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Der NPD-Kandidat Hans-Ulrich Pieper weist eine wechselhafte politische Karriere auf – bekannt ist er vor allem als Organisator des Berliner „Dienstagsgesprächs“.

Dienstag, 25. Januar 2011
Anton Maegerle

Hans-Ulrich Pieper (Jg. 1948) kandidiert bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September dieses Jahres für die NPD. Bekannt ist der Unternehmensberater Pieper vor allem als Organisator des Berliner „Dienstagsgesprächs“, das von ihm 1991 nach dem Vorbild der Düsseldorfer „Herrenrunde“ gegründet wurde. Das „Dienstagsgespräch“ will einer Selbstdarstellung zufolge „insbesondere Führungskräften der Wirtschaft Hintergrundinformationen aus Politik, Kultur und Medien vermitteln, Persönlichkeiten und Meinungsführer aus diesen Bereichen vorstellen und dem besseren Kennenlernen in ungezwungener Atmosphäre dienen“.

Voigt und Faust bei „brauner Elefantenrunde“

In unregelmäßigen Abständen führt das „Dienstagsgespräch“ Vortrags- und Diskussionsabende mit Referenten aus dem rechtskonservativen, allerdings auch rechtsextremen Spektrum durch. So diskutierten beim „Dienstagsgespräch“ am 1. September 2009 der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt und der DVU-Chef Matthias Faust bei einer „braunen Elefantenrunde“ in Berlin. Als Fazit hielt der Neonazi Christian Worch, Teilnehmer der Veranstaltung, fest: „Das politische Wollen beider Parteien ist zu mindestens 95 Prozent, wenn nicht gar mehr, identisch“.

Für bundesweite Schlagzeilen hatte das „Dienstagsgespräch“ im Jahr 1994 gesorgt. Wegen regelmäßiger Teilnahme an den „Dienstagsgesprächen“ musste Hans-Christoph Bonfert, Pressesprecher des damaligen Innensenators Dieter Heckelmann (CDU), sein Amt aufgeben. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass der Organisator der „Dienstagsgespräche“ Pieper zuvor Veranstaltungen der rechtsextremen „Deutschen Liga für Volk und Heimat“ sowie der rechtsextremen „Deutsch-Europäischen Studiengesellschaft“ besucht hatte.

„Volksnahe Politik fördern“

Hans-Ulrich Pieper, früher zeitweilig Gelegenheitsautor in „Nation&Europa“, der „Jungen Freiheit“ und „Zur Zeit“ war im Laufe der Jahre bei diversen Parteien und Gruppierungen engagiert. Angaben des Berliner NPD-Blättchens „Zündstoff“ zufolge startete er seine wechselhafte politische Karriere 1967 bei NPD und Jungen Nationaldemokraten in Berlin. In den 70er Jahren war Pieper Referent in der CDU-Bundesgeschäftsstelle unter dem Generalsekretär Biedenkopf. 1989/1990 amtierte Pieper als Pressesprecher der Münchener Republikaner und Vorsitzender des REP-Kreisverbandes München-Milbertshofen. 1990 organisierte er den Stadtratswahlkampf der Münchner Republikaner und kandidierte im gleichen Jahr für die Partei bei der Bundestagswahl.

1995 will Pieper wenige Wochen FDP-Mitglied gewesen sein. In einem Interview mit der „Jungen Freiheit“ erklärte er, in die FDP eingetreten zu sein, um an die „national-freiheitlichen Traditionen zu erinnern und eine volksnahe Politik zu fördern“. Im Jahr 2001 kandidierte Pieper auf der Landesliste der Republikaner für die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin. Zu dieser Zeit gehörte er dem Sprecherkreis der von Alfred Mechtersheimer initiierten rechtsextremen „Deutschen Aufbau- Organisation“ (DAO) an; zeitweise oblag ihm die Geschäftsführung der DAO.

Beim Treffen „maßgeblicher Vertreter der deutschen Rechten“ zugegen

2006 forderte Pieper in einem offenen Brief den REP-Vorsitzenden Rolf Schlierer auf, mit seiner Partei dem „Deutschland-Pakt“ von NPD und DVU beizutreten. Im September 2007 fand bei der damaligen rechtsextremen Fraktion im Europäischen Parlament „Identität – Tradition – Souveränität“ (ITS) in Straßburg ein Treffen „maßgeblicher Vertreter der deutschen Rechten“ statt, das der FPÖ-Europaabgeordnete Andreas Mölzer organisierte. Neben den NPD-Spitzenfunktionären Udo Voigt und Holger Apfel sowie dem damaligen DVU-Chef Gerhard Frey war auch Hans-Ulrich Pieper zugegen.

Pieper ist seit einiger Zeit noch mit einer weiteren „Veranstaltungsreihe“ aktiv. So dient er als Ansprechpartner der „Historischen Gesellschaft“. Mit einer Anzeige in der „Jungen Freiheit“ wurde im vergangenen Jahr auf die Existenz dieser 2009 erstmals in Erscheinung getretenen „Gesellschaft“ (Untertitel: „Förderkreis Deutsche Geschichte“) aufmerksam gemacht. Ähnlich wie bei den „Dienstagsgesprächen“ werden Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen durchgeführt.

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