Sachsen: Mehr Betroffene rechter Gewalt
2025 haben Opferberatungsstellen in Sachsen zwar weniger Angriffe als im Vorjahr registriert. Doch die Zahl der Betroffenen ist leicht gestiegen. Unter den Angegriffenen befanden sich auch zahlreiche Kinder.
Die Opferberatungsstellen haben 2025 in Sachsen 292 rechtsmotivierte Angriffe erfasst. Das sind elf Prozent weniger als im Vorjahr, wie die RAA Sachsen in ihrem neuen Jahresbericht festhält. Gleichzeitig waren demzufolge mindestens 456 Menschen direkt von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt betroffen, zehn mehr als 2024. Damit hat die Zahl der Betroffenen den Höchstwert der vergangenen sechs Jahre erreicht.
„Der leichte Rückgang relativiert sich deutlich, weil im Kommunal- und Landtagswahljahr einige Angriffe im Zusammenhang mit dem damaligen Wahlkampfgeschehen standen“, betont die RAA Sachsen in Bezug auf die Zahl der Angriffe. Von diesen waren mindestens 235 polizeilich bekannt und 33 wurden nicht angezeigt. In 153 Fällen ordnete das sächsische Innenministerium unter Armin Schuster (CDU) die Taten als politisch rechts motiviert ein.
Mehr als die Hälfte der durch Opferberatungsstellen erfassten Angriffe waren Körperverletzungen. 41 Prozent dieser Angriffe zählen zu gefährlicher Körperverletzung. Zusätzlich ist die Zahl der Nötigungen und Bedrohungen im vergangenen Jahr von 114 auf 119 Fälle erneut gestiegen. Dazu heißt es im Bericht: „Die Opferberatungsstellen sehen darin Anzeichen dafür, dass sich in einigen Regionen sogenannte rechte Dominanzräume herausgebildet haben.“
Mindestens 149 Angriffe aus rassistischen Motiven
Häufigste Angriffsorte sind Veranstaltungen, Demonstrationen oder ähnliches im öffentlichen Raum. Auffällig ist zudem der Anstieg von Angriffen im Wohnumfeld (31, 2024: 19) sowie in Freizeit- und Jugendeinrichtungen (8, 2024: 2). Von den Betroffenen, bei denen das Alter bekannt ist, waren 27 Prozent minderjährig. Darunter befanden sich 24 Kinder. Seit 2019 ist der Anteil Minderjähriger unter den registrierten Betroffenen um 52 Prozent angestiegen.
Die Motivation der meisten Angriffe ist unverändert: 149 Angriffe, also etwa 49 Prozent, hatten ein rassistisches Motiv. „Seit dem absoluten Höchststand von 2016 (306) hat sich die Anzahl der jährlichen rassistischen Angriffe zwar mehr als halbiert, wir müssen jedoch von einem hohen Dunkelfeld ausgehen, da es für Betroffene viele Hürden gibt, einen rassistischen Angriff zu melden“, merkt die RAA Sachsen dazu an. Noch immer fehle zudem nicht selten die (An-)Erkennung des Tatmotivs seitens der Behörden.
Angriffe auf politische Gegnerinnen und Gegner (53) sowie auf Nichtrechte und alternativ aussehende Menschen (45) machten hohe Anteile aus. Die letztere Zahl hat sich gegenüber der Zahl von 2022 fast verdoppelt. Queerfeindliche Angriffe gingen hingegen von 25 im Jahr 2024 auf 16 im vergangenen Jahr zurück.
Chemnitz und Landkreise Bautzen und Leipzig sind Schwerpunktregionen
Die meisten Angriffe wurden in der Stadt Leipzig (51), Dresden (50) und Chemnitz (38) registriert. Auch der Landkreis Bautzen erreichte mit 42 gemeldeten Angriffen erstmals ein ähnliches Niveau wie die Großstädte. In Relation zur Gesamtbevölkerung bildeten im vergangenen Jahr Chemnitz, der Landkreis Bautzen und der Landkreis Leipzig (22) die Schwerpunktregionen. Besonders stark stiegen die Zahlen in Chemnitz (38, 2024: 26), während sie in Leipzig von 74 auf 51 deutlich sanken.
In mehreren Städten wie Chemnitz, Bautzen oder Zwickau traten 2025 erneut junge, gewaltbereite Neonazi-Gruppen wie die „Chemnitz Revolte“ in Erscheinung. Seit einigen Jahren reorganisieren sich entsprechende Strukturen, häufig in Form von Kameradschaften oder kleinen Parteien, die gezielt Jugendliche ansprechen, warnt die RAA Sachsen. Die Entwicklung in verschiedenen Regionen zeigt laut den Beratungsstellen hingegen, dass der Umgang mit rechter Gewalt vor Ort einen Unterschied macht. Zusammenarbeit zwischen Behörden und Zivilgesellschaft kann demnach zur Eindämmung beitragen.