Symbolischer Schulterschluss

Neonazis wollen die NPD im niedersächsischen Landtagswahlkampf unterstützen.

Donnerstag, 19. Juli 2007
Andrea Röpke

Jetzt herrscht Eintracht zwischen den verfeindeten rechtsextremen Lagern in Norddeutschland. Beim Aufmarsch in Lüneburg am 14. Juli 2007 demonstrierten NPD-Funktionäre und vor allem Aktivisten aus dem Umfeld des parteikritischen „Aktionsbüros Nord“ Einigkeit für den bevorstehenden niedersächsischen Landtagswahlkampf. Einträchtig marschierten die NPD-Bundesvorstandsmitglieder Thomas Wulff und Manfred Börm neben Inge Nottelmann, Tobias Thiessen, Torben Klebe, Dieter Riefling und Marcus Winter. Einziger Wermutstropfen: beim symbolischen Schulterschluss unter dem Motto „Die Volksfront steht!“ fehlten niedersächsische Spitzenkandidaten der NPD wie Ulrich Eigenfeld, Friedrich Werner Graf von der Schulenburg und Friedrich Preuß. Andreas Molau wurde wegen Krankheit entschuldigt. Der Schweriner NPD-Fraktionschef Udo Pastörs ließ sich von Stefan Köster vertreten.
Etwa 160 Neonazis waren nach Lüneburg gekommen, um hinter dem Fronttransparent „Gegen Demonstrationsverbot – Meinungsfreiheit erkämpfen“ vom Bahnhof aus durch den Stadtteil Neu Hagen zu ziehen. Ein Neonazi trug Häftlingskleidung. Sechs glatzköpfige junge Männer trugen einen Sarg mit der Aufschrift „Meinungsfreiheit“ voran. Mitorganisator Christian Worch beklagte, dass ihnen am 2. Juni dieses Recht genommen worden sei. Nach dem Verbot der geplanten Großdemonstration in Schwerin waren rund 350 Neonazis in Lüneburg aufmarschiert, um gegen den „G 8-Gipfel“ zu demonstrieren. Es kam zu Angriffen gegen Bürger, die herangezogene Polizei setzte einen Großteil der Rechtsextremisten fest. Dabei wurde ein Beamter durch Tritte verletzt.

Dieses Demonstrationsverbot und die anstehende Landtagswahl in Niedersachsen nutzten Neonazi-Strategen am 14 Juli, um Eintracht zu symbolisieren. Dieter Riefling aus Hildesheim versprach: „Die Freien Kräfte werden mit der NPD einen erfolgreichen Wahlkampf führen!“ Sven Skoda aus Nordrhein-Westfalen bekräftigte: „Ob militant oder friedlich, wichtig ist der Widerstand“. Er kündigte an: „Wir werden dahin gehen, wo es ihnen weh tut: in die Versammlungen unserer Feinde!“ Riefling, dem vonseiten der niedersächsischen NPD schon mal Redeverbot erteilt worden war, beschwor den gemeinsamen Wahlkampf. Vollmundig drohte er, nach dem Einzug der NPD werde „ein anderer Wind wehen!“ „Mecklenburg-Pommern und Sachsen, unsere guten Vorposten im Reich“, so Riefling, „werden sich mit uns vereinigen und dann wird aus der BRD wieder das, was es völkerrechtlich immer war, das deutsche Reich mit der Fahne schwarz weiß rot.“

Die braune Melange aus Neonazis und einigen wenigen Nationaldemokraten vertrug sich an diesem Tag sichtlich. Aus dem Schweriner Landtag waren mit Stefan Köster einige Mitarbeiter mitgekommen. Kameradschaften aus Sachsen-Anhalt unterstützten die Freien Kräfte. Den Lautsprecherwagen stellten die Verdener Neonazis. Bremer Neonazis waren per Bus angereist. Ein VW-Mitarbeiter trat in blauer Firmenkluft an. Ältere Unterstützer wie Dieter Fricke aus Achim marschierten in Grüppchen mit. Ungewohnt war der Umgang zwischen Christian Worch und Thomas Wulff, den Worch erstmals wieder „Kamerad Steiner“ nannte. Kameradschaften aus dem Harz, Schneverdingen, Schaumburg, Minden, Hannover, Celle und Lüneburg zeigten ihre Bereitschaft zur Unterstützung der NPD. Mit dünner Stimme griff NPD-Kandidat Adolf Dammann die „BRD-Systemparteien“ an, denn ‚das Volk wird eines Tages mit euch abrechnen.“ Dammann, der bis zu seiner Pensionierung 2003 Filialleiter einer Bank in York war, hetzte weiter: „Nie gab es soviel Freiheit für Kriminelle, Homosexuelle, Abtreiber, Rauschgifthändler, Zionisten, Volksfeinde, Spione, Vaterlandsverräter und habgierige Politiker!“

Viele der Neonazis gehörten dem militanten Spektrum der Szene an, T-Shirts mit Aufdrucken wie „Stahlgewitter – Im Krieg gegen ein Scheiß System“ oder „Mass Terror to end it all“, dazwischen ein Maschinengewehr, fielen ins Auge. Ein Teilnehmer wurde kurzfristig aus der Demonstration geholt, weil er den verbotenen Hitlergruß gezeigt haben soll. Auffällig viele Ordnerinnen versuchten unbeholfen, die eigenen Kameraden in Schach zu halten, als einige Eier aus den Reihen der Gegendemonstranten flogen und in der Nähe Böller explodierten. Später sammelten sie in einer gelben Kiste Spenden für die „nationale Sache“ ein.

Kategorien
Tags