Schlag gegen rechtsnationalistische Rocker

Die militante türkisch-nationalistische Rockergruppe „Osmanen Germania“ wurde am Dienstag verboten.

Dienstag, 10. Juli 2018
Jennifer Marken

Mit ihren bundesweit 1500 bis 2500 Mitgliedern gehören die „Osmanen Germania“ zu den gefährlichsten, schnell wachsenden Rockergruppen Deutschlands. Von ihrer Mitgliederstruktur her türkisch-nationalistisch geprägt gelten sie als enge Gefolgsleute Erdogans und verbinden milieuspezifische Kriminalität mit gezielter, sehr rechter Einschüchterungspolitik. Im März dieses Jahres gab es bereits in zahlreichen Städten in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg einen schweren Schlag der Sicherheitsbehörden gegen die Gruppierung. Nun hat Bundesinnenminister Horst Seehofer die „Osmanen“ verboten.

Martialische Werbevideos mit tropfendem Blut

Sie lieben machohafte Selbstinszenierungen und traten erstmal 2015 in der Bundesrepublik an die Öffentlichkeit. In professionell gestalteten, mit türkischer Rap-Musik untermalten, pathetischen Videos inszeniert sich die schnell wachsende türkisch-nationalistische Rockergruppe als sozial ambitionierte „Boxergruppe“, die vor allem benachteiligte Jugendliche „von der Straße“ holen wolle. In ihren martialischen Werbevideos – eines soll nach Angaben von YouTube 1.350.000 Seitenaufrufe haben – tauchen auch Pistolen, Kettensägen und tropfendes Blut auf, ebenso wie selbstredend auch teure Autos und tätowierte muskelbepackte migrantische Männer. Sie gründeten Ortsgruppen vor allem in migrantisch geprägten Stadtteilen mit Schwerpunkt NRW.  

Als ihre beiden Vorsitzenden präsentierten sie 2016 zwei Boxer: Den seit Mitte 2017 in Untersuchungshaft sitzenden Boxer Mehmet B. und einen Abtrünnigen der kriminellen Rocker der „Hells Angels“. Ansonsten waren sportliche Betätigungen in organisierten Boxclubs eher nicht feststellbar. 2016 kam es vor allem in diversen nordrhein-westfälischen Städten zu gezielten Kontrollen. Die offenkundig gut organisierten politischen Rocker reagierten im Oktober 2016 im hessischen Dietzenbach mit einer Machtdemonstration: Einem „World Meeting“.

Weitere Razzien der Polizei folgten, mit jeweils etwa 1000 Beamten, wegen rockerspezifischer Kriminalität wie Drogenhandel, Prostitution und Erpressung; auch Schusswaffen wurden konfisziert.

Kontakte zu den „Grauen Wölfen“

2016 kam es zu erste Festnahmen von führenden Mitgliedern. Die sehr rechte politische Ausrichtung der „Osmanen Germania“ wurde bei einem Anschlag im August 2016 in Saarbrücken gegen die schwerpunktmäßig in Baden-Württemberg auftretenden kurdischen Rocker der „Bahoz“ erkennbar. Es folgten 2017 und 2018 bundesweite Razzien wegen Geldwäsche, Urkundenfälschung und Erpressung. Im Juli 2017 berichtete „Stern-TV“ über einen Wuppertaler Aussteiger, der nach Selbstauskunft daraufhin Todesdrohungen erhielt.

Publizisten wiesen auf enge Kontakte zwischen den „Osmanen“, der türkischen Regierungspartei AKP, der in der Bundesrepublik tätigen UETD und den rechtsextremen Grauen Wölfen hin. Einige ihrer Führungsleute tauchten nach dem ersten Verfolgungsdruck nach einer Recherche der „Stuttgarter Nachrichten“ in der Türkei unter.

„Bestrafungsaktion“ wegen „Erdogan-Satire“

Die enge Zusammenarbeit mit türkischen Sicherheitskräften wurde im Oktober 2017 von  NRW-Innenminister Herbert Reul bestätigt. Geldtransfers aus AKP-Kreisen an die rechtsnationalistische Rockergruppe unter anderem zum Kauf von Waffen wurden von Medien nachgezeichnet: Der AKP-Abgeordnete Metin Külünk habe mehrfach Geld an die Führungsriege der „Osmanen Germania“ übergeben. Im Dezember 2018, nach der Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages, brachte das ZDF-Magazin Frontal einen mit „Vertrauter Erdogans zündelt in Deutschland“ betitelten Fernsehbeitrag. Hierin wird auch ein Telefonat zwischen Külünk, Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Erdoğan dokumentiert.

Burkhart Freier, Leiter des NRW-Landesamtes für Verfassungsschutz NRW, bestätigte die gezielte Einschüchterung hiesiger „türkeikritischer“, kurdischer und armenischer Gruppierungen durch die „Osmanen“, einschließlich Gewaltanwendungen. Gegen den Satiriker Jan Böhmermann sollten die „Osmanen“ gemäß einem abgehörten Telefongespräch wegen seiner „Erdogan-Satire“ „eine Bestrafungsaktion durchführen“. Böhmermann wurde von den Sicherheitsbehörden daraufhin gewarnt.

Mitglieder der „Osmanen“ sollen auch als Ordner bei türkisch-nationalistischen Protesten, insbesondere bei den rechtsextrem-nationalistischen „Grauen Wölfen“, aufgetreten sein.

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