Scheinheiliger AfD-Mandatsträger

Neubrandenburger AfD-Stadtrat und JA-Chef in Mecklenburg-Vorpommern war Geschäftsführer einer dubiosen Inkassofirma.

Robert Schnell auf einer AfD-Demonstration (Archiv-Foto)

Am 13. Februar 2016 wurde der Landesverband der „Junge Alternative“ in Mecklenburg-Vorpommern gegründet und dem neuen Vorsitzenden Robert Schnell das Vertrauen ausgesprochen. Eilig gratulierte die umstrittene Schweriner AfD-Politikerin Petra Federau, die jüngst mit einem Escort-Service in Dubai und unsauberen Geschäften am Schaalsee in Verbindung gebracht worden ist, dem frischgebackenen Chef der Nachwuchstruppe bei Facebook. Sie lobte die Wahl des neuen Vorsitzenden. 

Schnell, Jahrgang 1987, sitzt als einer von zwei schweigsamen AfD-Vertretern im Neubrandenburger Stadtrat. Über seinen persönlichen Lebenslauf gab er den Wählern bisher kaum etwas bekannt. 

Früher war Robert Schnell mal in der FDP. Bei Facebook verschleiert der JA-Landesvorsitzende sein Profil, gibt sich politisch aber weniger zurückhaltend. So feierte er die Abspaltung des gemäßigten Lucke-Flügels als „Reinigungsprozess“, der den „Großteil der Unfähigen, Glücksritter und Personenkultler entsorgen konnte“.

Ein Glücksritter aber scheint auch Schnell gewesen zu sein. So fungierte er als Geschäftsführer der 2012 gegründeten „DTE Euro Payment und Inkassogesellschaft“, einer dubiosen  Firma, die von einem auf Zypern lebenden jungen Einser-Abiturienten ins Leben gerufen wurde und vor der massiv im Internet gewarnt wurde.

Per Fax waren massenhaft Formularschreiben an Gewerbetreibende versendet worden, in denen ihnen eine Aufnahme in ein Internet-Branchenbuch angeboten wurden. Es sei bei den Empfängern der Eindruck erweckt worden, dass die mit „Gelbes Branchenbuch“ überschriebenen Formulare mit den „Gelben Seiten“ der Telekom zu tun hätten. Da die meisten das Kleingedruckte nicht lasen, entstanden hohe Kosten und die trieb die Firma DTE ein.

Nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft Rostock fungierte der Neubrandenburger Schnell vor allem als Strohmann, der die eingehenden Gelder kontrollierte. Firmengründer Florian W. wurde rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe wegen des Verstoßes gegen das Markenrecht verurteilt. Sein Paladin, Robert Schnell, wurde nicht verurteilt, sondern erhielt eine hohe Geldauflage.

Mit freundlicher Genehmigung des Blick nach Rechts übernommen, Autorin: Andrea Röpke. 

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