von Redaktion
   

„Saubere Wehrmacht“: Und woran die AfD-Anhänger noch glauben

Wie die Anhänger der Alternative für Deutschland ticken, ist aus Mitgliederbefragungen und Analysen der Wahlforscher hinlänglich bekannt; islamfeindliche Einstellungen und Fremdenhass sind keine Seltenheit. Eine neue Forsa-Umfrage zeigt jetzt eine geringe Distanz der AfD-Unterstützer zum historischen Nationalsozialismus – die Grenzen zur extremen Rechten verschwimmen immer mehr.

Wenn es die Alternative für Deutschland nicht mehr geben würde, tendiert jeder vierte ihrer Unterstützer zu einer Wahl einer rechtsradikalen Partei (24 Prozent). Vor diesem Hintergrund dürfen die Aussagen der 1024 von Forsa im Auftrag des Magazins Der Stern befragten Anhänger kaum verwundern. 58 Prozent der Interviewten halten die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg eher für Opfer und nicht für Täter – dabei ist das Bild der „sauberen“ Wehrmacht wissenschaftlich längst widerlegt. Jeder Dritte, 36 Prozent, stimmt nicht zu. Fast die Hälfte der blauen Anhängerschaft attestiert dem historischen Nationalsozialismus, „in erster Linie die Interessen der Deutschen vertreten“ zu haben, unabhängig davon, was immer man gegen den Nationalsozialismus sagen könne (48 Prozent), und gewinnt dem Regime damit noch positive Aspekte ab. Genauso viele widersprechen dieser These.

Die weiteren Fragen haben es ebenfalls in sich. Unter den Befragten wollen zwei Drittel „Arbeitsunwillige“ zum Arbeiten zwingen, moderne „Sklaverei“ sozusagen (67 Prozent). Ebenso viele AfD-Anhänger stimmen voll und ganz oder weitgehend der Feststellung zu, dass sich „die Politiker in erster Linie um die Interessen der Tüchtigen, Anständigen und Fleißigen und nicht so sehr um andere Gruppen der Gesellschaft kümmern“ sollten. Asylbewerber werden laut einer Pressemitteilung von 75 Prozent der potentiellen AfD-Wähler als generell als „Sozialschmarotzer“ diffamiert. Gleichzeitig haben sie ein verheerendes Bild von der „Klasse der Politiker“. 86 Prozent bescheinigen den Politikern „zu viele Privilegien“; dieser „Sumpf müsse trocken gelegt“ werden. Auch die Medien kommen schlecht weg. Drei von vier Sympathisanten der Lucke-Truppe, die an diesem Wochenende auf dem Mitgliederparteitag in Essen ihre Zukunft entscheiden möchte, sehen „die Medien“ als „linksorientiert“ an. Es könne deshalb von einem „Gesinnungsterror“ gesprochen werden.

Wenig Interesse am Arbeitsmarkt und an Bildung

Während für 43 Prozent der deutschen Bevölkerung „Ausländer und Flüchtlinge“ derzeit zu den vordringlichsten Problemen gehören, ist dies für 72 Prozent der AfD-Anhänger der Fall. 25 Prozent von ihnen äußern ihren „Unmut über Politiker und Parteien“ (Gesamtbevölkerung elf Prozent). Die Lage am Arbeitsmarkt (sechs Prozent) bzw. Bildung und Schulen (sieben Prozent) interessiert sie dafür weniger (Gesamtbevölkerung 15 bzw. 13 Prozent).

Das „rechte Herz“ der AfD hat jüngst eine Studie der Universität Leipzig herausgestrichen. Unter ihren Wählern sind abwertende Haltungen gegenüber Muslimen, Asylbewerbern sowie Sinti und Roma weit verbreitet. „Geschlagen“ werden sie in dieser Untersuchung nur von den Anhängern der NPD. Im Januar 2014 hatten sich darüber hinaus die Mitglieder des bayerischen AfD-Landesverbandes in einer Befragung für einen ultrarechten Kurs ausgesprochen

Kommentare(2)

kritiker Donnerstag, 09.Juli 2015, 00:21 Uhr:
@ Redaktion
Man muß nicht unbedingt AfD-Anhänger sein (obwohl das überhaupt nicht
ehrenrührig, sondern demokratisches Recht ist), um zu wissen, daß k e i n e
Armee dieser Welt s a u b e r war und leider auch heute nicht sauber ist.
Waren französische, englische oder niederländische Soldaten in den Kolo-
nialkriegen sauber ?? Waren sowjetische Soldaten im Umgang mit deutschen
Zivilisten, insbesondere Frauen, sauber ?? Und die selbsternannten Welt-
Gendarmen der USA - waren die GI`s in Korea, in Vietnam, in Afghanistan
(z.B. Gefangenenfolterungen) sauber ??
Jeder Soldat in jeder Armee dieser Welt ist auch immer Opfer - Opfer der
falschen Entscheidungen seiner Obrigkeit, seiner Politiker.
Und einige Soldaten aller Armeen dieser Welt waren und sind auch heute
noch Täter, wenn sie die internationalen Regeln der Kriegsführung mißach-
ten.
Auch die Redaktion von ER sollte die ideologiebefrachtete und einseitige
Betrachtung der deutschen Geschichte gegen eine mehr neutrale und sach-
liche Bewertung tauschen.
 
Roichi Donnerstag, 09.Juli 2015, 11:41 Uhr:
@ kritiker

Nicht die Redaktion glaubt an eine saubere Wehrmacht, sondern die AfDler.
Die ideologiebefrachtete und einseitige Betrachtung findest du dann wohl dort.

Soldaten sind Opfer und Täter. Richtig. Aber wieso musst du jetzt vom Fakt im Artikel ablenken?
 

Die Diskussion wurde geschlossen