„Tag der Ehre“ als internationaler Magnet

Am 8. Februar zelebriert die rechtsextreme Szene wieder ihr jährliches Treffen in Budapest. Stattfinden sollen auch eine Gedenk- und Wandertour sowie zwei Rechtsrock-Konzerte.

Donnerstag, 23. Januar 2020
Horst Freires

Alle Jahre wieder wird Budapest Anfang Februar zu einem internationalen Sammelpunkt der extrem rechten Szene. Ob ultrarechte Nationalisten, Neonazis, Kameradschaften, Freie Kräfte, stramm rechte Hooligans, Rechtsrock-Milieu, „Hammerskins“ oder „Blood&Honour“ und „Combat 18“: Der so genannte „Tag der Ehre“ in Ungarn führt sie alle zusammen.

In diesem Jahr zelebriert man die 75. Wiederkehr der als vermeintlich heldenhaft heroisierten Schlacht um Budapest im Februar 1945, als deutsche und ungarische Truppen aus der Belagerung heraus einen Ausbruch wagten. Er endete in einer blutigen Niederlage mit weit über 50 000 Toten. Das damalige Kriegsgeschehen wird jedes Jahr mit Aufmärschen glorifiziert. Dabei anzutreffen sind Vertreter verschiedener rechtsextremer Parteien und Organisationen, die durch ihre mitgebrachten Fahnen und Transparente identifiziert werden können oder auch bei Redebeiträgen vorgestellt werden.

„Gedenkmarsch“ am 15. Februar in Dresden

War es anfangs nur die NPD, die aus Deutschland anreiste, hat sich zuletzt vor allem „Die Rechte“ in Budapest gezeigt. Und das dürfte auch in diesem Jahr rund um den 8. Februar nicht anders sein. In den vergangenen Jahren konnte beobachtet werden, dass vor Ort auch internationale Absprachen getroffen wurden, beispielsweise, wer dann nur eine Woche später beim ebenfalls jährlich wiederkehrenden rechtsextremen Aufzug in Dresden mit dabei ist. Der vom Dresdner NPD-Vorsitzenden Maik Müller seit Jahren organisierte selbst ernannte „Gedenkmarsch“ anlässlich der Alliierten-Bombardierung 1945 findet am 15. Februar statt. Dies verkündete Müller höchstpersönlich am 17. Januar in Magdeburg, wo die rechte Szene ebenfalls wegen der historischen Bombenangriffe auf die Stadt im Jahr 1945 auf die Straße ging.

Etabliert hat sich in Ungarn zudem eine Gedenk- und Wandertour, die mittlerweile das 14. Mal durchgeführt wird. Was die Teilnehmer durchaus mit ideologischem Ansinnen verfolgen, stellen die Veranstalter als beinahe harmloses Freizeit- und Sporterlebnis unter dem Titel „Ausbruch 60“ dar. Neben dem Logo eines Ritterkreuzes, Stahlhelms und Eichenlaub heißt es dazu: „Das Ziel der Gedenktour ,Ausbruch‘ ist es, jeden Februar den ungarischen und deutschen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg Budapest und damit ganz Westeuropa zweieinhalb Monate lang heldenmütig gegen die bolschewistische Rote Armee verteidigt hatten, unseren Respekt zu bekunden.“ Eigens dafür hat man eine Homepage in deutscher Sprache mit exakten Informationen angelegt.

Aktivisten in zeitgenössischen Weltkriegs-Uniformen

Demnach gibt es drei verschiedene Streckenlängen über knapp 60, 35 und 24,5 Kilometer. Startpunkt am 8. Februar ist jeweils Budapest. Auf den langen Distanzen wird die gesamte Nacht in den 9. Februar hinein durchgewandert. An den Kontrollstellen stehen Aktivisten in zeitgenössischen Weltkriegs-Uniformen. Auch entsprechende Bewaffnung wird zur Schau gestellt. Diese militärische Folklore soll laut Veranstalter ausschließlich einer Historienschau und der Traditionspflege dienen. Beobachter sehen das aber wesentlich kritischer, sprechen von einer Verherrlichung nationalsozialistischer Ausdrucksformen und fragen sich, warum dies behördlich überhaupt geduldet wird.

Verknüpft mit dem Termin sind wie bereits in den Jahren zuvor zwei Rechtsrock-Konzerte. Bereits am 7. Februar werden neben ungarischen Bands wie der vierköpfigen B&H-Combo „Töretlen Hittel“ beispielsweise auch „Flatlander“ aus den Niederlanden auftreten. Am Folgetag sollen dann fünf Bands bei einem weiteren Konzert folgen. Neben „Feher Vihar“ und „Verszerzödes“ aus Ungarn werden dazu „Green Arrows“ aus Italien, „Flak“ um Philipp „Phil“ Neumann aus Deutschland sowie „Hate Crew“ aus Rumänien beworben. Letztere steht allerdings als Band aus Siebenbürgen, was mit bis heute fortwährenden revanchistischen Ansprüchen nationalistischer Ungarn gegenüber Rumänien zu tun hat.

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