Ruderin Drygalla meldet sich zu Wort – Freund Michael Fischer „seit Mai kein Mitglied in der NPD mehr“

Erstmals seit Freitag meldet sich die umstrittene Olympia-Ruderin Nadja Drygalla in einem Interview zu Wort. Die Ereignisse bezeichnete sie als „unfair“, sie selbst habe nichts mit der rechtsextremen Szene zu tun. Ihr Freund Michael Fischer sei kein NPD-Mitglied mehr. Zweifel an ihrer Aussage kommen auf.

Sonntag, 05. August 2012
Julian Barlen
Ruderin Drygalla meldet sich zu Wort – Freund Michael Fischer „seit Mai kein Mitglied in der NPD mehr“
Doch zunächst zurück zu Nadja Drygalla. In einem umfangreichen Interview mit der Nachrichtenagentur dpa nutzte die Sportlerin am Sonntag die Gelegenheit, zu den Vorgängen um ihr Ausscheiden aus dem Olympischen Dorf Stellung zu beziehen.

Nach Gesprächen mit dem Sportdirektor des „Deutschen Ruderverbandes“ (DRV), Mario Woldt, und Michael Vesper vom „Deutschen Olympischen Sportbund“ (DOSP) habe sie freiwillig entschieden, abzureisen, um die „Belastung von der Mannschaft zu nehmen“. Damit bestätigte Drygalla die offizielle Version des DRV und DOSB.

Das riesige Medieninteresse habe sie sehr überrascht. Insbesondere, weil ihr Freund Michael Fischer seit Mai 2012 kein NPD-Mitglied mehr sei und sich komplett aus der Szene inkl. „Nationale Sozialisten Rostock“ (NSR) zurückgezogen habe. Die jetzt aufgekommenen Vorwürfe seien also schon vor Olympia gegenstandslos gewesen. An der weitreichenden Entscheidung Fischers habe sie als Freundin „einen ziemlichen Anteil“. Aus der rechtsextremen Szene auszusteigen müsse man selber wollen. Dieser Prozess gehe nicht „von heute auf morgen“.  

Michael Fischers Engagement für die NSR und die NPD habe ihre Beziehung zuvor zeitweise „sehr stark belastet“. In vielen Gesprächen habe Drygalla ihrem Partner klar gemacht, dass sie seine politische Haltung nicht unterstütze. Auch an eine Trennung habe sie gedacht. Dementsprechend zeigte sich Nadja Drygalla zufrieden, noch „vor den Olympischen Spielen“ reinen Tisch gemacht zu haben.

Drygallas Aussagen zum mutmaßlichen Ausstieg Fischers lassen einige Zweifel aufkommen. Seit Mai sei er kein NPD-Mitglied mehr, behauptet die Sportlerin. Am 1. Mai begleitete dieser aber noch eine NPD-Demonstration in Neubrandenburg und fotografierte unzählige Gegendemonstranten ab. Auf dem vom NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit verantworteten Portal „MUPinfo“ erschien noch am 16. Juni ein Artikel, dessen Autor sich Michael Fischer nennt. In einem weiteren Artikel unter dem Namen taucht sogar ein Foto Fischers auf. 

Auch der NPD-Landesverband M-V scheint von Fischers Ausstieg nicht viel zu wissen. Am Freitag schrieb der Landesvorsitzende Stefan Köster in einer Stellungnahme noch von einem „nationalen Aktivisten“. Zumindest Köster sollte Kenntnis davon haben, wenn ein NPD-Mitglied, dass ein knappes Jahr zuvor noch für seinen Verband zur Landtagswahl kandidierte, sich mittlerweile von der „Bewegung“ losgesagt haben soll.

In ähnlichen Fällen scheut die rechtsextreme Partei nicht davor zurück, nochmal gewaltig nachzutreten. Als sich der ehemalige Pirat Matthias Bahner von Kösters Mannen distanzierte, legte die NPD seinerzeit nach und veröffentlichte Interna zur Causa Bahners. Bei Michael Fischer hingegen Fehlanzeige. 

Auch die alte Domain der Rostocker Kameradschaft ist bis heute auf Fischers Namen registriert und empfiehlt freundlich die neue „Weltnetzseite“ und verlinkt darauf. In der rechtsextremen Szene wurde der angebliche Ausstieg Fischers zudem bis heute nicht öffentlich thematisiert. Eher ungewöhnlich – vergleicht man dieses Schweigen mit dem Behandlung früherer Aussteiger, die des Öfteren massiv bedroht wurden.

Eine eigene Beteiligung an der rechtsextremen Szene streitet die Sportlerin nach wie vor rundweg ab. Anfangs habe sie von den Aktivitäten ihres Freundes wenig mitbekommen. Auch später habe sie keinerlei persönliche Kontakte in Michael Fischers Freundeskreis unterhalten und sich an keinerlei Veranstaltungen – wie beispielsweise Demos – beteiligt. Ein Bild, das Drygalla angeblich auf einer rechtsextremen Demo 2009 zeigt, empfinde sie als „unfair und ungerechtfertigt“, da es sich um eine andere Person handele.  

In ihre Zukunft blickt Nadja Drygalla mit gemischten Gefühlen. Sie wünsche sich, nach einer Pause wieder mit dem Sport weitermachen zu können. Mit Blick auf die Berichterstattung über ihr Olympia-Ausscheiden zeigt sie sich dpa gegenüber resigniert: „Wenn einfach nur die falschen Dinge richtig gestellt würden, wäre ich schon zufrieden.“

Update (Montag, 14:55 Uhr)

Mittlerweile hat auch der NPD-Landesverband Stellung bezogen zu Fischers mutmaßlichen Ausstieg aus der NPD und der rechtsextremen Szene. Von einer umfangreichen Erklärung ist die Aussage des Landesvorsitzenden Stefan Köster jedoch weit entfernt. Gegenüber dem „Standard“ bestätigte Köster den Austritt Michael Fischers aus der NPD, wolle aber zu den Gründen keine Angaben machen. Jedoch sei er überzeugt davon, dass Fischer „wegen seiner politischen Haltung verfolgt worden sei und nun vor den Verfolgern eingeknickt ist“, sagte Köster. Ein einvernehmliches Ausscheiden aus der Partei sieht anders aus.
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