von Oliver Cruzcampo
   

Rostock: Rechte hetzen gegen minderjährige Flüchtlinge

Auf rechten Facebook-Seiten wurde seit Mittwoch gegen eine Gruppe Flüchtlinge in einem Rostocker Stadtteil mobil gemacht. Zwei Abende in Folge versammelten sich Neonazis und Flüchtlingsgegner vor Ort – die Polizei musste gegenüber dem deutlich alkoholisierten Mob mehrere Ermittlungsverfahren einleiten.

Wie so oft formierte sich der „Widerstand“ gegen Flüchtlinge zuerst virtuell. Auf mehreren Facebook-Seiten von „Patrioten“ und Mitgliedern der Rostocker Kameradschaftsszene wurden seit Mittwoch Nachrichten gestreut, in denen von einem angeblichen „Sammelbecken für Islamisten“ die Rede ist. Nach eigenen Aussagen hätten sich mehrere Flüchtlingsgegner daraufhin vor dem vermeintlichen Treffpunkt im Rostocker Stadtteil Groß Klein versammelt. Diese seien von Flüchtlingen „massiv bedrängt und teilweise bedroht“ worden. Gezielt wurde auch auf Facebook die Stimmung weiter angeheizt: „Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Lage dort eskaliert.“

Dass es sich bei dem sogenannten Sammelbecken für Islamisten um eine kürzlich eingerichtete Begegnungsstätte des Vereins „Neue ohne Barrieren“ handelt, wird geflissentlich übergangen. Auch die Personengruppe setzt sich nicht aus „Islamisten“ zusammen, sondern aus unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die den Ort derzeit als Treffpunkt nutzen.

Auch für den Donnerstagabend mobilisierten Rechte erneut zu dem Treffpunkt. Der Vorfall erinnert an Januar, als bekannte Rechtsextremisten vor eine geplante Unterkunft in Lichtenhagen ziehen wollten, rund 300 Personen dies allerdings verhinderten. Gestern stellten sich ihnen erneut linke Gruppen entgegen, auch das Bündnis „Rostock nazifrei“ hatte zu dem neuen Treffpunkt, der nur wenige Hundert Meter von Lichtenhagen entfernt ist, aufgerufen.


Unterstützter der Flüchtlinge fanden sich vor der Begegnungsstätte ein

Rund 80 Personen fanden sich vor der Begegnungsstätte ein, um den vor allem jungen syrischen Flüchtlingen Unterstützung anzubieten. Auch Polizeieinsatzkräfte waren vor Ort, als sich rund 40 Flüchtlingsgegner versammelten. Diese versuchten, so heißt es in der Pressemitteilung der Polizei, „die Versammlung zu stören“. So wurde unter anderem versucht, die Unterstützer der Flüchtlingsgruppe aus nächster Nähe abzufilmen.

Gegen 21 Uhr beendete die linke Gruppierung schließlich die Spontanversammlung, nachdem die minderjährigen Flüchtlinge in ihre Unterkünfte gebracht worden waren. Ein Mob von 20 bis 30 Personen, die im Laufe des Abends mehrere Kästen Bier aus dem angrenzenden Supermarkt zur Versorgung hinzugezogen hatten, skandierten anschließend laut Polizei mehrfach verfassungsfeindliche Parolen. „Ausländer raus“ und „frei, sozial und national“ war mehrfach in den mittlerweile dunklen Straßen des Plattenbauviertels zu vernehmen. Die Polizei musste mehrere Ermittlungsverfahren einleiten.

Kommentare(3)

Rostockäin Freitag, 03.Juni 2016, 18:39 Uhr:
Ach ja, die völkisch nationale Trinkerszene.
So sehen also die Fachkräfte und Kulturbewahrer aus?
Armes Deutschland, sag ich da bloß ...
 
NWM Freitag, 03.Juni 2016, 18:54 Uhr:
Kippe im Maul, Pulle in der Hand,
So retten sie ihr Vaterland ...
 
harry bellafontäne Freitag, 03.Juni 2016, 19:38 Uhr:
wenn ich diese dummheit-austrahlenden blicke der rechten grundstücksverfechter schon sehe, wird mir einfach nur schlecht man.

bäh.
 

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