„Terrorcrew“ verboten

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat das militante Kameradschaftsnetzwerk „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT) verboten. Verbindungen gibt es zu bayerischen Neonazis, die Anschläge geplant haben sollen.

Mittwoch, 16. März 2016
Julian Feldmann

Bei 16 führenden Mitgliedern der „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT) klingelte die Polizei am Mittwochmorgen und stellte die Verbotsverfügung des Innenministeriums zu. Im selben Atemzug durchsuchten die Polizisten die Wohnungen der WWT-Funktionäre. Dabei fanden die Beamten neben Vereininsignien, Kleidung und Datenträgern auch Wurfsterne, eine Armbrust und Kleinkaliberwaffen. Die Razzia betraf 15 Objekte in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen. In der Hauptstadt wurden zwei Wohnungen durchsucht, eine weitere im Hamburger Stadtteil Horn.

„Dieser Verein ist eine Vereinigung von Neonazis, die offen und aggressiv Hetze betreiben gegen unseren Staat, gegen unsere Gesellschaft, gegen politisch Andersdenkende, gegen Migranten, auch gegen Polizisten“, sagte der Innenminister am Mittwoch. Die WWT fungiere als Verein, der nun verboten und aufgelöst wurde, im Sinne des Nationalsozialismus. Die NS-Ideologie werde „mit allen Mitteln“ durchgesetzt. Insgesamt soll der harte Kern der WWT laut Innenminister 25 Personen umfassen; Verfassungsschützer sprachen zuletzt von rund 50 Mitgliedern. Der Rädelsführer stammt aus Hamburg.

Bezüge zum Neonazi-Terrornetzwerk „Combat 18“

Zunächst war die WWT als Fangruppe der Rechtsrock-Band „Weisse Wölfe“ aus dem Sauerland gegründet worden. In den letzten Jahren entwickelte sich die teils konspirativ agierende Neonazi-Gruppe zu einem Netzwerk mit regionalen Ablegern. Untergliedert war die in Hamburg gegründete Organisation zuletzt in zehn regionale Gruppen, sogenannte „Sektionen“. Diesen stand jeweils ein Statthalter vor. Die „Sektion Hannover“ etwa bestand zum Teil aus ehemaligen Mitgliedern der 2012 verbotenen Neonazi-Kameradschaft „Besseres Hannover“ und Anhängern der „Aktionsgruppe Weserbergland“. So tauchte in Zusammenhang mit der WWT-Sektion in Hannover mehrmals Sabrina D. aus Hameln auf, eine umtriebige Neonazi-Aktivistin in Niedersachsen. An ein autonomes Zentrum in Hannover sprayten Unbekannte 2013 rechtsextreme Parolen und „unterzeichneten“ mit dem „WWT Hannover“. In Thüringen traten ebenfalls gewaltbereite Neonazis für die örtliche WWT-Sektion in Erscheinung. So bekannte sich der vorbestrafte Weimarer Neonazi Michel Fischer mit Vereinslogo auf dem T-Shirt bei Demonstrationen zur WWT.

Laut Innenminister de Maizière gehörten die Mitglieder der mutmaßlichen Neonazi-Terrorzelle im oberfränkischen Bamberg der WWT an. Rechtsextremisten hatten dort nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden im vergangenen Jahr Anschläge auf Flüchtlingsheime und Linke geplant. Im Oktober 2015 hatte die Polizei zwölf Wohnungen in Ober- und Mittelfranken durchsucht. Die Ermittlungen richten sich gegen 13 Verdächtige aus der Bamberger Neonazi-Szene, neun von ihnen wird vorgeworfen, Mitglied in einer kriminellen Vereinigung zu sein. Die Neonazi-Terroristen wollten Sprengsätze in zwei Unterkünfte für Asylbewerber werfen, um Angst und Schrecken zu verbreiten, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Dabei sollten Kugelbomben und kiloweise Sprengstoff zum Einsatz kommen. Mehrere Tatverdächtige gehören der rechtsextremen Partei „Die Rechte“ an. Zwei Verdächtige sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Seit der Gründung der „Weisse Wölfe Terrorcrew“ 2008 treten ihre Mitglieder immer wieder mit Bezügen zum neonazistischen Terror-Netzwerk „Combat 18“ auf, so etwa im Juni 2008 in Hamburg-Eilbeck, wo mehrere Rechtsextremisten entsprechende T-Shirts trugen. Damals war eine Grillfeier der WWT im Jacobipark eskaliert, die Polizei nahm rund 30 Neonazis in Gewahrsam. Auch auf Kleidungsstücken mit dem WWT-Vereinslogo taucht das Kürzel „C18“ auf – offenbar ein Bekenntnis zum bewaffneten Kampf.

WWT-Mitglieder immer wieder auf NPD-Veranstaltungen

Im Sommer 2013 hatten Polizisten die Wohnungen von einem Mitglied der WWT und einem Neonazi, der ehemals der Gruppe angehörte, in Norddeutschland durchsucht. Hintergrund war ein Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Der Schweizer Neonazi Sebastien N., Hauptverdächtiger in dem Verfahren, unterhält beste Verbindungen zu den WWT-Kameraden im Norden. Die Bundesanwaltschaft war hellhörig geworden, als innerhalb der Gruppe offenbar ein Anschlag auf eine nicht näher benannte israelische Botschaft diskutiert wurde. Im Oktober 2014 stellten die Behörden das Verfahren ein, da der Terrorverdacht nicht erhärtet werden konnte. (bnr.de berichtete) Einer der damaligen Verdächtigen, der zur WWT gehörte, war der heutige Inhaber des Neonazi-Online-Shops „Streetwear Tostedt“, Denny Reitzenstein aus Buchholz in der Nordheide (Kreis Harburg).

Immer wieder traten WWT-Mitglieder auf Veranstaltungen der NPD auf. Mehrere Aktivisten hielten etwa bei einer Wahlkampf-Kundgebung der Partei 2012 in Hamburg ein Transparent. Auch bei den NPD-dominierten „MVgida“-Aufmärschen in Mecklenburg-Vorpommern sind immer wieder WWT-Anhänger dabei.

Kategorien
Tags