von Oliver Cruzcampo
   

Rostock: 4.000 gegen AfD auf der Straße

Die AfD, die in Rostock monatlich auf die Straße geht, hoffte aufgrund der Ankündigung von Björn Höcke auf mehr Zulauf zur eigenen Demo. Am Ende trafen die rund 700 AfD-Anhänger jedoch auf über 4.000 Gegendemonstranten, Blockaden verhinderten ein Weiterkommen und ausgerechnet beim Auftritt Höckes versagte das Mikro.

Nach nur einem Kilometer musste die AfD-Demo zum Startpunkt zurückkehren.

„Rostock – der Leuchtturm des Widerstandes gegen das Staatsversagen im Norden“ - so hieß es auf AfD-Flyern, die vorab in der Hansestadt verteilt wurden. Dazu auf Plattdeutsch: „Kumm, rut up de Straat.“ Letztendlich versammelten sich am Neuen Markt rund 700 Mitglieder und Sympathisanten der AfD und damit etwas mehr, als auf den vergangenen fünf Demonstrationen, die seit März dieses Jahres stattfinden.

Sitzblockade verhindert Weiterkommen

Auf der Gegenseite fanden sich allerdings vor Beginn der AfD-Versammlung schon 4.000 Gegner ein, die mit mehreren Anmeldungen aufwarteten und die Route der AfD unter dem Motto „hinhocken“ blockieren wollten. Und es gelang. Die vom Kreisverband geplante Route einmal um die Innenstadt herum konnte aufgrund einer Sitzblockade mit mehreren Hundert Personen nicht gelaufen werden. Nach nur einem Kilometer musste der Trupp umkehren und zum Treffpunkt am Neuen Markt zurückkehren.

AfD-Demo Rostock & GegenprotesteFotos der AfD-Demo in Rostock

Zu dem Zeitpunkt hatte sich der Thüringer Fraktionsvorsitzende Björn Höcke noch nicht blicken lassen. Das Kreisvorstandsmitglied und Versammlungsleiter Steffen Reinicke eröffnete um 17 Uhr die Demonstration der AfD, Landeschef Dennis Augustin steuerte im Anschluss eine Rede bei. Bereits zu dem frühen Zeitpunkt ließ Reinicke seine Anhänger wissen, dass die geplante Strecke nicht gelaufen werden könne.

AfD-Ordner per Haftbefehl gesucht

Erst zum Ende wurde Höcke im Dienstwagen vorgefahren, um sich auf einem zur Bühne umgebauten Transporter feiern zu lassen. „Ein Bündnis aus erstarrten Altparteien und versifften Antifa haben versucht, euch den Weg zu versperren“, zeigte sich Höcke laut Ostsee-Zeitung sichtlich verärgert. Er blickte dabei nicht nur auf seine AfD-Anhänger, auch mehrere großflächige Banner mit deutlichen Botschaften hingen aus Wohnungen Richtung der Bühne. „Menschenrechte statt rechte Menschen“, hieß es auf einem.

Schließlich versagte auch noch der Generator, Höcke konnte seine Rede nicht per Mikrofon fortsetzen. Ein Megafon sollte helfen, doch bis auf die ersten Reihen war der Thüringer Rechtsaußen nicht mehr zu verstehen. Erschwerend kam hinzu, dass aus einer anliegenden Wohnung laute klassische Musik gespielt wurde.

Ein Ordner der AfD wurde laut Ostsee-Zeitung zudem per Haftbefehl gesucht und vorläufig festgenommen. Wie bereits auf den letzten Demos kam es während der kurzen Route erneut zu einem Hitlergruß, der Mann konnte offenbar identifiziert werden.

Die Abläufe der AfD-Demo sind mittlerweile erprobt, auch diesmal übernahmen Identitäre Ordnerfunktionen, IB-Landeschef Hannes Krünägel beteiligte sich mit einem knappen Dutzend Mitglieder an der rechten Versammlung. Auch eine Gruppe völkischer Siedler schloss sich der Demo an. Dazu Teilnehmer der Kameradschaftsszene, sowie Personen aus dem gewaltbereiten Hooligan-Spektrum.

Weitere Demos angemeldet

In nur vier Wochen, am 20. Oktober, startet die AfD einen zweiten Versuch. Erneut soll es auf identischer Route durch die Rostocker Innenstadt gehen. Für den 16. November und 12. Dezember sind weitere Demos angemeldet. Der Kreisverband wird vermutlich bis zur Kommunalwahl im Mai 2019 auf die Straße gehen und versucht so, AfD-Themen in der Öffentlichkeit zu platzieren.

Kommentare(1)

Irmela Mensah-Schramm Montag, 24.September 2018, 09:39 Uhr:
Das läßt sich nun längst nicht mehr verleugnen, dass - egal wo - politisches Versagen nicht nur die Hemmschwelle sinken ließ, sondern auch die gesellschaftliche Identifizierung mit rechtem Gedankengut.
Der - rechte - Hass ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Und zur Freude all jener Hasser ist man in den jeweiligen Landesregierungen bemüht, all jene Menschen zu kriminalisieren, die eigentlich nur das tun, wozu diese Politik immer auffordert: eine "starke Zivilgesellschaft" !
 

Die Diskussion wurde geschlossen