Schlussstrich unter eine „Karriere“

Andreas Molau hat seinen Rückzug aus dem Rechtsextremismus erklärt. „Pro NRW“, wo er zuletzt aktiv war, behauptet, er sei dort „auf ausdrücklichen Wunsch“ des Parteichefs ausgeschieden – Zweifel an dieser Darstellung drängen sich auf.

Montag, 30. Juli 2012
Redaktion

NDR Info berichtete am Sonntagabend, Molau habe „einen Schlussstrich unter seine rechte Karriere gezogen“. Seine Parteibücher habe er zurückgeschickt, Arbeitsverträge gekündigt und Kontakte abgebrochen. „Ich habe eine klare Trennung gezogen“, zitiert der Sender den 44-Jährigen. Politische Abschiede hat Molau schon einige hinter sich – wenn auch nicht so drastische wie nun. Für die „Junge Freiheit“ schrieb er, bis er der Redaktion zu radikal erschien. Für die Fraktionen der NPD in Dresden und Schwerin arbeitete er hauptamtlich, bei der niedersächsischen Landtagswahl 2008 führte er die NPD-Landesliste an. Kurzzeitig wollte er sogar Vorsitzender der rechtsextremen Partei werden. Nachdem er seine Kandidatur zurückgezogen hatte, arbeitete er für die DVU, bis der das Geld ausging. Letzte Station war die selbst ernannte „Bürgerbewegung pro NRW“, für die er Öffentlichkeitsarbeit betrieb.

Inzwischen hat Molau Kontakt zum niedersächsischen Verfassungsschutz aufgenommen, wie NDR Info berichtete. Dabei sei er sich bewusst, dass ein solcher Schritt in der Szene als unumkehrbar gilt. „Wenn ich wieder einen Weg zurück in die Gesellschaft haben will, dann kann der nicht gerade sein“, sagte der ehemalige Waldorf-Lehrer dem Sender. „Ich kann mich nicht morgen vor eine Klasse stellen um zu sagen: ,Es ist nichts gewesen.’ Aber es muss eine Chance geben, wenn auch in Etappen.“

Gewaltbereiten Neonazis eine Art Feigenblatt gegeben

In den von NDR Info veröffentlichten Äußerungen rechnet Molau mit der NPD und ihrem militanten Umfeld scharf ab. Den NPD-Parteivorstand in Berlin bezeichnet Molau demnach als „eine Art Raumschiff im Paralleluniversum“. Führenden Parteikadern attestiert er einen Realitätsverlust. Vertreter des radikaleren Parteiflügels nennt er „völkische Taliban“. Maßgebende Repräsentanten der Partei seien dem historischen Nationalsozialismus verhaftet. Er mache es sich selber zum Vorwurf, so Molau, dass er zum Beispiel bei einer Rede vor gewaltbereiten Neonazis durch sein bürgerliches Image eine Art Feigenblatt gegeben und damit die wahren Absichten dieser Gruppierung verschleiert habe.

Neu sind solche Äußerungen Molaus nicht. Bereits in den letzten beiden Jahren, als er für „pro NRW“ aktiv war, hatte er sich deutlich von der NPD distanziert. Umgekehrt war er von der „pro NRW“-Spitze wiederholt in Schutz genommen worden, wenn im eigenen, rechtspopulistischen Lager Kritik daran laut wurde, dass ein prominenter Ex-NPDler seine politische Karriere bei der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ beinahe nahtlos fortsetzen könne.

„Umstrittene politische Vita“

Kurz nachdem NDR Info über Molaus Rückzug berichtet hatte, reagierte „pro NRW“ mit einer eigenen Stellungnahme. Schon die Überschrift machte deutlich, welcher Eindruck vermittelt werden sollte: „Personelle Neuausrichtung: Andreas Molau legt auf Wunsch des PRO-NRW-Vorsitzenden alle Ämter nieder“. Nicht Molau habe „pro NRW“ verlassen, sondern umgekehrt: Die „Bürgerbewegung“ habe sich „nunmehr zur Trennung von Molau entschlossen“. Als Grund wird angeführt: „Damit nicht der falsche Eindruck aufrecht erhalten bleibt, dass Personen mit einer umstrittenen politischen Vita Parteiinhalte bestimmen.“ Und quasi als Distanzierung von dem vormals geschätzten Mitarbeiter heißt es weiter, „pro NRW“ bekenne sich ausdrücklich zum Grundwertekanon des Grundgesetzes und zur Solidarität mit Israel und erteile „jeder Art von Extremismus, einschließlich des menschenverachtenden Rassismus, eine entschiedene Absage“. Molau habe „auf ausdrücklichen Wunsch“ von „pro“-Chef Markus Beisicht bereits Anfang Juni alle Parteiämter niedergelegt und sich aus der Bürgerbewegung zurückgezogen.

Zweifel an dieser Darstellung drängen sich auf. Und auch Molau widerspricht seinem Ex-Vorsitzenden Beisicht: „Weder hat er mich um einen Austritt gebeten, noch habe ich das im Juni getan.“ Ende letzter Woche sei er ausgetreten, erklärte Molau auf Nachfrage. „Unter dem Eindruck dieser Austrittserklärung“ habe ihm Beisicht sogar noch am Sonntag per SMS „neue finanzielle Spielräume“ in Aussicht gestellt und versichert, er wolle ihn dabei nicht „unkameradschaftlich übergehen“. Beisichts Erklärung, so Molau, belege „einmal mehr sein sehr flexibles Verhältnis zur Wahrheit“.

Gegen die Version einer bereits vor Wochen vollzogenen Trennung spricht auch, dass die angebliche „Bürgerbewegung“ Molau bis zur Stunde in der Liste ihrer Vorstandsmitglieder führt. Erstaunlich wäre auch, dass fast zwei Monate lang Mitglieder und Öffentlichkeit nicht über das Ausscheiden Molaus unterrichtet worden wären – obwohl doch sein Engagement als Belastung erkannt worden sein soll. Und nicht zuletzt: Molau war zwar der bekannteste Ex-NPDler in den Reihen der „Bürgerbewegung“, aber beileibe nicht der einzige. Von weiteren „Trennungen“ ist freilich nichts bekannt. (rr/ts)

 

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