von Oliver Cruzcampo
   

Themar: Rechtsrock-Event droht erneut zu scheitern

Im Juli floppte ein Rechtsrock-Festival im thüringischen Themar – die Sicherheitsbehörden griffen hart durch, es gab Alkoholverbote, Bands mussten ihre Auftritte vorzeitig abbrechen. Daraufhin wollte der Neonazi-Unternehmer Tommy Frenck aus Protest am kommenden Wochenende ein weiteres Konzert durchführen. Doch vieles deutet auf den nächsten Reinfall hin.

Themar 2017 & 2018: Anreisende Teilnehmer mit deutlichen Botschaften auf ihren T-Shirts.

„Wann und wo sich freie Deutsche versammeln, Reden schwingen und Musik mit politischen Texten hören, bestimmen wir und niemand anders“, heißt es in einem Aufruf für das kommende Wochenende. Ein weiterer Slogan: „Wann Rechtsrock gespielt wird, bestimmen wir und nicht der Innenminister.“

Der Thüringer Neonazi Tommy Frenck und Sebastian Schmidtke, NPD-Kader und verantwortlich sowohl für das Konzert in Themar Anfang Juli als auch das am 14. September, waren deutlich erbost. Und hatten trotzig mit einem „Jetzt erst recht“ reagiert, es sollte sozusagen eine Wiedergutmachung für die zahlreichen Enttäuschungen sein.

Doch daraus scheint erneut nichts zu werden. Das ursprünglich für zwei Tage geplante Festival mit neun angekündigten Bands ist zu einer eintägigen Abendveranstaltung mit zwei Liedermachern zusammengeschrumpft und Sebastian Schmidtke richtet sich mit einem „für alle, die trotzdem anreisen wollen“ an seine Anhänger.

Erkrankungen von Bands & Einreiseverbote

Es seien mehrere Erkrankungen bei Bands – Mistreat und Sturmwehr – aufgetreten, teilweise sollen Einreiseverbote für Mitglieder russischer Musikgruppen vorliegen. Geworben wird nunmehr mit Sänger Philipp Neumann von Flak und Tobias W., der als Der Bienenmann auftritt. Redner sind praktischerweise die beiden Organisatoren Sebastian Schmidtke und Tommy Frenck, dazu soll NPD-Parteivize Torsten Heise ans Mikrofon treten.

Anfang Juli hatte vor allem ein Alkoholverbot für Missstimmung bei den Teilnehmern gesorgt. Eine angrenzende Tankstelle, an der Neonazis in den vergangenen Jahren gerne Nachschub kauften, wurde diesmal von der Polizei angemietet und deren Pforten geschlossen. Auch mit Blick auf die Teilnehmerzahlen dürfte sich bei den rechtsextremen Organisatoren eher Ernüchterung breit machen.

Während 2017 6.000 Personen anreisten und die Stadt bundesweit Bekanntheit erlangte, fanden sich diesen Sommer Jahr weniger als 1.000 Rechtsrock-Anhänger ein, am Sonnabend dürften die Zahl nochmal deutlich darunter liegen. Auch die Wiese in Themar scheint nicht mehr Veranstaltungsort zu sein, die Kundgebung soll nach Informationen von ENDSTATION RECHTS. nach Kloster Veßra verlegt werden. Dort führt Tommy Frenck in seinem Gasthaus „Goldener Löwe“ regelmäßig kleine Szene-Events durch. Das Bündnis „Themar gegen rechts“ will hingegen an den eigenen Plänen festhalten und wirbt weiterhin für die Teilnahme an Gegenprotesten vor Ort.

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