von Elmar Vieregge
   

„Sieg heil!“ im Auswärtsblock - Borussia Dortmund geht entschieden gegen Provokateur vor

Borussia Dortmund ist eigentlich in einer glücklichen Situation. Der Verein kann sich über eine offensivstarke Mannschaft, mehrere hunderttausend Fans und die sportlich erfolgreichste Periode seiner Geschichte erfreuen. Doch seit Jahren schaden einige wenige Fans dem Club durch rechtsextremistische Aktivitäten oder unbedachte Provokationen. In einem aktuellen Fall reagiert der BVB nun schnell und konsequent auf das Fehlverhalten eines Auswärtsfahrers.

Love Borussia - Hate Fascism

Er fiel am 22. Februar zu Beginn des Dortmunder Auswärtsspiels beim Hamburger SV auf. Beim HSV war zuvor ein Masseur verstorben, der aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit und seiner Verbundenheit mit dem Verein einen Kultstatus hatte. Zu dessen Ehre schmückten die Heimfans ihre Kurve mit einer Choreografie und der HSV organisierte eine Gedenkminute. Während sich auch die westfälischen Gäste an ihr beteiligten und dem Verstorbenen dadurch ihren Respekt erwiesen, störte in ihren Reihen eine Einzelperson die Andacht durch den Ruf „Sieg heil!“. Die Dortmunder reagierten darauf mit einer Mischung aus Verwunderung und durch Pfiffe geäußerte Ablehnung. Der Rufer hingegen wurde von Ordnern abgeführt.

Drei Tage später bekannte sich der westfälische Großverein in einer Presseerklärung zu „Toleranz und Vielfalt“ und erklärte, sich „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung“ zu wenden. Gleichzeitig verhängte der Club für die eigene Spielstätte ein örtliches Stadionverbot bis zum 30. Juni 2020 und rief den HSV dazu auf, ein dreijähriges bundesweites Stadionverbot zu erwirken. Für den nicht durch Gewaltanwendung aufgefallenen Rufer bedeutet es, dass er (unabhängig von den strafrechtlichen Folgen) für eine ungewöhnlich lange Zeit die Konsequenzen für seine Tat tragen wird.

Damit ist das bemerkenswerteste an der Angelegenheit weniger die Handlung des auf sich allein gestellten Rufers, als die Reaktion des BVB. Denn auch wenn es sich bei dem Ruf nicht um eine politische Aktion, sondern um eine fußballbezogene Provokation im gegnerischen Stadion handeln dürfte, zeigt Borussia Dortmund mit der raschen Reaktion und der ungewöhnlich langjährigen Sperre seine Entschlossenheit, gegen jegliche rechtsextremistische Aktivitäten vorzugehen. Der kleinen Gruppe auf der heimischen Südtribüne anwesender rechtsextremistisch motivierter BVB-Fans sollte dies eine deutliche Warnung sein.    

Foto: malin156, Lizenz: CC

Kommentare(4)

Roichi Freitag, 28.Februar 2014, 00:52 Uhr:
Man könnte auch sagen, der BVB kann so langsam nicht mehr ignorieren, was auf seiner Tribüne passiert.
Ob allerdings diese Aktion, so sinnvol sie auch ist, das grundsätzliche Problem des BVB mit rechten Fans löst, darf bezweifelt werden. Und eine Warnung ist das auch nicht. Höchstens eine, sich nicht zu offensichtlich zu äußern.
Die zahlreichen rechten Fans hält das nicht ab.
 
Nordie Freitag, 28.Februar 2014, 13:13 Uhr:
Du magst damit Recht haben, dass Dortmund das nicht ignorieren darf. Das bedeutet aber auch , mit jeglichen verfügbaren Mitteln gegen solche Vorfälle vorzugehen. Das macht der Verein in diesem Fall. Klar, ein Umdenken wird dadurch nicht erreicht, das muss aber auch eher auf anderen Ebenen wie der Sozialen Arbeit stattfinden. Als Verein trifft man damit eine Aussage, der Kampf dagegen ist dann von Fanprojekten zu führen.
 
L.B. Freitag, 28.Februar 2014, 18:19 Uhr:
"Denn auch wenn es sich bei dem Ruf nicht um eine politische Aktion ... handeln dürfte (...)"

Also irgendwie kann ich das nicht nachvollziehen.

Wäre man auch beim Hissen einer Hakenkreuzflagge der gleichen Meinung?
 
Elmar Vieregge Sonntag, 02.März 2014, 19:09 Uhr:
Hallo L. B.

Das Hissen einer Hakenkreuzflagge wäre eine andere Sache, da die Flagge im voraus besorgt werden und sie bewusst in das Stadion gebracht werden muss, um sie dort mit Vorsatz zu zeigen. Ein Beispiel für eine entsprechende Handlung war das Zeigen einers "Solidarität mit dem NWDO"-Banners im Dortmunder Stadion nach dem Verbot des Nationalen Widerstands Dortmund.

Da "Sieg heil" in Deutschland eine der provokantesten Parolen ist, bietet sie sich nicht nur für das demonstrieren einer Präsenz durch Neonazis an, sondern auch für Provokationen, um im gegnerischen Stdion zu "prollen". Da in den Tagen nach dem Ruf keine Informationen über einen politischen HIntergrund der festgestellten Person öffentlich wurden, vermute ich eine Fußballprovokation ... wobei ich mich natürlich auch irren kann. Demzufolge steht der Satz im Konjunktiv "handeln dürfte".
 

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