Spuren in die Neonazi-Szene

Drei Tatverdächtige des Brandanschlags in Salzhemmendorf sitzen in Untersuchungshaft, gegen sie wird unter anderem wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes ermittelt.

Montag, 31. August 2015
Andrea Röpke

Mindestens einer der beiden männlichen Verdächtigen des Brandanschlages auf eine Flüchtlingsunterkunft in Salzhemmendorf ist Neonazi mit Verbindungen in die durchaus aktive Szene im Weserbergland. Der andere ist aktiver Feuerwehrmann in Salzhemmendorf und half sogar bei den Löscharbeiten, nachdem er wahrscheinlich gemeinsam mit dem 30-jährigen Dennis L., und einer 23-Jährigen Freundin vom Auto aus einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft geworfen hatte. Nur knapp entkamen eine Frau und ihre drei kleinen Kinder dem Brand – sie schliefen in der Nacht nebenan. Das Kinderzimmer brannte aus.

„Spiegel TV“ berichtet über einen Zeugen, der zuvor werkelnde Männer in der Garage eines Tatbeteiligten gesehen hatte. Der Ältere des mutmaßlichen Trios, Dennis L. aus Lauenstein im Landkreis Hameln post nicht nur im  Shirt der verbotenen Band „Landser“, sondern hört auch „Agitator“ oder „Kategorie C“ und bewundert deren Sänger Hannes Ostendorf. Er kennt die Szene-Band „Hauptkampflinie“ und macht gemeinsam mit einem Feuerwehrmann Sprüche darüber. Einige seiner Facebook-Posts  klingen äußerst aggressiv: „Schlagt sie tot“ und dann NS-bezogen: "Für manche Menschen hätte eine Dusche aufbleiben sollen.“ Mutmaßliche Pädophile will er „Tot schlagen!!“ Der 30-Jährige ist wegen Sachbeschädigung und Diebstahls polizeibekannt.

Auffällige Aktivitäten des „III. Weg-Stützpunktes“

Der mutmaßliche Täter Sascha D. wurde 2009 in die Salzhemmendorfer Feuerwehr aufgenommen. Der 24-jährige Familienvater scheint in der Truppe nicht der einzige mit einer fremdenfeindlichen Gesinnung. Auch der mit L. befreundete Robert S. offenbart einige Kenntnisse der rechtsextremen Szene. Gegen die drei wird wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes und Brandstiftung ermittelt, sie befinden sich laut Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft.

Auffällig in der Region sind gerade die Aktivitäten des „III.Weg-Stützpunktes ‘Hermannsland’“. Gestern wollen Aktivisten um Christopher Knauf sogar „vor Ort“ in Salzhemmendorf gewesen sein. Knauf  wohnt seit einigen Wochen in der Kleinstadt. Sie verteilten demnach Flyer gegen Flüchtlinge und die „Propagandamaschinerie der Volksvernichter“. Die Neonazi-Partei veröffentlicht eine Karte mit den bundesweiten Adressen von Flüchtlingsheimen und wurde in Bayern bereits konkret mit einem Brandanschlag in Verbindung gebracht.

Deren Vertreter im „Hermannsland“ kennt scheinbar nicht nur die Familie eines der mutmaßlichen Brandstifter, sondern auch Kameraden der militanten Szene in Dortmund oder in Hildesheim. Der Hamelner „Stützpunkt“ der radikalen Neupartei unternahm nach eigenen Angaben bisher eine Kohltour, Heldengedenken und Schulungen gemeinsam mit Kameraden aus dem nahen Ost-Westfalen. Aus Hameln stammt ebenfalls die „Aktionsgruppe Weserbergland“, von denen zwei Mitglieder inzwischen nach Dortmund umgezogen sind.

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