von Redaktion
   

Staatsanwaltschaft ermittelt: Neonazi will „Mein Kampf“ veröffentlichen

Kritiker hatten davor gewarnt – nun scheint es Realität zu werden. Ein in Leipzig ansässiger Verlag kündigt für den Sommer einen „unveränderten Nachdruck“ für Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ an. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge habe die Staatsanwaltschaft Bamberg deshalb Ermittlungen eingeleitet.

Mein Kampf im Deutschen Historischen Museum, Berlin (Foto: Anton Huttenlocher)

Auf der internen Bestsellerliste listet der Leipziger „Der Schelm Verlag“ „Mein Kampf“ aktuell auf Platz zwei. Dabei ist das 1924 vom späteren Diktator Adolf Hitler verfasste Pamphlet in der Version des Verlages noch nicht einmal erschienen. Vorbesteller können die mehr als 800 Seiten starke Hetzschrift zu einem ermäßigten Vorzugspreis erstehen, ab dem 1. August müssen Käufer für das für den Sommer angekündigte Buch 30,00 Euro auf den virtuellen Tresen legen. Mehr Interesse als „Mein Kampf“ erweckt derzeit nur „Der geplante Volkstod“, geschrieben von Jürgen Graf, einem in Moskau lebenden, mehrfach u. a. wegen Volksverhetzung oder Aufstachelung zum Rassenhass verurteilten Holocaustleugner.

Der Verlag habe sich entschlossen, heißt es im Ankündigungstext auf der Webseite, „dem mündigen Staatsbürger, der seit Jahrzehnten durch die Hohe Schule der Demokratie gegangen ist, […] Adolf Hitlers Buch `Mein Kampf´ unkommentiert und unverändert zur kritischen Bewertung vorzulegen“. Es handele sich um einen „wissenschaftlichen Quellentext“, der „der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen sowie der historischen Dokumentation im Rahmen der Wissenschaft, der Forschung, der Lehre und der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte“ dienen soll. „Der Schelm“ distanziere sich von „jedweden verleumderischen, hetzerischen, beleidigenden und die menschliche Würde angreifenden Passagen, insbesondere von jeglicher Schmähkritik am Judentum“, schieben die „Macher“ einen Rechtfertigungsversuch hinterher.

Holocaustleugner mit an Bord

Bei einem Versuch wird es aber bleiben. Denn diese Intention darf in Frage gestellt werden, zumal mit Fredrick Toben, dem Leiter des „Adeleide Institute“, ein weiterer Revisionist ein „kleines Vorwort“ beisteuern soll. In einem Grundsatzurteil hatte der Bundesgerichtshof vor 16 Jahren entschieden, der australische Staatsbürger Toben habe sich der Volksverhetzung schuldig gemacht, da er Texte, die den Holocaust leugnen, auf einem ausländischen Server ins Internet gestellt habe. Diese Äußerungen seien zur „Friedensstörung im Inland geeignet“.

Außerdem kann der Verlags-Betreiber Adrian Preißinger auf einer längere „Karriere“ in der extrem rechten Szene zurückblicken. Preißinger, schreibt der Blick nach Rechts, habe einst Neonazi-Musik produziert und sei Beschäftigter des NPD-Verlages Deutsche Stimme gewesen. Im Dezember 2002 sei er diesen Informationen zufolge vom Landgericht Dresden wegen Volksverhetzung, Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Gewaltverherrlichung sowie Einfuhr strafrechtlich relevanter Tonträger zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und einer Geldstrafe in Höhe von 230.000 Euro verurteilt worden.

Hetze geht weiter

Die unkommentierte „Die Schelm“-Ausgabe von „Mein Kampf“ hat mittlerweile die Bamberger Staatsanwalt auf den Plan gerufen. „Es wird geprüft, ob wir Anklage erheben können“, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur und bestätigte damit einen Bericht der Bild-Zeitung. Der Verlag machte auf seiner Internetpräsenz derweil eine E-Mail an die Bild öffentlich, in der gegen die „Platzhirsche der Juden-Lobby in der brddr“ gehetzt wird. „Die Oberjidden schmeißen das Stöckchen - Journaillisten, Politiker, das Bayerische Justizministerium und die Generalstaatsanwaltschaft von Bamberg (Oberfranken) apportieren brav...“, lässt der Verfasser den Hass aus der Tastatur fließen.

„Mein Kampf“ ist nicht die erste einschlägige Neuauflage, die „Der Schelm“ herausbringen will. Dort erschienen sind weiterhin Bücher von Hitlers Chef-Propagandisten Joseph Goebbels. Während Henry Fords „Der internationale Jude“ bereits seit rund zwei Jahren erhältlich ist, soll diesen Sommer – also gemeinsam mit „Mein Kampf“ – „Das jüdische Gaunertum“ von Herwig Hartner-Hnizdo, einer ursprünglich 1939 veröffentlichten Hetz-Schrift, erscheinen.

Am 1. Januar 2016, und damit 70 Jahre nach dem Tod Hitlers, endete die Urheberschutzfrist von „Mein Kampf“, zuvor hielt die Staatsregierung des Freistaates Bayern die Rechte. Das Münchner Institut für Zeitgeschichte brachte deshalb eine kommentiere Fassung auf dem Markt, die stark nachgefragt ist.  

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