Thiazi-Forum: Anklage gegen Drahtzieher erhoben

Es war das bedeutendste Internetportal der rechtsextremen Szene – das Thiazi-Forum. Bis die Seite nach einer Großrazzia im vergangenen Sommer offline ging. Nun hat die Staatsanwaltschaft gegen die ersten Hauptverantwortlichen Anklage erhoben. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung vorgeworfen.

Mittwoch, 22. Mai 2013
Thiazi-Forum: Anklage gegen Drahtzieher erhoben
Bereits am 29. April hat die Staatsanwaltschaft Rostock gegen vier Tatverdächtige Anklage erhoben. Den Angeschuldigten wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung in Tateinheit mit gemeinschaftlich begangener Volksverhetzung in mehreren hundert Fällen vorgeworfen. Die vier Personen, die sich demnächst vor dem Landgericht Rostock verantworten müssen, würden zum Kreis der mutmaßlich Hauptverantwortlichen des ehemaligen Thiazi-Forums gelten, bestätigte Staatsanwalt Holger Schütt gegenüber ENDSTATION RECHTS. 

Unter den vier Tatverdächtigen befindet sich auch ein Erzieher aus Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen), der laut BKA als Drahtzieher hinter dem rechtsextremistischen Kommunikations- und Propagandainstrument stecke. Der Mann war im vergangenen Sommer noch am Tag der Razzia vom Dienst suspendiert worden. Zuvor hatte er sieben Jahre in einem Hort gearbeitet.

Neben den vier Angeschuldigten wird weiterhin gegen etliche weitere Personen ermittelt. Die Verfahren durch die Staatsanwaltschaft Rostock verlaufen jedoch gesondert, sie wurden aufgrund der umfangreichen Datenbestände ausgegliedert. 

Die vier Personen stehen im Verdacht, das Thiazi-Forum organisiert und betrieben zu haben. Sie hätten das Ziel verfolgt, eine Plattform zu schaffen, über die vor allem ausländerfeindliche, antisemitische und gegen politisch Andersdenkende gerichtete Schmähungen mit volksverhetzenden Inhalten verbreitet werden sollten. 

Im Rahmen dieses Forums wurden mehrere Diskussionsforen zu verschiedenen Themen angelegt, in denen Nutzer Beiträge veröffentlichen und insbesondere volksverhetzende Inhalte hochladen konnten. Zudem seien über das Forum zum Teil indizierte rechtsextremistische Lieder und Musikalben zum Download angeboten worden.

Der Rostocker Ermittlungsbehörde gelang es der Pressemitteilung zufolge, das auf einem ausländischen Server betriebene Forum vollständig mit allen Daten zu sichern und offline zu nehmen.

In der rechtsextremen Szene war Thiazi jahrelang die bedeutendste Online-Plattform, auf der über 30.000 registrierte Nutzer regelmäßig den Holocaust in Frage stellten, ihr verqueres Weltbild unter Gleichgesinnten diskutieren oder auch auf etliche Szene-Veranstaltungen hinweisen konnten. Seitdem hat sich die Kommunikation zunehmend in die Sozialen Medien verlagert.
Kategorien
Tags