von Marc Brandstetter
   

„Schwarz-rot-gold ist uns bunt genug“

Im laufenden Landtagswahlkampf bekommt die hiesige Alternative für Deutschland Unterstützung der Bundes-„Prominenz“. In der gestrigen Rede des thüringischen Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke in Schwerin sollte es eigentlich um Bildung gehen, der Rechtsausleger landete aber immer wieder beim Thema „Migration“. Da wollten die Vertreter des Landesverbandes wie Spitzenkandidat Leif-Erik Holm oder die Direktkandidatin Petra Federau nicht zurückstehen.

Björn Höcke bei seiner Rede in Schwerin (Foto: ENDSTATION RECHTS:)

15 Minuten vor dem Beginn der Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland ist der Marktplatz in Schwerin nur spärlich gefüllt. Während die Presse in Mannschaftsstärke angetreten ist, sind die Reihen der AfD-Anhänger noch licht. Dabei hat die Partei, der Demoskopen bei der Landtagswahl am 4. September 19 Prozent der Stimmen vorhersagen, mächtig aufgefahren. Mehrere Fahrzeuge, darunter die „Eurowehr“, stehen am Rand des Platzes. Das „Bürgermobil“ des sächsischen Landtagsabgeordneten Mario Beger ist ebenfalls vor Ort. Genau wie der Thüringer Partei- und Fraktionschef Björn Höcke, der in der Zwischenzeit angekommen ist. Langsam treffen auch seine Unterstützer ein – und Höcke schüttelt viele Hände.

Bevor der erwartete „Stargast“ die kleine Bühne des Anhängers betreten wird, ergreifen die beiden AfD-Direktkandidaten für Schwerin, Petra Federau und Dirk Lerche, das Wort. Federau, deren Schweigen über ihre undurchsichtige Vergangenheit als mutmaßliche Betreiberin eines Escort-Services die Partei veranlasste, sie auf einem Sonderparteitag vom sicheren dritten Listenplatz abzuwählen, fährt die erwartete scharfe Linie. Die anwesenden Bürger könnten stolz sein, „nicht Mitläufer eines kaputten Systems zu sein“. Lerche hingegen bleibt blass – wie immer. Der nächste Redner, Hagen Brauer, war erst im Januar von der CDU zu den „Blauen“ gewechselt. Mittlerweile steht er der AfD-Fraktion in der Stadtvertretung der Landeshauptstadt vor. Sein Populisten-Handwerk hat er offensichtlich schnell gelernt. Der Diplom-Chemiker spricht von „Altparteien“ und erklärt, „schwarz-rot-gold“ sei der AfD „bunt genug“.

Björn Höcke und Leif-Erik Holm im Gespräch (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Radikale Aussagen, radikale Zuhörer

Höcke wird bekanntlich dem rechten Flügel seiner Partei zugerechnet, er gilt als völkisch-national. An diesem Abend wollte Leif-Erik Holm, Spitzenkandidat der AfD, nicht in Höckes Schatten stehen. Obwohl der frühere Radiomoderator gebetsmühlenartig betont, er sei ein demokratischer Patriot, bedient er sich im Schatten des Schweriner Rathauses etlicher Floskeln, die in der extrem rechten Szene sehr beliebt sind. „Wir kämpfen dafür, dass Deutschland das Land der Deutschen bleibt“, rief er seinen Anhängern unter Jubel zu. Oder etwa, dass man seine „kulturelle Identität“ nicht verlieren wolle. Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel warf der 46-Jährige vor, eine „inländerfeindliche Politik zu betreiben“. Sätze, die in scharfem Gegensatz zu dem von ihm angestrebten gemäßigteren Bild in der Öffentlichkeit stehen, die aber Zuhörern wie Torsten Schramke, dem Aktivisten von „Deutschland wehrt sich“, gefallen. Noch vor Beginn unterhielt sich Schramke angeregt mit Federau. Ob sie über seinen Companion sprachen, der wegen der mutmaßlichen Vortäuschung eines Sprengstoffanschlages derzeit in Untersuchungshaft sitzt?

Torsten Schramke am Stand von Petra Federau (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Dass die mindestens 250 Sympathisanten der AfD auf Höcke warteten, war deutlich zu merken. In der Luft lag eine gewisse Spannung. Der Thüringer Provokateur bediente die Erwartung allerdings nicht – er zeigte sich vergleichsweise handzahm. Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern habe ihn „an die Kette gelegt“, er sollte zum Thema Bildung sprechen, gab er als Begründung an. Trotzdem konnte Höcke natürlich nicht aus seiner Haut und schwenkte immer wieder in Richtung „Ausländer“. Der beurlaubte Gymnasiallehrer forderte, den „asylpolitischen Amoklauf der verbrauchten Altparteien“ zu stoppen, und mahnte den Mut zu einer „inneren und äußeren Haltung“ an. Merkel nannte er eine „Kanzlerdiktatorin“ und diffamierte sie als „Trulla aus der Uckermark“. Der AfD wünschte er ein gutes Ergebnis, um maximalen Druck auf bestimmte CDU-Kreise aufzubauen, der schließlich zur Umsetzung der AfD-Forderungen führen sollte.

Am Rand der AfD-Kundgebung protestierten fast 100 Personen lautstark und mit Transparenten gegen die Rechtspopulisten.

Kommentare(5)

Irmela Mensah-Schramm Sonntag, 21.August 2016, 09:34 Uhr:
Herr Höcke hat in meinen Augen die Kriterien für ein Berufsverbot erfüllt, d.h. längst die Grenze überschritten!
Daher frage ich mich, warum zögern die Schulaufsichtsbehörden ?
Na, ja es wird sehr viel von Zivilcourage gesprochen und dies von der Zivilgesellschaft gefordert - aber die Politik gibt ein nur denkbar schlechtes Vorbild (Beispiel) ab!
Die AfD ist absolut demokratiefeindlich und für diese Hetzpartei wäre das Verbot im Sinne einer wehrhaften Demokratie!
 
Dennis Montag, 22.August 2016, 15:10 Uhr:
@ Irmela:
"Daher frage ich mich, warum zögern die Schulaufsichtsbehörden?"

Weil die Behörden nicht an die Weisungen und Forderungen einer 70-jährigen gebunden sind. Ganz einfach.

Ihre Auffassung von Demokratie ist ja bekanntlich eine sehr spezielle. Es gibt aber nicht viele andere, die diese Auffassung teilen.
 
Irmela Mensah-Schramm Dienstag, 23.August 2016, 17:03 Uhr:
@Dennis:

Vermutlich aber auch noch nicht volljährig?
Den die Art und Weise wie Sie oder Du auf meine Kommentare reagieren/reagiert ist arogant belehrend und auch taktlos dazu!
Es ist nicht das erste Mal, dass Sie mich belehren wollen!

Wenn Ihnen/Dir die AfD so gefällt, dann willkommen dort!
Mein Engagement gegen 'rechts' gefällt Ihnen/Dir auch nicht, haben wir alle längst mitbekommen!
Mit meinem Demokratieverständnis erlaube ich mir weiter die Zerstörung - zumindest der illegal verbreiteten AfD-Sticker!
Ob es Ihnen/Dir gefällt oder nicht!
 
Dennis Mittwoch, 24.August 2016, 09:37 Uhr:
@Irmela:
Ich bin sehr wohl volljährig.
Meine Reaktion auf Ihre Kommentare ist weder arrogant noch taktlos.
Ich weise Sie lediglich darauf hin, dass Sie nicht der Nabel der Welt sind und dass eben nicht jeder Ihre Auffassung von Demokratie teilt. Das hat auch nichts mit Belehrungen zu tun.

Im Übrigen gefallen mir die AFD, NPD und der ganze rechte Rand genau so wenig wie Ihnen.
Ich kritisiere auch nicht Ihr Engagement gegen rechts. Ich kritisiere lediglich die Tatsache, dass Sie damit so hausieren gehen und mehr oder weniger in jedem Ihrer Beiträge davon schreiben, wo Sie wieder irgendwas abgekratzt oder überpinselt haben.

P.S.: Ich komme übrigens aus einem Ort, der jedes Jahr einen bescheuerten Naziaufmarsch ertragen muss.
 
JayBee Mittwoch, 24.August 2016, 20:59 Uhr:
@ Imela

"Bernd" Höcke ist zur Zeit als Lehrer beurlaubt. Was willst Du also mit einem Berufsverbot? Sowas hatten wir übrigens in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts auch. Passen Sie bitte auf, das Sie bei der Verteidigung der Demokratie nicht Undemokratisches fordern.

Ihr Engagement in allen Ehren. Aber ich gebe @Dennis Recht.
 

Die Diskussion wurde geschlossen