeitsräume.

Auch juristische Personen (also Firmen) haben einen Schutz ihrer Arbeitsräume durch Art. 13 GG.

Um ehrlich zu sein ist so ziemlich jedes Gebäude und umfriedete Gelände durch Art. 13 GG geschützt. Selbst für die Öffentlichkeit zugängliche Räume, wie ein Supermarkt, unterliegen dem Art. 13 GG. So darf ich zur Strafverfolgung nicht einfach einen Supermarkt nach belieben betreten, wenn sich das Ermittlungsverfahren gegen den Inhaber der Räume richtet.

Die Schranken sind in §§102, 103 StPO eindeutig aufgeführt. Andere finden sich in dem jeweilig gültigen Polizeigesetz.

Man kann den Grill definitiv als geschmacklos erachten. Einen Straftatbestand erfüllt er in diesem Falle nicht.

Ich betrete häufiger Wohnungen, die mit Hakenkreuzfahnen, Hitlerprtrais oder Holocaust-Fotos geradezu tapeziert sind. Das ist alles erlaubt! Zuhause darf jeder Mensch seinen Lebensraum nach Lust und Laune gestalten.
 
Roichi Montag, 05.September 2011, 20:44 Uhr:
@ Amtsträger

Danke. Wieder was gelernt.

Geschmacklos ist es auf jeden Fall.
Aber schön die Reaktion von Köster.
 
b.c. Samstag, 10.September 2011, 13:05 Uhr:
@boggwuschd
vielleicht das man erkennt, wie das "y" frueher geschrieben wurde? sie koennen gerne andere alphabete verlinken - dass das "y" ein "n" waere, werden sie wohl nicht belegen. klugscheisser, einer mehr wa?
 
Boggwuschd Samstag, 10.September 2011, 19:08 Uhr:
@ b.c.
Ich frug aber nur, was Sütterlin mit Fraktur zu tun hat, das impliziert noch nicht, daß ich das "y" ebenfalls für ein "n" halte.
 
Genervter Montag, 31.Oktober 2011, 08:40 Uhr:
Die Nazis brauchen sich keine Sorgen machen bei so viel Schwachsinn der hier abgesondert wird. Hat jemand auch mal Sinnvolles zu sagen außer blah blah und Gestreite um Buchstaben? Der Grill ist geschmacklos, keine Frage, was Ihr hier absondert ist mindestens genauso geschmacklos! Mit solchen geistigen MIST bekämpft man keinen NAZI! Siehe 1933!
 
... Donnerstag, 29.Dezember 2011, 14:10 Uhr:
das ist überhart...
 

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