von Robert Scholz
   

So geschmacklos wie die Wirklichkeit: Das Minderheitenquartett

Die Auszeichnung als Spiel des Jahres wird wohl nicht an das „Minderheitenquartett“ gehen, der Preis für die derbste Satire scheint hingegen sicher. Dabei ist der Hintergrund des Spiels durchaus ernstgemeint.

Als „politisch semi-korrekten Spielspaß für die ganze Familie“ preisen die Satiriker von „Zeitschrift – das Magazin“ das Kartenspiel an, in dem Juden gegen Neger, Muslime, Nazis, Pädophile und Rollstuhlfahrer ausgespielt werden sollen. In sechs Kategorien (Bevölkerungsanteil, Bildungsniveau, Wohlstand, Homogenität, gesellschaftliche Akzeptanz, Schamgefühl) werden Wertungen von bis zu fünf Sternen vergeben. Ziel des Spiels ist es, so viele Minderheiten wie möglich an seine Wertegemeinschaft anzugliedern.

Klingt reichlich makaber, hat aber einen ernsten Hintergrund: Am 21. April dieses Jahres fand im Rechtsausschuss des Bundestags eine Anhörung zur Änderung des Grundgesetzes statt. Nach dem Willen der Antragsteller sollte der dritte Absatz von Artikel 3 des Grundgesetzes, in dem es um das Verbot von Diskriminierung geht, um den Passus „seiner sexuellen Identität“ ergänzt werden, so dass es geheißen hätte „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner sexuellen Identität, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Die CDU-Fraktion holte sich juristischen Rat für diese Änderung bei Prof. Dr. Winfried Kluth, seines Zeichens Richter des Landesverfassungsgerichts Sachsen-Anhalt. Der warnte in seiner Stellungnahme vor einer Änderung und begründete dies unter anderem mit der „Erschwernis der Integration von Muslimen“. Professor Kluth gibt in seinem Gutachten zu bedenken, dass „aus dem Blickwinkel der Migrations- und Integrationspolitik zu berücksichtigen [ist], dass für gläubige Muslime, bei denen die Toleranz gegenüber der Gruppe der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgenden, transsexuellen und intersexuellen Menschen noch wenig entwickelt ist [und] die politisch erwünschte Integration unter ausdrücklicher Einbeziehung des Bekenntnisses zur Verfassung zusätzlich und erheblich erschwert wird.“

Die Ergänzung des Grundgesetzes wurde schließlich abgelehnt, doch die Idee für das Minderheiten-Quartett geboren: „Spiele Sie gegeneinander aus! CDU und FDP haben es heimlich vorgemacht...“

11,90 Euro kostet der Satz bestehend aus 24 Minderheits- und neun Aktions-, Gesellschafts- und Booster-Karten.

Kommentare(7)

Fiete Sonntag, 17.Juli 2011, 05:11 Uhr:
Kein Kommentar dazu? Das wundert mich jetzt etwas.
Na gut, dann will ich, als Angehöriger einer krass diffamierten Minderheit ( entsorgter Vater ) auch lieber nicht dazu äußern.
Aber eine Frage hätte ich schon: sind wir in diesem Spiel auch vertreten?
Und falls nicht, wo müssen wir klagen, ob dieser zusätzlichen groben Diffamierung ( auf das eine Verfahren mehr soll es mir dabei nicht ankommen )?

Gruß........Fiete
 
Thomas Donnerstag, 27.Oktober 2011, 07:49 Uhr:
Eine tolle Idee.
Wo könnte man spenden, dass die Redaktion der CDU und der FDP ein paar Spiele zukommen lassen kann;-)

Gruß Thomas
 
meike Dienstag, 14.Februar 2012, 11:43 Uhr:
Schöne Idee.
Das Einzige, was mich stört, ist das N-Wort.
Was sagt der Braune Mob dazu?
die meike
 
JW Mittwoch, 28.November 2012, 19:41 Uhr:
Liebe Meike,

ich gehör zwar weder zu "Nazis" noch zu "Negern", aber ich finde jede Minderheit hat ein Anrecht auf gleichberechtigte Verhohnepiepelung.

Und lieber Fiete,
die erste Erweiterung/Ergänzung ist jetzt raus. Ob deine Minderheit dabei ist, weiß ich zwar nicht - aber schreib doch einfach mal hin, wenn nicht diesmal, dann vielleicht bei der nächsten Erweiterung!

Jeder hat doch mindestens eine Eigenschaft, derenwegen er dabei sein darf...
 
Wolle Sonntag, 09.Dezember 2012, 20:48 Uhr:
Entsorgte Vaeter eine Minderheit? Dazu waere der statistische Nachweis von Noeten. Hier schon mal ein paar Knackpunkte: "Sich Sorgen machen" (MEIN Kind ist hat seinen Lebensmittelpunkt bei DIESER Frau) versus "fuer das Kind sorgen" (mindestens: UNTERHALTSZAHLUNG) - wozu berechtigt, wozu verpflichtet das Sorgerecht? Ich als von Anfang an der Sorge "lediger" Erzeuger bin zwar unterhaltspflichtig, stehe aber nicht in der Verlegenheit, der Frau, die die volle Sorge-LAST hat (da ist im Zweifelsfall nicht einfach von Geld die Rede), noch in ihr Leben hinein zu regieren. Ich kenne allerdings einige allein erziehende Muetter, die da in einem schwachen Moment einen starken Fehler begingen, den sie seither jeden Tag bitter bereuen. Besame mucho, care less, und immer schoen staenkern - wer fuehlt sich angesprochen?
 
Markus Sonntag, 06.Januar 2013, 10:16 Uhr:
Wie heißt der Schwarze Peter , Gutmensch, ode Politiker ? Dann wär der schwarze Peter ja auch eine Minderheit ? Es müßten mehr Zusatzoptionen sein wie: Gehe nicht über Wahrheit, ziehe keinen Respekt ein begib Dich zur grauen Masse ohne Würfeln oder so :-)
 
Kitschautorin Donnerstag, 28.März 2013, 18:39 Uhr:
Also, ich würde mir dieses Spiel sofort kaufen.
 

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