Spätfolge des Finanzskandals

Eine von der nordrhein-westfälischen NPD genutzte Immobilie in Bochum steht vor der Zwangsversteigerung.

Freitag, 29. April 2011
Tomas Sager

Muss sich die nordrhein-westfälische NPD über kurz oder lang ein neues Domizil für ihre Landesgeschäftsstelle suchen? Das Gebäude in Bochum-Wattenscheid, in dem Landeschef Claus Cremer seinen Schreibtisch stehen hat, soll jedenfalls Mitte Juli zwangsversteigert werden.

Das Haus an der Günnigfelder Straße beherbergt derzeit als Mieter nicht nur die Landesgeschäftsstelle. In einem Veranstaltungsraum finden Treffen des Vorstands und der diversen Arbeitskreise der Partei sowie Vortragsabende statt. Auf dem Hof hinterm Haus und im Gebäude selbst organisierte die NPD größere Veranstaltungen wie ihre jährlichen Sommerfeste.

Ausstehende Kreditrückzahlungen

Das Amtsgericht Bochum hat als Termin für die Zwangsversteigerung den 14. Juli bestimmt. Der Verkehrswert des Drei-Parteien-Gebäudes, das 1950 gebaut wurde und über eine Wohn- und Nutzfläche von 577 Quadratmetern verfügt, wurde auf 160.000 Euro festgesetzt.

Als Gläubiger betreibt die UniCredit Bank, die frühere Bayerische Hypo- und Vereinsbank, das Zwangsversteigerungsverfahren. Ein Sprecher des Geldinstitutes bestätigte auf Anfrage von bnr.de, dass ausstehende Rückzahlungen eines Kredites, den die Bank dem Immobilienunternehmen KEL gewährt hatte, der Grund für das nun eingeleitete Verfahren sind.

Parteivermögen für die marode Küchenfirma

Wie der „Spiegel“ im Sommer 2008 berichtete, hatte der frühere NPD-Schatzmeister Erwin Kemna jene Immobilienfirma KEL im Jahr 1999 erworben. Das Privatunternehmen des Schatzmeisters habe aber vor allem der Partei gedient. Über die KEL wurden Immobiliengeschäfte abgewickelt, die der NPD mit ihrem finanziell wie politisch miserablen Leumund nicht möglich gewesen wären. Dazu zählte auch der Kauf des Gebäudes in Wattenscheid, das die KEL dem „Spiegel“-Bericht zufolge im November 2000 für 300.000 Mark kaufte: Größtenteils finanziert mit dem Kredit der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank.

Kemnas gewagte Finanzakrobatik, die er als NPD-Schatzmeister betrieb und bei der er für seine eigene marode Küchenfirma mehr als 600.000 Euro aus dem Parteivermögen abzweigte, flog 2008 auf. Der Versteigerungstermin vor dem Bochumer Amtsgericht ist nun eine der Spätfolgen des damaligen Finanzskandals.

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