Stockender Marsch

Trotz bundesweiter Mobilisierung blieb die Neonazi-Demonstration am 1. Mai in Berlin deutlich hinter den Erwartungen.

Sonntag, 02. Mai 2010
Fabian Kunow

Die knapp 700 Neonazis kamen bei ihrer lang vorbereiteten Demonstration am 1. Mai in Berlin nicht weit. Für 286 von ihnen war schon vorher Schluss. Sie hatten versucht, ohne Anmeldung auf dem Berliner Kurfürstendamm aufzumarschieren.

Wochenlang hatte die Berliner Szene rund um die Internetseite nw-berlin.net die Hauptstadt mit Propaganda zum „Tag der deutschen Arbeit“ überzogen. Hierbei suchten sie, neben den traditionell von ihnen bewohnten Stadtteilen auch provokativ Orte auf, an denen sie ihre Feinde vermuteten. Hinzu kam eine bundesweite Mobilisierung, die neben einigen NPD-Untergliederungen 46 Organisationen aus dem Kameradschaftsspektrum enthielt sowie Delegationen aus dem europäischen Ausland.

Neonazis auf dem Kurfürstendamm

Das Ergebnis der monatelangen Vorbereitungen sah auf der Bornholmer Straße im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg eher bescheiden aus. Lediglich knapp 700 Neonazis vor allem aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen konnten, dabei immer wieder stockend, einige hundert Meter ihrer eigentlich wesentlich längeren Strecke hin und zurück laufen.

286 Neonazis, die von einem Vorabtreffpunkt kamen, verließen am S-Bahnhof Halensee im Berliner Südwesten mit Gewalt die Bahn, marschierten über den Kurfürstendamm und wurden von der Polizei festgesetzt. Unter ihnen sollen sich viele Berliner befunden haben.

Wulff und Worch als Redner

Bei der Demonstration dominierte zwar die Farbe schwarz, zu einem schwarzen Block im Stile der „Autonomen Nationalisten“ war es aber nicht gekommen. Organisation und Ansprachen in NS-Diktion erfolgten von der alten Kameradschaftsführungsriege. Redner waren die altbekannten Aktivisten Thomas Wulff, Dieter Riefling und Christian Worch.

Aus Berlin war neben dem Anmelder Sebastian Schmidtke, der NPD BVV-Verordnete Jan Sturm sowie die Clique der „Vandalen“ mit dem ehemaligen „Landser“ Sänger Michael „Lunikoff“ Regener anwesend. Mit dem Liedermacher Flyergin sang aber ein anderer Berliner auf dem Auftakt.

Die Schmach, nicht in der gewollten Form demonstrieren zu können, versuchten Neonazis, durch versuchte Spontandemonstrationen in Potsdam und Berlin-Treptow am Abend wegzumachen. In Treptow wurden sie von der Polizei zur Kneipe „Zum Henker“ geführt. Hier hatten sich schon am Vorabend zum 1. Mai 50 von ihnen gesammelt. Anlass war eine vorbeiziehende Demonstration von Nazigegnern.

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