Szenen aus der Provinz
Neonazis und langjährige Parteikader prägen das Bild der niederbayerischen NPD.
In Folge des Attentats auf den Passauer Polizeipräsidenten Alois Mannichl am 13. Dezember ist auch der NPD-Bezirksverband Niederbayern in den Fokus des Medieninteresses geraten. Szene-prominentestes Mitglied der niederbayerischen NPD war der im Juli dieses Jahres im Alter von 79 Jahren verstorbene ehemalige Rechtsterrorist Friedhelm Busse (Passau), einer der dienstältesten deutschen Neonazis und Ex-Anführer der 1995 verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP). Bei Busses Beerdigung am 26. Juli auf dem Friedhof im Passauer Stadtteil Patriching war eine verbotene Flagge des Dritten Reiches auf dessen Sarg gelegt worden. Die Staatsanwalt hat jetzt wegen Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen Anklage gegen den 45-jährigen Neonazi Thomas Wulff erhoben.
Zugegen bei Busses Beerdigung soll Presseberichten zufolge auch Stephan Mühlberger (Breitenberg) gewesen sein, der bis 2007 dem NPD-Kreisverband Passau vorstand. Der Immobilienmakler Mühlberger ist ein führender Kopf der pflichtschlagenden Verbindung Normannia zu Winterberg (Abiturienten- und Absolventenverband) mit Sitz in Passau. Die Domain der 1906 gegründeten und im September 2007 aus NPD-Kreisen reaktivierten Burschenschaft ist ebenso wie die des „Nationalen Forums Passau“ (das derzeit nicht erreichbar ist), auf Mühlbergers Namen eingetragen. Bei Veranstaltungen des „Nationalen Forums Passau“, auf denen unter anderem das „Symbolische Wiedererstehen des deutschen Reiches!“ gefeiert wurde, waren des Öfteren auch Neonazis aus Österreich, darunter der „Bund Volkstreuer Jugend“, zugegen. Dabei wird auch schon mal deutsches Liedgut, wie „Wenn alle Untreu werden“, das einstige Treuelied der SS, geschmettert, so beispielsweise bei einer Veranstaltung am 5. November 2005. Presserechtlich verantwortlich zeichnete für die Einladung zu dieser Aufführung neben Stephan Mühlberger der NPD-Mann Andreas Resch (Salzweg), als Ortsangabe diente die Adresse der NPD-Zentrale in Berlin-Köpenick. Ein weiterer Resch, Vorname Günther, kandiderte bei der Landtagswahl im Freistaat im vergangenen September auf Listenplatz 10 für die bayerische NPD.
Nachfolger von Mühlberger im Amt des NPD-Kreisvorsitzenden in Passau ist Martin Gabling (Neuhaus). Angaben des Passauer Staatsschutzes zufolge werden dem Passauer NPD-Kreisverband gut zwei Dutzend Mitglieder zugerechnet. Der NPD-Funktionär Gabling ist zugleich Studienkreisleiter der „Germanischen Neuen Medizin“ im Raum Passau und Mühldorf/Oberbayern. Erfinder dieser Pseudo-Medizin ist der berüchtigte „Wunderheiler“ und Antisemit Ryke Geerd Hamer.
Bezirksvorsitzender der NPD Niederbayern ist Christoph Hofer (Mitterskirchen), zuvor Aktivist des neonazistischen „Freizeitvereins Südbayern“. Hofer ist einer der Macher des Blättchens „Umwelt & Aktiv. Umweltschutz – Tierschutz – Heimatschutz“. Die Postille will aufzeigen, „wie Tierschutz und Umweltschutz für fremde Interessen und Interessenten, die im Verborgenen agieren, zum Nachteil unserer Heimat und unseres Volkes instrumentalisiert werden“. Um Abonnenten wird mittels Anzeigen im NPD-Parteiorgan „Deutsche Stimme“ und der FPÖ-nahen Monatszeitschrift „Die Aula“ geworben. Hofers Amtsvorgänger bei der niederbayerischen NPD war Peter Haese (Eggenfelde), der sich einst auch für die „Deutsche Aufbau-Organisation“ (DAO) engagierte.
Altgedienter NPD-Parteisoldat ist Herbert Steringer, zugleich Vorstandsmitglied des Vereins für Gartenbau und Landespflege Heining-Neustift in Passau. Steringer, zeitweilig Vorsitzender des bayerischen NPD-Landesschiedsgerichts, gehörte 2003 der NPD-Delegation beim Gründungskongress der „Frente Espanol“ (Spanische Front) an. Begleitet wurde Steringer unter anderem von seinem früheren Nachbarn in Moosburg an der Isar Udo Voigt. Niederbayerischer NPD-Mann ist auch Siegfried Birl (Geiselhöring), Geschäftsführer des einschlägigen Wikinger-Versands. Bekannteste niederbayerische Nationaldemokraten sind die Spitzenfunktionäre Bettina und Sascha Roßmüller. Letzterer ist heute stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender und bayerisches Landesvorstandsmitglied. Roßmüller war Aktivist beim neonazistischen Nationalen Block, der 1993 verboten wurde, und von 1999 bis 2003 Vorsitzender der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten.