von Oliver Cruzcampo
   

The Day after Tomorrow – Ein Ex-NPD-Parlamentarier bereitet sich vor

Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern fiel der ehemalige NPD-Abgeordnete Raimund Borrmann eher durch Provokationen als durch Sacharbeit auf. Nach seinem Parteiaustritt ist der Philosoph jetzt unter die Firmengründer gegangen. So will Borrmann neben Edelmetall-Handel auch Bio-Produkte vertreiben, die im Falle von Naturkatastrophen das Überleben sichern sollen.

Als eigenbrötlerisch und eher befremdlich konnte Raimund Borrmann schon zu seiner Zeit als NPD-Landtagsabgeordneter bezeichnet werden. Als die NPD 2006 erstmals in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einzog und Borrmann eines der sechs Mandate erringen konnte, fiel es Beobachtern der Szene schon seinerzeit schwer, die Gründe für die hohe Platzierung durch die NPD zu erschließen.

Bürger Borrmann und das Problem der korrekten Anrede

In den kommenden fünf Jahren fiel der Diplomphilosoph und Lehrer für Marxismus-Leninismus weniger durch politische Sacharbeit als durch skurrile Auftritte im Plenum des Landtages auf. Immer wieder weigerte sich Borrmann, eine im Landtag übliche Anredeformel zu nutzen und verwendete stattdessen „Bürger des Landes, Bürgerin Landtagspräsidentin“. Dass Borrmann, der mittlerweile auch aus der NPD ausgetreten ist, dafür regelmäßig Ordnungsrufe kassierte, schien ihn nicht weiter zu stören.

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2011 fand sich der gebürtige Rostocker dann konsequenterweise auch nicht mehr auf der Landesliste wieder, Fraktionschef Pastörs soll ihm noch die Losung „Reisende soll man ziehen lassen“ mit auf den Weg gegeben haben. Kurz vor Ende der Legislaturperiode trat Borrmann dann zudem aus der NPD-Fraktion aus und gehörte dem Landtag für einige Wochen als fraktionsloser Abgeordneter an. Zuletzt machte er im Bärchenwaffel-Skandal von sich Reden. 

Deukrivor & Neukrivor

Bereits vor einiger Zeit wagte das Ex-NPD-Mitglied nun den Schritt in die Selbstständigkeit und versucht, sich so ein neues Standbein aufzubauen. Ende 2012 beziehungsweise Anfang 2013 gründete Borrmann zwei Firmen unter den eher skurril anmutenden Namen Deukrivor und Neukrivor. Letztere weist eine Firmenadresse in Bad Doberan auf, in der Stadt, in der der Unternehmer zuletzt auch seinen Wohnsitz hatte. Als Unternehmensgegenstand werden „Geschäfte einer Treuhandgesellschaft für gemeinnützige Stiftungen“ gelistet.

So weit, so unspektakulär. Die sich nur im Anfangsbuchstaben unterscheidende Deukrivor, die als Rechtsform ebenfalls eine Unternehmergesellschaft darstellt, weißt hingegen ein wesentlich breit gefächerteres Unternehmensprofil auf. Dort werden gleich vier verschiedene Bereiche gelistet, die Raimund Borrmann als Geschäftsführer unter einen Hut bringen möchte. So möchte der ehemalige NPD-Mann mit seiner Deukrivor neben der Unternehmensberatung auch Nachlassplanung und Testamentsvollstreckung mit abdecken.


Raimund Borrmann in seiner aktiven Zeit als Landtagsabgeordneter

Des Weiteren bezwecke die Gesellschaft den Handel mit Edelmetallen in der Schweiz und im Ausland (!). Ob sich Borrmann in seiner Zeit als Parlamentarier bereits hilfreiche Ratschläge seines Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs geholt hat, der jahrelang selber im Edelmetallhandel tätig war, ist unklar.

Um Überlastung macht sich Borrmann als Geschäftsführer offenbar keine Sorgen, denn weiterhin wird auch noch die „Vermietung von eigenen und treuhänderisch verwalteten Immobilien für gewerbliche, wohnungs- oder ferienbestimmte Nutzung und damit verbundene Dienstleistungen“ angeboten.

Handel mit Bio-Produkten für den Ernstfall

Im vierten Segment baut der Deukrivor-Geschäftsführer offenbar auf seine Erfahrungen, die er als Landtagsabgeordneter sammeln konnte. In der letzten Legislaturperiode war Borrmann Sprecher der NPD-Fraktion für Umwelt, Kultur und Heimatschutz. Sein neues Unternehmen widmet sich somit neben der Unternehmensberatung, der Nachlassplanung, der Vermietung von Immobilien auch dem Handel mit Bio-Produkten. Dies diene dem Zweck – Achtung, jetzt wird es wirklich kurios – der „Bevorratung und persönlichen Absicherung im Krisenfall, dass heißt, als Vorsorge vor Unruhen, Versorgungsstörungen, Embargi und Naturkatastrophen.“

Ob Borrmann, der auch gelernter Koch ist, bereits leerstehende Weltkriegsbunker mit Bioprodukten gefüllt hat, ist der Redaktion leider nicht bekannt. Glücklicherweise ist der nordeuropäische Raum seit der Firmengründung vor rund anderthalb Jahren von größeren Naturkatastrophen und anderweitigen Endzeitszenarien verschont geblieben – sollte in naher Zukunft der Untergang der Abendlandes jedoch bevorstehen, wäre Raimund Borrmann sicherlich der richtige Ansprechpartner.

Kommentare(1)

Dennis Sonntag, 29.Juni 2014, 09:41 Uhr:
Was für eine lächerliche Witzfigur... Naja, ist eben ein Neonazi.
 

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