Schluss mit dem braunen Spuk

Der internationale Neonazi-Treffpunkt „Objekt 21“ im oberösterreichischen Windern wird aufgelöst.

Mittwoch, 02. Februar 2011
Marcel Brecht

Endgültiges Aus für den internationalen Neonazi-Treffpunkt „Objekt 21“: Der Auflösungsbescheid der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck (BH) gegen die als Kulturverein getarnte braune Kameradschaft ist jetzt rechtens. Die Begründung: „Verherrlichung der NS-Ideologie“. Zugleich sind Hinweise aufgetaucht, dass die Aktivisten Unterstützer aus Reihen der Polizei bekommen haben.

Sie hatten sich bis zuletzt geweigert: „Unser Kampf beginnt erst“ war auf der Homepage des Vereins „Objekt 21“ zu lesen. Doch die Kameraden scheiterten jetzt mit ihrer Berufung gegen die Vereinsauflösung. Die zweite Instanz, die oberste Polizeibehörde des Landes, bestätigte den Bescheid. Damit ist die Vereinstätigkeit mit sofortiger Wirkung einzustellen. Zudem steht der Verein im Visier der Staatsanwaltschaft. Wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Abzeichen- und Verbotsgesetz wird gegen mindestens neun Personen strafrechtlich ermittelt.

Hof zum „germanischen Tempel“ umgebaut

Die rund 20-köpfige Kameradschaft hatte sich 2009 in einem alten Bauernhof in Windern 21 in Oberösterreich eingemietet. Der Treff wurde gemäß der Adresse „Objekt 21“ getauft und als Kulturverein angemeldet. Die teils amtsbekannten Rechtsextremisten bauten den Hof zum „germanischen Tempel“ um. Runen zieren Räume und Bar, Szenen aus der nordischen Mythologie wurden an die Wände gemalt und im Garten legten die Kameraden eine Feuerstelle in Form einer riesigen Schwarzen Sonne, einem Symbol der SS, an. In diesem Ambiente fanden dann zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen statt. In diesem Zusammenhang ein zynisches Detail: Der Hof ist das Elternhaus des Oscar prämierten Regisseurs Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“).

„Objekt 21“ entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treff, aus mehreren deutschen Bundesländern pilgerten Kameraden nach Windern. Zugleich wurde der Hof für die regionale Jugend ein Anlaufpunkt. Bis zu 200 Sympathisanten werden dem Verein zugerechnet. Mit einem eigenen Internetversand und „O21“-Kleidung sollte daraus Kapital geschlagen werden.

Führendes Mitglied im „Kampfverband Oberdonau“

Kern des Vereines selbst sind großteils amtsbekannte Neonazis und regionale Szenegrößen. So wurde einer der Aktivisten erst Ende des Vorjahres vom Oberlandesgericht Linz wegen Verbrechen nach dem Verbotsgesetz zu 28 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Der 26-Jährige war als führendes Mitglied in der Wehrsportgruppe „Kampfverband Oberdonau“ (Anm.: Oberösterreich hieß im Dritten Reich Oberdonau) aktiv gewesen. Auch andere Vereinsmitglieder gerieten ins Visier – in diesem Falle der bayerischen Staatsschützer. Bei einer Demonstration der „Freien Kräfte“ in Passau verhafteten Polizisten drei Vereinsmitglieder wegen des Tragens verfassungswidriger Symbole.

Überhaupt pflegt die Kameradschaft enge Kontakte zur deutschen Szene. „Aus Deutschland floss ebenso Geld wie aus Übersee – Bolivien, Argentinien“, sagt ein Verfassungsschützer. Zugleich kamen „Prominente“ aus der deutschen Rechtsrock-Szene ebenso gerne nach Windern wie Szenegrößen. Auch einige „Kameraden“ aus den eigenen Reihen sind bei den „Freien Kräften“ auf deutscher Seite aktiv.

„Gute Kontakte zur Polizei“

Aber auch zum „politischen Establishment“ pflegt man die Nähe: Mitglieder der FPÖ und deren Jugendorganisation nahmen nicht nur an größeren Veranstaltungen in „O21“ teil, manche gehörten auch zum Kreis der regelmäßigen Besucher. Schockierend ist jedoch, dass sich die Rechten selbst ihrer „guten Kontakte zur Polizei“ rühmen. So seien sie vor Hausdurchsuchungen gewarnt worden, heißt es.

Als die Spezialeinheit Cobra den Hof stürmte, fand sich dennoch genug belastendes Material, um vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verein eingestuft zu werden. Auf dieser Basis – und den Anzeigen gegen die Vereinsführung aus Bayern – erstellte die Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck den Bescheid auf Auflösung des Vereins. Jetzt, nach Scheitern in zweiter Instanz, haben die braunen Kameraden zwar noch die Möglichkeit, Rechtsmittel bei einem Höchstgericht einzulegen. Doch das hat keine aufschiebende Wirkung.

Köpfe zersplittern sich wieder regional

Vereinstreffen oder -veranstaltungen sowie die eigenen Logos sind damit tabu. „Es reicht damit, dass sich nur zwei mit einer Tätowierung „O21“ treffen, dann ist das schon illegal“ so ein Staatsschützer. Homepage und Internethandel sind schon seit Wochen offline.

Nun wartet man auf die Reaktion der Rechtsextremisten. „Solange ein Verfahren läuft, halten die sich immer ruhig“. Was nun nach der Vereinsauflösung und den drohenden Anklagen passiert, ist offen. „Sie scheinen sich aber eher wieder regional zu zersplittern“, vermutet der Ermittler hinsichtlich der Köpfe des rechtsextremen Kulturvereins.

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