von Martin Hagen
   

Sachsen: Über 200 rechte Angriffe

Über 200 rechtsmotivierte und rassistische Angriffe fanden 2020 in Sachsen statt. Das teilte heute die Opferberatungsstelle RAA Sachsen mit. Das Niveau rechter Gewalt ist weiterhin hoch. Auch das Aufkommen der verschwörungsideologischen „Querdenker“-Bewegung habe dazu beigetragen.

Zu den meisten Übergriffen kam es in Leipzig, gefolgt von Dresden. Grafik: RAA Sachsen

Über 200 rechtsmotivierte und rassistische Angriffe fanden 2020 in Sachsen statt. Das teilte heute die Opferberatungsstelle RAA Sachsen mit. Das Niveau rechter Gewalt ist weiterhin hoch. Auch das Aufkommen der verschwörungsideologischen „Querdenker“-Bewegung habe dazu beigetragen.

208 Angriffe, mindestens 304 betroffene Menschen – das war das Jahr 2020 für die Opfer rechter und rassistischer Übergriffe. Die Opferberatungsstelle RAA Sachsen e.V. veröffentlichte heute ihre Jahresstatistik rechter Gewalttaten. Bei über der Hälfte der Angriffe handele es sich um Körperverletzungen. Die Opferberater registrierten auch besonders schwere Fälle, wie etwa einen Messerangriffe durch einen mutmaßlich rechtsextremen Jugendlichen oder einen Brandanschlag auf einen Döner-Imbiss.  Auch die Motivation vieler Taten sticht heraus: Laut RAA Sachsen gehen 107 der 208 Taten auf ein rassistisches Motiv zurück. Die restlichen Angriffe richteten sich etwa gegen politische Gegner oder als alternativ wahrgenommene Menschen.

Die Fälle konzentrierten sich vor allem auf Leipzig (66) und Dresden (52). Auch den Landkreis Leipzig bezeichnet der RAA Sachsen als eine kontinuierliche „Schwerpunktregion rechter Gewalt“. In anderen Teilen des Freistaats, etwa im Erzgebirge oder Bautzen, sei die Gewalt indes leicht zurückgegangen.

Querdenker-Bewegung heizt Radikalisierung an

Zwar bleibt die Zahl der Angriffe auf einem hohen Niveau, jedoch sinkt sie erfreulicherweise seit dem Jahr 2018 kontinuierlich. Allerdings nahmen im Zuge der Corona-Pandemie auch neue Dynamiken an Fahrt auf: Die Opferberater sehen neue Bedrohungsszenarien in Form der verschwörungsideologischen Protestbewegungen, die sich im vergangenen Jahr formierten. „Mit den von den sogenannten Querdenkern verbreiteten Verschwörungserzählungen gehen antisemitische Einstellungen und Feindbilder einher. Sie sehen sich im Widerstand gegen „dunkle Mächte“, was der Rechtfertigung von Gewalt dient und ein hohes Radikalisierungspotential mit sich bringt,“ so Andrea Hübler, Referentin des RAA Sachsen.

Keine unrealistische Einschätzung: Großaufmärsche der heterogenen Szene aus Pandemieleugnern, Verschwörungsideologen und gewaltbereiten Rechtsextremisten in Leipzig und Dresden haben gezeigt, dass von der Bewegung ein erhebliches Gewaltpotential ausgeht. Angriffe auf politische Gegner, etwa Journalisten, waren bei den Pandemie-Protesten auf der Tagesordnung.

Die Opferberater beobachten die Entwicklung rechter und rassistischer Gewaltkriminalität seit 2005. Immer wieder hat sich auch die Mobilisierung der rechtsextremen Szene auf die Zahl der Gewalttaten ausgewirkt. Im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 stieg die Zahl der Gewaltakte sprunghaft an. Auch die Ausschreitungen von Chemnitz im Jahr 2018 schlugen sich deutlich in der Statistik nieder.

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