von Redaktion
   

„Spreelichter“ brennen offenbar weiter

Selbst ein Verbot konnte ihre Kreise kaum einengen. In Brandenburg sind Aktivisten der verbotenen „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“ – auch bekannt als „Spreelichter“ – augenscheinlich weiterhin aktiv. Mehrere kürzlich verübte Straftaten legen diese Vermutung nahe.

Demonstration der "Unsterblichen" (Screenshot)

„Die Vereinigung weist eine Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus auf und zeichnet sich durch ein aktiv-kämpferisches Vorgehen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung aus“, begründete der damalige Innenminister von Brandenburg, Dietmar Woidke (SPD), das Verbot der Neonazi-Gruppierung „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“ im Juni 2012. Die auch als „Spreelichter“ bekannten Aktivisten galten als eine der aktivsten rechtsextremen Zusammenschlüsse. Mit medial aufgearbeiteten Propagandaaktionen wie unangemeldeten Fackelmärschen sorgten sie für Aufmerksamkeit.

Offenbar konnte das staatliche Vorgehen den braunen Aktivitäten aber keinen Riegel vorschieben, zumal der Anführer der „Spreelichter“, Marcel Forstmeier, gegen das Verbot juristisch vorging. Gemeinsam mit dem Szeneanwalt und ehemaligen Chef der ebenfalls verbotenen „Wiking Jugend“ (WJ), Wolfram Nahrath, sollte die Verfügung gekippt werden. Der Plan scheiterte, das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wies die Klage zurück. Kein Grund für die Neonazis, den braunen Hammer an den Nagel zu hängen.

Gräber, Hakenkreuze und das „Krümelmonster“

Wiederholt wurden in den letzten Monaten in der Lausitz Straftaten aktenkundig, die einen Bezug zu dem Neonazi-Netzwerk vermuten lassen. In der Nacht zum Dienstag hoben Unbekannte auf einem Schulgelände am Schmellwitzer Weg in Cottbus ein symbolisches Grab aus und versahen es mit einem Kreuz. Auf dem Schulhof seien diverse Slogans, die auf die sogenannte Volkstodkampagne schließen ließen, geschmiert worden. Die Beamten stellen weiterhin Flyer sicher, teilte die Polizeidirektion Süd mit. Eine am Schulgebäude angebrachte Tafel „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ ließen die Täter mitgehen. Fast zeitgleich sprayten Schmierfinke ein Hakenkreuz und mehrere Sprüche am Busbahnhof in Spremberg. Zumindest im ersten Fall schließt der Staatsschutz, der die Ermittlungen übernommen hat, einen Zusammenhang mit der „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“ nicht aus.

Bereits seit letzten Herbst ermittelt die Polizei wegen ähnlicher Delikte in der Region. An einem Senftenberger Gymnasium war damals ebenfalls ein „Grab“, an dem ein Holzkreuz mit der Aufschrift „Demokraten bringen den Volkstod“ angebracht worden war, entdeckt worden. Wenige Tage zuvor hatten Neonazis in Lauchhammer das Schild „Schule ohne Rassismus“ vom Schulgebäude entwendet. Das Schild tauchte bald wieder auf – in einem Internetvideo. Dort posierte ein als „Krümelmonster“ verkleideter Aktivist mit dem Diebesgut und schmiss es in einen See. Die bei Kindern beliebte Figur aus der „Sesamstraße“ war bereits vorher mit etlichen Propagandaaktionen in Erscheinung getreten.

Inhaltlich hatte die „Spreelicher“ vor allem die „Erhaltung des reinrassigen deutschen Volkes“ gegen den sogenannten Volkstod thematisiert. Ihre Anhänger sahen sich selbst als „Vollblut-Aktivisten“, die den Kampf um die Erhaltung der „deutschen Volkssubstanz“ 24 Stunden am Tag, bei allen Gelegenheiten und auf allen Ebenen führen.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen