von Redaktion
   

Szeneladen von Berliner NPD-Chef Schmidtke vor dem Aus

In Berlin-Schöneweide steht mit dem vom NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke betriebenen „Hexogen“ ein weiterer Anlaufpunkt der Szene vor dem Aus. Offenbar denkt der Neonazi über einen Umzug nach. Vermutlich wirft sein Laden nicht genug ab, zuletzt hatte er vor Gericht eingestehen müssen, für seinen Lebensunterhalt zusätzlich Hartz IV-Leistungen zu beziehen.

Das "Hexogen" in Berlin (Foto: Oliver Cruzcampo)

„Militär, Outdoor, Camping, Security“ steht in dicken rotten Lettern auf den Schaufenstern eines Ladens in der Brückenstraße 9 im Berliner Kiez Schöneweide. Doch das „Hexogen“ ist kein normales Geschäft, das Freizeitbedarf für abenteuerlustige Wanderer anbietet: Bei einer Razzia im Zuge der Ermittlungen gegen die Neonazi-Gruppierung „Nationaler Widerstand Berlin“ war in den Verkaufsräumen ein Koffer mit strafrechtlich relevanten CDs verschiedener Rechtsrock-Bands gefunden worden. Das Amtsgericht Tiergarten sprach deswegen den Betreiber des „Hexogen“, den Berliner NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke, wegen Volksverhetzung und Gewaltdarstellung schuldig. Das Urteil lautet acht Monate auf Bewährung.

Die Brückenstraße gilt als „Hotspot“ des Neonazi-Milieus der Hauptstadt. Zahlreiche Aktivisten der NPD oder freier Strukturen wohnen hier oder in unmittelbarer Nähe. Ihnen war nicht zuletzt die Infrastruktur mit der Szenekneipe „Zum Henker“ oder dem „Hexogen“ entgegengekommen. Damit könnte es nun aber vorbei sein. Nachdem in der letzten Woche das Landgericht der Räumungsklage gegen den „Henker“ stattgegeben hatte – bislang ist das Urteil allerdings nicht rechtskräftig und damit noch nicht vollstreckt worden –, erwägt Schmidtke derzeit ebenfalls die Türen seines Shops zu schließen. Entsprechende Andeutungen hatte ein Polizeibeamter laut dem Neuen Deutschland bereits am Dienstag in einer nicht öffentlichen Veranstaltung gemacht, gestern dann bestätigte Schmidtke dem Tagesspiegel die Vermutung. Der 28-Jährige rechne anderswo „mit mehr Laufkundschaft“.

NPD-Chef lebt vom Geld des verhassten Systems

Tatsächlich scheinen die Geschäfte des Ladens, der bei Neonazis beliebte Kleidung und Devotionalien verkauft, nicht wirklich rund zu laufen. Vor Gericht hatte der vom Boulevard zu „Berlins gefährlichstem Nazi“ erklärte NPD-Kader eingestehen müssen, seinen Lebensunterhalt zusätzlich mit Hartz IV-Geldern zu bestreiten. Einen DHL-Paketshop, den die Deutsche Post im „Hexogen“ eingerichtet hatte, schloss das Unternehmen bald nachdem die Kooperation öffentlich gemacht worden war. Ursächlich für Schmidtkes Flaute dürfte auch das Engagement zahlreicher Initiativen sein, die in Schöneweide Front gegen menschenverachtendes Gedankengut machen.

Im Juli 2012 hatte der erfolglose braune Geschäftsmann eine gerichtliche Auseinandersetzung gegen seinen Vermieter gewonnen, der ihn vor die Tür setzen wollte. Schmidtke spielt diesem nun den Ball zu. Aktuell sei gar nicht klar, ob ihn sein Vermieter nicht doch noch haben wollte, sagte er dem Neuen Deutschland.

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