von Marc Brandstetter
   

Sachsen: Mario Löffler neuer NPD-Landeschef

Die sächsische NPD hat einen neuen Chef. Die Delegierten wählten gestern in Ostritz den 48-jährigen Kreisverbandsvorsitzenden des Erzgebirgskreises, Mario Löffler, an die Spitze des erfolgreichsten Landesverbandes.  

Mario Löffler kündigte vor ungefähr 200 NPD-Anhängern an, die Strukturen der Partei weiter ausbauen zu wollen. Außerdem möchte er die NPD breiter aufstellen, sie müsse „Spiegelbild des Volkes“ sein. Deshalb sollten gesellschaftliche Kreise, die sich bislang eher von der Partei fernhielten, gewonnen werden. Löffler, der für den verstorbenen Winfried Petzold in den sächsischen Landtag nachrückt, möchte ein Brücke in nationalkonservative Wählerschichten schlagen. Er gilt als „gemäßigt“ und treuer Anhänger seines Vorgängers Holger Apfel und dessen politischen Kurses der „seriösen Radikalität“. Seine Wahl war reine Formsache, 53 von 57 Delegierten stimmten für ihn. 

Neu in der obersten Führungsetage ist der Dresdner Stadtrat und Vorsitzende des dortigen Kreisverbandes, Jens Baur. Die beiden Stellvertreter Helmut Herrmann und Maik Scheffler vervollständigen den Führungskreis.

Natürlich ergriff auch der neue Bundesvorsitzende Holger Apfel das Wort. Er versuchte erneut, eine möglichste große Distanz zum gewaltbereiten Rechtsextremismus im Allgemeinen und zur rechtsterrorsistischen Zelle Nationalsozialistischer Untergrund im Besonderen aufzubauen. Die NSU-Verbrechen würden von den etablierten Parteien vorgeschoben, um die Überwachungsgesetze zu verschärfen und ein neues Verbotsverfahren gegen seine Partei anzustrengen. 

Bis zuletzt war unklar, wo die sächsische NPD ihren Landesparteitag abhalten würde. Dem Vernehmen nach, soll Plauen der Wunschort der Führungsspitze gewesen sein, doch die dortige Festhalle war am gestrigen Samstag schon durch eine andere Veranstaltung gebucht. Deshalb tagten die Delegierten relativ kurzfristig in Ostritz unweit der polnischen Grenze.

Trotzdem konnte vor Ort Gegenprotest organisiert werden. Während sich am morgen rund 100 Bürgerinnen und Bürger in der Kirche des Ortes einfanden, um eine Mahnwache abzuhalten, versammelten sich ebenfalls 100 Jugendliche vor dem Tagungsort, um ihrem Missmut über die rechtsextremistische Partei Luft zu machen.  

Foto: Screenshot

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