Studie: Das Deplatforming der extremen Rechten und seine Folgen

Das „Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft“ (IDZ) hat eine Studie zum Deplatforming veröffentlicht. Deplatforming, also das Entfernen von extrem rechten Akteuren von Social-Media-Plattformen, wird in der Studie als wehrhaftes aber teilweise auch umstrittenes Instrument gegen Rechtsextremismus und Verschwörungsideologien eingeordnet.

Inhaltlich geht es auch um die Folgen, die die Einschränkung der Nutzung sozialer Medien
auf das Medienverhalten von rechtsextremen Hassakteuren insbesondere im deutschsprachigen
Raum hat.


Hate not found?! Das Deplatforming der extremen Rechten und seine Folgen“ ist die erste systematische Studie zur Frage, wie sich Sperrungen von Profilen in den sozialen Medien auf die extreme Rechte im deutschsprachigen Raum auswirken.

Die Ergebnisse werden am 11. Dezember auf einer digitalen Tagung „Hate not found ?!“ vorgestellt und live mit Expert*innen diskutiert.

Forscher*innen des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) aus Jena analysierten systematisch Muster in Kommunikations- und Verhaltensweisen, wenn Plattformbetreiber ihre Gemeinschaftsstandards gegen rechtsextreme Hassakteure durchsetzen. „Unser Fokus lag auf der Klärung der Fragen, welche Einschränkungen Hassakteure durch Löschungen hinnehmen müssen, welche innovativen Umgänge sie entwickeln, um kommunikativ handlungsfähig zu bleiben, und wie sie ihre Mobilisierung in sozialen Medien neu ausrichten“, stellt Maik Fielitz, Co-Autor der Studie, heraus.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich Rechtsextreme von kommerziellen Plattformen abhängig gemacht haben und ihnen das Einschreiten der Betreiber erheblich schadet. Von 55 einflussreichen untersuchten Hassakteuren hatten 29 bereits digitale Plattformen verloren. Co-Autorin Karolin Schwarz erläutert: „Das Deplatforming zentraler rechtsextremer Akteure schränkt deren Mobilisierungskraft deutlich ein und nimmt ihnen eine zentrale Ressource, auf die ihre Inszenierungen abzielen: Aufmerksamkeit. In dieser Hinsicht lässt sich eindeutig sagen: Deplatforming wirkt.“

Die Studie stellt weiterhin fest, dass die Sperrungen Hassakteure nicht mehr überraschend oder unvorbereitet trifft. Es bildeten sich innovative Strategien des Umgangs heraus, die Handlungsfähigkeit signalisieren. Dazu identifiziert die Studie sechs Muster, um eine Sperrung zu vermeiden, zu umgehen oder auszugleichen: semantische Mimikry-Taktiken, (Audio-)Visualisierung der Propaganda, Schaffung von Fake-Accounts, Einsatz von Proxies, Ausweichen auf Alternativplattformen sowie Aufbau eigener digitaler Infrastrukturen. Ausführlich werden die Befunde am Freitag berichtet und diskutiert.


Die 80 Seiten umfassende Studie ist auf der Seite des IDZ zu finden und kann dort als PDF heruntergeladen werden.

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