von Redaktion
   

Schweriner Polizei: Rechte Schläger lockten Migranten in Hinterhalt

Der Angriff machte Schlagzeilen weit über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus. Am Abend des 30. September attackierten 30 Schläger eine Gruppe von zehn Migranten. Nach neusten Ermittlungsergebnissen soll der Übergriff verabredet gewesen sein, die späteren Opfer wurden gezielt in einen Hinterhalt gedrängt.

In den vergangenen Wochen und Monaten kam es in Schwerin immer wieder zu Anschlägen und Übergriffen auf Flüchtlinge. Einer der Köpfe der mittlerweile aufgelösten Gruppierung „Deutschland wehrt sich“ wurde nach einem inszenierten Angriff auf dem zentralen Marienplatz in Untersuchungshaft genommen. Die Polizei wirft dem Rechtsextremisten, der bei der NPD-Demonstration am 1. Mai in der Landeshauptstadt als Laienschauspieler „geglänzt“ hatte, die Vortäuschung einer Straftat vor. Am letzten Wochenende fanden die Auseinandersetzungen ihren vorläufigen Höhepunkt.

In der Falle

Am späten Freitagabend griffen nach Polizeiangaben rund 30 Personen zehn Menschen mit Migrationshintergrund an. Da die Polizei seit den jüngsten Ereignissen verstärkt Präsenz in der Innenstadt zeigt, waren Beamte vor Ort, die beide Gruppen sofort trennten. Ein junger Migrant wurde bei dem Angriff im Gesicht verletzt. Die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen wegen des Verdachts des Landfriedensbruch auf. Ein Polizeisprecher bestätigte dem NDR derweil, dass „mehrere Tatverdächtige vom Marienplatz der rechten Szene“ zugeordnet werden könnten. Fünf von ihnen verkehrten in der „Nazi-Hochburg“ Jamel.

Nach jüngsten Ermittlungsergebnissen erfolgte das Aufeinandertreffen der rechten Schläger und ihrer späteren Opfer keinesfalls zufällig. Laut NDR habe Polizeidirektor Ingo Renke den Jugendhilfeausschuss der Stadtvertretung am Mittwoch über die aktuellen Erkenntnisse informiert. Nach Informationen der Polizei hätten sich die Schläger gezielt im Internet für ihre Aktion verabredet. Die Gewalttäter hätten sich demnach im Schlossparkcenter getroffen und später die Asylbewerber in die nahe Helenstraße gedrängt, wo weitere Mitglieder des Rollkommandos warteten, die schließlich auf ihre Opfer einschlugen und traten. Die Flüchtlinge saßen buchstäblich in der Falle. Die Polizei durchsuchte die Angreifer – und stellte nach eigenen Angaben Schlagringe und Pfefferspray sicher.

NPD verdreht Tatsachen

Wenige Tage nach den Attacken hatte die NPD den Vorfall aufgegriffen und in ihrer gewohnten Manier die Tatsachen verdreht. Bekanntlich lässt die Partei realistische Einschätzungen öfters vermissen, was sich nicht zuletzt in der Bewertung der Wahlschlappe in Mecklenburg-Vorpommern zeigte. Dort war die Truppe unter Spitzenkandidat Udo Pastörs am 4. September mit drei Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Auf Facebook schreiben die Rechtsextremisten, „Deutsche“ seien von „Asylanten angegriffen [worden]“ und würden „von Polizei und Justiz verfolgt“. Wer Opfer dieser „Polizeiwillkür“ geworden wäre, könne sich an Rechtsanwalt Michael Andrejewski wenden. Bis zu seinem Ausscheiden saß Andrejewski für die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

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