von Oliver Cruzcampo
   

Sportverein um Lutz Battke kurz vor Ausschluss aus Landessportbund

Die scheinbar unendliche Geschichte um den Sportverein BSC Laucha 99 und den dort agierenden Nachwuchstrainer Lutz Battke geht in die nächste Runde. Nachdem sich herausstellte, dass Battke trotz Suspendierung weiterhin als Trainer aktiv ist, muss der Sportverein nun mit einem Ausschluss aus dem Landessportbund Sachsen-Anhalt rechnen. 

Wie der „MDR“ berichtet, bereite der Landessportbund (LSB) eine Satzungsänderung vor, um Vereine rauswerfen zu können, die Rechtsextremismus dulden. Die Satzungsänderung sei am Donnerstag auf einer Sitzung des LSB-Präsidiums besprochen worden. Der Verein müsse „zwingend mit der Einleitung eines Ausschlussverfahrens rechnen“, so LSB-Präsident Silbersack, sollte der Verein Lutz Battke weiterhin auf den Platz lassen.

Ein Ausschluss hätte für den Club drastische Folgen. Fördermittel würden wegbrechen, auch ein regulärer Spielbetrieb wäre nicht mehr möglich. Käme es zu einem Ausschluss, sei dieser deutschlandweit einzigartig.

Der Fall Battke wird seit einigen Monaten von den Medien verfolgt, da Reiner Haseloff,Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, versucht hat, ihn wegen seiner rechtsextremen Gesinnung vom Posten des Bezirksschornsteinfegers entfernen zu lassen – bisher allerdings ohne Erfolg. Battke sitzt für die NPD im Stadtrat und Kreistag, Mitglied der rechtsextremen Partei ist er jedoch nicht.

Kommentare(9)

Thomas Wendt Freitag, 15.Oktober 2010, 11:40 Uhr:
Und so machen alle hübsch weiter Wahlkampf für die NPD. Frage: Wem nützt das?
 
B.C. Freitag, 15.Oktober 2010, 15:33 Uhr:
@wendt
Was waere denn Ihrer Meinung nach der richtige Weg?
Ist Ihre Kritik kurz- mittel- oder langfristig gedacht?
Augenzudruecken allein ist ja wohl auch nicht der Koenigsweg.
 
egal Freitag, 15.Oktober 2010, 17:36 Uhr:
Kleine Ergänzung: Die Satzungsänderung wurde bereits auf dem Landessporttag von allen Vereinen und Verbänden im September beschlossen, nicht erst jetzt in der Präsidiumssitzung besprochen. Sie ist nur noch nicht rechtskräftig (weil noch nicht im Vereinsregister eingetragen).
 
Björn Samstag, 16.Oktober 2010, 14:39 Uhr:
@B.C.

"Was waere denn Ihrer Meinung nach der richtige Weg?"

Der richtige Weg wäre der rechtstaatliche Weg. Einem Menschen seine Freizeitbeschäftigung und sein soziales Engagement zu verbieten obwohl er sich komplett gesetzeskonform verhält ist nämlih nicht gerade das was man sich gemeinhin unter Rechtstaatlichkeit vorstellt.
 
Roichi Samstag, 16.Oktober 2010, 21:37 Uhr:
Pass auf. Demnächst kommen die Grundrechte.

Jeder Verein darf aber selbst bestimmen, wer dort mitmachen darf, ebenso jeder Verein der sich aus Vereinen zusammensetzt.

Was das mit dem Staat zu tun hat, erschließt sich mir nicht.
Hier geht es um Privatpersonen und Vereine.

Die möglicherweise unangenehmen Nebeneffekte des Ausschlusses, muss man abwägen. Mal sehen, was da so draus wird.
 
Amtsträger Sonntag, 17.Oktober 2010, 10:07 Uhr:
Lieber Björn,

was hat eigetnlich der Rechtsstaat mit dieser Geschichte zu tun? Es ist keine staatliche Institution involviert! Schließlich handelt es sich beim Landessportbund um eine zivilrechtliche juristische Person. Wenn der Sportbund der Meinung ist, dass Menschen mit bestimmten politischen Anschauung keine Ämter in der Vereinigung innehaben sollen, dann ist das sein gutes Recht. Betroffen sind hier die allgemeinen Persönlichkeitsrechte in der Konkretisierung des Rechts am eigenen Bild in der Öffentlichkeit nach Art.2 I i.V.m. Art.1 I GG, welches nach Art.19 III GG auch auf juristische Personen anwendbar ist.
Alleine der Staat und seine Institutionen sind nach Art.20 III GG zur Neutralität verpflichtet.
 
Björn Sonntag, 17.Oktober 2010, 15:48 Uhr:
@Roichi

"Jeder Verein darf aber selbst bestimmen, wer dort mitmachen darf, ebenso jeder Verein der sich aus Vereinen zusammensetzt."

Nur teilweise richtig. Auch im privatem Bereich gelten die Grundrechte. Niemand darf benachteiligt werden nur aufgrund seiner Rasse, Herkunft und Religion beispielsweise. Dummerweise aber auch nicht aufgrund seiner politischen Einstellung.
Sie dürfen auch beispielsweise als Vermieter niemandem den Mietvertrag kündigen nur weil er ein Schwarzer ist.

Außerdem will der Verein ja das Battke weiter mitmacht. Der BSC Laucha hat im übrigen auch das Hausrecht auf ihrem Gelände. Sie können also bestimmen wen sie auf ihren Platz lassen und wen nicht. Der LSB versucht nun durch Erpressung einen unliebsamen Oppositionellen auszuschließen.

"Was das mit dem Staat zu tun hat, erschließt sich mir nicht."

Der Rechtstaat hat dafür Sorge zu tragen, dass nicht diskriminiert wird.

@Amtsträger

"...was hat eigetnlich der Rechtsstaat mit dieser Geschichte zu tun?"

Niemand darf wegen seiner politischen Ansichten benachteiligt werden. Diese Grundrechte durchzusetzen ist Aufgabe des Rechtstaates.

"Wenn der Sportbund der Meinung ist, dass Menschen mit bestimmten politischen Anschauung keine Ämter in der Vereinigung innehaben sollen, dann ist das sein gutes Recht."

Er hat ja auch kein Amt innerhalb des LSB inne gehabt. Er ist nur Mitglied des BSC Laucha. Und dieser hat weit weniger Probleme mit der Toleranz von Andersdenkenden.

Wenns um Andersdenkende geht findet ihr Diskriminierung auf einmal doch wieder ganz toll.
Und schon wieder: Doppelmoral
 
B.C. Sonntag, 17.Oktober 2010, 16:39 Uhr:
naja, wenn sich mal eine frau von ihrem rechtsradikalen ehemann scheiden lassen will, dann moechte Bjoern das mit verweis aufs grundgesetz verbieten.
 
Amtsträger Montag, 18.Oktober 2010, 10:36 Uhr:
Und schon wieder...
"Auch im privatem Bereich gelten die Grundrechte"
Grundrechte sind Abwehrrechte des Bürgers gegenüber dem Staat. Art3 I GG schütz vor Benachteiligungen die der Grundrechtsträger durch den Staat erleiden würde.
Eine Zivilperson muss nicht neutral sein, solange keine zivilrechtliche oder strafrechtliche Norm verletzt wird. Oder warum dürfen Diskotheken ihre Gäste anhand der Kleidung aussuchen? Grundrechtlich kann dieser Sachverhalt mit dem Hausrecht verglichen werden.
 

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