von Oliver Cruzcampo
   

„Rogida“-Neonazis mobilisieren gegen „Refugees welcome“-Demo

Mit einem Aktionstag will ein Bündnis am kommenden Sonnabend auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen und sich gleichzeitig für eine Willkommenskultur einsetzen. Eine „Rogida“-Gruppe – in Anlehnung an die islamfeindliche Pegida-Bewegung aus Dresden – ruft nun zeitgleich zu einer eigenen Demonstration in Güstrow auf. Die Hintermänner sind jedoch stadtbekannte Neonazis.

Aufruf zur Demonstration in Güstrow

Der Ratschlag der Bündnisse, ein Zusammenschluss etlicher Vereine, Initiativen und Einzelpersonen aus Mecklenburg-Vorpommern mobilisiert seit Wochen zur Teilnahme an der an diesem Sonnabend in Güstrow stattfindenden Demonstration unter dem Motto: „Refugees welcome! Asylrecht ist Menschenrecht!“.

„Wir sind betroffen und wütend darüber, dass Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, mitten unter uns Bedrohungen, Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt sind“, heißt es in dem Aufruf, der online gestellt wurde. Ab 13 Uhr werden mehrere Hundert Teilnehmer am Güstrower Hauptbahnhof erwartet, die sich zuerst zu einer Eröffnungskundgebung zusammenfinden. Anschließend soll Richtung Südstadt gelaufen werden, vorbei an etlichen „interkulturellen Lichtpunkten.“ An einem dieser Lichtpunkte will sich die lokale Initiative „Flüchtlinge willkommen in Güstrow“ vorstellen und mit Anwohnern ins Gespräch kommen.

Asylgegner auch nur Menschen?

In der Güstrower Südstadt sind vor wenigen Tagen weitere Asylbewerber angekommen. Rund 30 Personen sind in der Werner-Seelenbinder-Straße unterbracht, weitere Personen sollen in den kommenden Wochen die Barlachstadt erreichen. Bereits im Oktober hetzten zahlreiche Asylgegner mit Unterstützung lokaler Neonazis und NPD-Kader gegen die erwarteten Flüchtlinge. „Macht ihnen das Leben so unbequem wie möglich“, skandierte der Güstrower NPD-Stadtvertreter Nils Matischent – und etliche Sympathisanten applaudierten. Seitdem führte der Rechtsextremist mit Unterstützung weiterer Gesinnungsgenossen mehrere Mahnwachen durch, um so die Stimmung in der 29.000-Einwohner-Stadt weiter anzuheizen.

Parallel zur „Refugees welcome“-Demo mobilisieren lokale Neonazis zur Teilnahme an einer eigenen Veranstaltung unter dem Motto „Ja zu Kriegsflüchtlingen, Nein zu Wirtschaftsflüchtlingen!“. Die Versammlung, die am Dienstag von einer Privatperson angemeldet wurde, soll um 14 Uhr beginnen, Treffpunkt ist der Rostocker Platz, der nur in 500 Meter Entfernung von der Pro-Asyl-Demonstration liegt.

Erwartet werden ca. 50 bis 120 Teilnehmer, die sich jedoch auf einer Strecke in der Nordstadt bewegen wollen. Als Anmelder fungierte zwar eine Privatperson, doch der Mann weist etliche Verbindungen zur rechtsextremen Szene Güstrows auf und ist auch mit dem wegen Körperverletzung verurteilten Matischent befreundet.


Eingeladene Teilnehmer zum „gemeinsamen Spaziergang“, Screenshot Facebook

In der Gruppe „Güstrow wehrt sich gegen Asylmissbrauch“, die bereits zur Teilnahme am letzten Neonazi-Aufmarsch aufgerufen hatte, wird erneut mobilisiert: „Dies soll eine friedliche und gewaltfreie gegen Demonstration mit einem schönen Spaziergang durch Güstrow“ werden, heißt es in dem Aufruf. Um es nochmal sicherzustellen, wird betont: „Wir sind Menschen und keine Rassistin oder Nazis“ [sic!].

Bündnis-Mitglieder wollen sich nicht einschüchtern lassen

Der Namen des Veranstalters nennt sich Rogida – „Rostock gegen die Islamisierung des Abendlandes.“ Offenbar wollen die Asylgegner auf der Welle der islamfeindlichen Demonstrationen in Dresden mitschwimmen. In etlichen Städten sprießen gerade ähnliche an die Dresdner Initiative angelehnte Gruppierungen aus dem Boden. Auch wurde bereits eine Demonstration in Rostock Anfang Januar angekündigt, eine Anmeldung liegt bislang allerdings nicht vor.

Die „Refugees welcome“-Organisatoren sind auf etwaige Störversuche durch Neonazis vorbereitet und wollen sich nicht einschüchtern lassen. „Am Zulauf zur Rogida-Facebook-Gruppe ist einmal mehr zu sehen, wie gravierend das Problem mit Rechtsextremismus ist und warum es notwendig ist, dass sich die demokratische Zivilgesellschaft aus dem ganzen Bundesland gegenseitig unterstützt“, so Stella Hindemith von der Amadeu-Antonio-Stiftung. Weiterhin fordert sie, dass die „Institutionen des demokratischen Rechtsstaats unsere Demo und dadurch unser Eintreten für demokratische Kultur unterstützen und – wenn nötig – vor Angriffen schützen.“

Der Aufruf ist auf der Website des Ratschlages zu finden, aktuelle Informationen gibt es bei Rostock nazifrei

Kommentare(14)

Björn Dienstag, 02.Dezember 2014, 18:56 Uhr:
Mehr als ein "alles Nazis" habt ihr nicht drauf? Und dann auch noch ohne Beleg. Glaubt ihr wirklich, dass sich davon noch jemand beeindrucken lässt? Je inflationärer ihr solche Kmampfbegriffe benutzt, desto weniger Menschen lassen sich davon einschüchtern. Und in letzter Zeit müsst ihr sehr oft darauf zurück greifen. Egal ob Pegida, Hogesa, AfD oder NPD.
 
Schnulli Dienstag, 02.Dezember 2014, 20:44 Uhr:
@Björn: Stefan Köster als Teilnehmer? Der Mann ist NPD-Landesvorsitzender, ich denke das reicht als Beweis. Außerdem mobilisiert die Initiative "Güstrow gegen Asylmissbrauch" zur Demo, auch dahinter stecken vor allem NPD-Mitglieder. Vielleicht wäre es hilfreich du würdest den Artikel komplett lesen und reflektieren bevor du deinen braunen Müll hier absonderst!
 
Roichi Dienstag, 02.Dezember 2014, 23:10 Uhr:
@ Björn

Deine Kamerraden als Organisatoren sind dir wohl nicht Beleg genug. Achso, sind ja nur "besorgte Bürger", politisch völlig "neutral".
Nicht, dass die auch sonst gegen alle Asylbewerber hetzen würden.

Dass du mit keinem Wort auf den Artikel eingehst, ist interessant.
Versuchen doch deine Kamerraden eine Gegendemo zu veranstalten.
Etwas, von dem du immer behauptet hast, dass das nicht zulässig wäre und die Linksgrünen das mittels Unterdrückung verhindern würden.
Und nun mal wieder die Realität, die dich einholt.
Da kannst du noch nichtmal auf den Artikel eingehen. Es müssen Parolen herhalten.
 
Egophobiker Mittwoch, 03.Dezember 2014, 00:23 Uhr:
@ Björn:
Vielleicht muss man ja auch momentan so oft auf Pegida, Hogesa, AfD und NPD zurück greifen weil es aktuelle Themen sind?! Oben genannte Namen und deren Parteimitgliedschaften lassen sich einfach auf Richtigkeit überprüfen, wenn man sich die Mühe machen will und nicht nur platt dagegen poltert, weil die Kammeradschaft "angegangen" wird.
Fakten aus dem Bericht lassen sich nachvollziehen.
Nach meiner Meinung ist diese Kritik doch eher eine Plattitüde ohne inhaltliche Aussage.
 
JayBee Mittwoch, 03.Dezember 2014, 08:34 Uhr:
"Mehr als ein "alles Nazis" habt ihr nicht drauf? ... Je inflationärer ihr solche Kmampfbegriffe benutzt, desto weniger Menschen lassen sich davon einschüchtern."

Und das von Björn, der in jedem 3. Satz Begriffe wie "antidemokratisch", und "antideutsch" etc. benutzt. Das ist ja echt mal niedlich...
 
Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 03.Dezember 2014, 08:35 Uhr:
@ Björn

R assistisch
O hne Verstand
G dgerman - neurotisch
I slamfeindlich
D urchgeknallt
A risch - gruselig

Was anderes ist Rogida wirklich NICHT !
Wenn nun die ach sooo besorgten BürgerInnen und auch CDU - Anhänger sich selbst von NPD , AfD, der Partei "Die Rechte" und HoGeSa gern missbrauchen lassen und mit denen mitlatschen, dann kann man ihnen nicht mehr helfen... So dumm kann und darf man doch nicht sein.
Deine rechte Gesinnung ist so manchen KommentarleserInnen deutlich genug geworden.
 
Paul Mittwoch, 03.Dezember 2014, 12:59 Uhr:
"Weiterhin fordert sie, dass die „Institutionen des demokratischen Rechtsstaats unsere Demo und dadurch unser Eintreten für demokratische Kultur unterstützen und – wenn nötig – vor Angriffen schützen.“

Das ist schon Schizophren den selben "Rechtsstaat" um Schutz antirassistischer Aktionen anzubetteln, der dafür sorgt, dass die südliche EU-Außengrenze ein tödliches Bollwerk für Flüchtlinge ist. Der selbe "Rechtsstaat", der Asylantragsstellern verbietet Arbeit aufzunehmen, sie in ihrer Bewegungsfreiht beschränkt, sie vornehmlich in Sammelunterkünften zusammenpfercht und bei nächster Gelegenheit sein Gewaltmonopol nutzt, um die abgelehnten Flüchtlinge wieder ins Elend der Herkunfts- oder Einreisestaaten zurück zu schicken. Man könnte ihn glatt Unrechtsstaat nennen.
Die Nation ist ein rassistisches Konstrukt und der Staat ein rassistischer Akteur. Als Antirassist kann man von dem nichts fordern wollen!
 
Soldat Mittwoch, 03.Dezember 2014, 18:13 Uhr:
@ Paul
"Man könnte ihn glatt Unrechtsstaat nennen.
Die Nation ist ein rassistisches Konstrukt und der Staat ein rassistischer Akteur. Als Antirassist kann man von dem nichts fordern wollen! "

Es ist also rassistisch, wenn man ein Gebiet gegen unkontrollierte Einwanderung absichert? Es ist rassistisch, wenn Asylbewerber Unterkünfte gestellt bekommen, deren Zweck u.a. auch die schnelle Erreichbarkeit jener Asylbewerber darstellt? Es ist also rassistisch, wenn Menschen, denen gemäß internationalem Recht kein Aufenthaltsrecht zusteht des Landes verwiesen werden? Bravo, was hier nicht alles rassistisch ist. Ich hoffe, Sie besitzen keine eigene Wohnung und falls doch, dann schließen Sie diese nicht ab. Oder werfen unliebsame Gäste hinaus. Das wäre ja dann ähnlich rassistisch.

Aber mal abseits der Polemik, wenn Sie vom Staat nicht fordern wollen, wie wollen Sie dann die Situation der Flüchtlinge verbessern? Aus eigenen Mitteln? Durch Überwindung des Staates? Oder tun Sie am Ende nichts? Wirkliche Veränderungen können Sie durch die Abgabe ihrer Stimme bei einer Wahl erreichen, alles andere ist mehr oder minder kosmetisch oder schlichtweg unmöglich.
 
Björn Mittwoch, 03.Dezember 2014, 21:00 Uhr:
@Schnulli

Ich weiß ja nicht woher sie den Terminkalender von Herrn Köster kennen, allerdings reicht die Teilnahme eines NPD-Mitgliedes an einer öffentlichen Demo sicher nicht aus um die Veranstalter als "Nazis" zu bezeichnen. Ansonsten müsste man so gut wie jede Gegen-Rechts-Demo als Kommunisten- und/oder Linksextremisten-Demo betiteln, weil bei diesen Demos regelmäßig ein großer Teil Extremisten sind, die gemeinsam mit Gewerkschaften und SPD aufmarschieren.

"Nazi" wird mal wieder als Kampfbegriff verwendet um Menschen, die nichts ins beschränkte Weltbild passen zu dikreditieren. Zum Glück wird diese Keule Dank inflationärer Nutzung immer wirkungsloser.

@Roichi

"Deine Kamerraden als Organisatoren sind dir wohl nicht Beleg genug."

Ach, du kennst den Organisator? Dann nenne doch mal seinen Namen.

"Etwas, von dem du immer behauptet hast, dass das nicht zulässig wäre und die Linksgrünen das mittels Unterdrückung verhindern würden."

Dann zitiere mich doch mal, wo ich soetwas jemals behauptet hätte. Roichi und die Realität. Ihr werdet wohl keine Freunde mehr.

@Egophobiker

"Vielleicht muss man ja auch momentan so oft auf Pegida, Hogesa, AfD und NPD zurück greifen weil es aktuelle Themen sind?!"

Du verstehst mich falsch. Ich finde es gut, dass die Menschen aufstehen und ihr daraufhin nur mit "alles Nazis" antworten könnt. Das macht diesen Kampfbegriff immer wirkungsloser. Und es zeigt, dass ihr keine inhaltlichen Argumente habt.
 
Paul Donnerstag, 04.Dezember 2014, 09:12 Uhr:
@Soldat:

Lies ab der Zwischenüberschrift "Die Scheiße rollt den Berg runter." bis zur Zwischenüberschrift "Abfahrt". Vieleicht hilft dir das ja meinen Standpunkt zu verstehen.
https://antifarostock.wordpress.com/2014/12/03/gustrow-unser-aufruf/#more-890
 
Jupp Donnerstag, 04.Dezember 2014, 10:39 Uhr:
´@Soldat
Ich könnte mir vorstellen, dass hier gemeint war, Nationen und Staaten als solche seien immer rassistisch, weil abgrenzend nach Herkunft.
 
Roichi Donnerstag, 04.Dezember 2014, 11:23 Uhr:
@ Björn

" Ansonsten müsste man so gut wie jede Gegen-Rechts-Demo als Kommunisten- und/oder Linksextremisten-Demo betiteln"

Genau das machst du doch so beharrlich.
Warum also beschwerst du dich jetzt?

"Ach, du kennst den Organisator? Dann nenne doch mal seinen Namen."

Lesen hilft, Björn.
Vor allem den Artikel.
Auch wenn du das oben shcon nicht getan hast.

" Und es zeigt, dass ihr keine inhaltlichen Argumente habt. "

Nein Björn.
Die Parole zog noch nie. Und wird es auch hier nicht.
Hass ist kein Argument. Und mehr habt ihr nicht zu bieten.
 
HanseHans Donnerstag, 04.Dezember 2014, 21:25 Uhr:
@Schnulli

Wenn also in der Müritz ein Karpfen schwimmt, macht es den See dann zu einem Karpfenteich?

Es ist schon interessant, wer, wie oder was hier alles als Nazi bezeichnet wird. Dabei ist "Nazi" doch nur der Spottname, mit dem linke Sekten andere ihnen verwande Sekten verunglimpfen.
Mit Nazi hat das Wort Nazi schon lange nichts mehr zu tun.
Im Grunde genommen ist dies eine Verhamlosung der 3. Reiches. Aber vlt. geht es euch Linken auch nur darum.
 
Soldat Freitag, 05.Dezember 2014, 09:42 Uhr:
@ Paul
"Lies ab der Zwischenüberschrift "Die Scheiße rollt den Berg runter." bis zur Zwischenüberschrift "Abfahrt". Vieleicht hilft dir das ja meinen Standpunkt zu verstehen."

Ich hab es gelesen und halte auch die Aussagen des Textes für grundlegend falsch. Dort wird Migration und Asyl in einen Topf geworfen, internationales Recht und aktuelle politische Diskussionen einfach ignoriert. Es gibt bereits einen demokratischen Diskurs bezüglich der Asylprobleme. Und nein, nicht alle Probleme werden vom Staat aus verursacht. Wenn z.B. ein Nordafrikaner nach Deutschland auswandern möchte, dann ist der Weg des Asyls schlichtweg der falsche. Denn Wirtschaftsasyl wird nicht gewährt. In keinem Staat der Welt. Das hat aber nichts mit Rassismus, sondern Pragmatismus zu tun. Unkontrollierte Einwanderung behebt keine Probleme, sondern schafft neue. Außerdem hab ich da auch mal ne einfache konzeptionelle Frage: Wenn man einfach jeden Menschen, der die Reise über das Mittelmeer überlebt direkt in den deutschen Staat integrieren würde, wäre das nicht ein Anreiz für mehr Menschen die Reise anzutreten? Wäre es nicht besser, einen Weg der legalen Einreise, bzw. Einwanderung zu schaffen? Denn gegen geordnete Einwanderung hätte ich gar nichts. Gegen Flüchtlinge, die ihre Papiere über Bord werfen, damit sie nicht in ihr Heimatland rückgeführt werden können aber schon. Da stell ich mir nämlich die Frage, ob diese Personen tatsächlich asylberechtigt sind...
 

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