von Oliver Cruzcampo
   

„Rock für Deutschland“ wird zu Mini-Spektakel

Mehrere Tausend Besucher drängten früher auf den NPD-Event „Rock für Deutschland“ in Gera. Mittlerweile hat die Szene-Veranstaltung massiv an Attraktivität eingebüßt und die Besucherzahlen sind eingebrochen. Lediglich 300 Rechtsrock-Fans nahmen am Sonnabend an dem Konzert teil.

Plakat der Gegenproteste: "Feste feiern ohne Nazis"; Foto: Campen gegen Nazis

Zahlen von 1.200 Teilnehmern kursierten im Vorfeld der NPD-Veranstaltung, die vom lokalen Kreisverband organisiert wurde. Doch dass die Zahl nicht erreicht würde, war mit Blick auf die Teilnehmerzahlen der vergangenen Jahre absehbar. Der Zenit ist seit den rund 4.000 Besuchern im Jahr 2009 längst überschritten. In den letzten Jahren pegelte sich die Zahl bei rund 700 Rechtsrock-Fans ein, die jedoch vor allem aufgrund hochkarätiger Bands wie der Lunikoff-Verschwörung erreicht werden konnten.


"Ein" oder eher "Kein" Grund zum Feiern - Veranstaltungsflyer des Konzertes; Foto: Screenshot

Für vergangenen Sonnabend waren neben dem Barden Frank Rennicke vier Bands angekündigt: Motor of Hate, Strafmass, Heiliges Reich und Helle & Die Rac´kers. Diese konnten weniger als Hälfte der Besucher der letzten Jahre zur Teilnahme bewegen. Lediglich 300 Neonazis versammelten sich am Sonnabend auf dem Bahnhofsvorplatz in Gera. Auch die Rednerliste war wenig prominent besetzt. Neben Gordon Richter, dem Vorsitzenden des NPD-Kreisverbands Gera, waren mit Matthias Fiedler, Hendrik Heller und Patrick Weber vor allem regionale Parteimitglieder vor Ort. Hochrangige Funktionäre oder Szene-Kader suchte man in diesem Jahr vergeblich, mit Tony Gentsch tauchte gar ein Redner der Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ hinter dem Rednerpult auf.

Konzert vorzeitig aufgelöst

Wie die Polizei mitteilte, sei bereits am Freitagabend ein mit Haftbefehl gesuchter Neonazi festgenommen worden. Ein Rechtsextremer sei mit seinem Auto zudem betrunken in eine Polizeikontrolle geraten. Insgesamt meldete die Polizei 21 Straftaten durch die der NPD-Veranstaltung zuzurechnenden Teilnehmer. Der Großteil kam durch das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zustande, weitere durch Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Fotos von Teilnehmern mit T-Shirt-Aufdrucken wie „Stellt se alle anne Wand und Feuer“ können hier und hier betrachtet werden.

Konsequent war auch die Auflösung der Veranstaltung gegen 19.30 Uhr. Zuvor war nach Polizeiangaben das Konzert unterbrochen worden, da von einer Band ein indiziertes Lied gespielt worden sei. Die Gruppe hätte die Bühne verlassen müssen, der Versammlungsleiter musste die Veranstaltung anschließend für beendet erklären. Für die Teilnehmer, die laut NPD einen „Unkostenbeitrag“ von 18 Euro bezahlen mussten, eine herbe Enttäuschung.

Schon ab Donnerstag machten einige Dutzend Aktivisten den Neonazis ihren Veranstaltungsort strittig, indem sie zum „Campen gegen Nazis“ aufriefen. Letztendlich musste der politische Gegner so auf eine weitere Fläche verzichten. Insgesamt hätten rund 350 Teilnehmer an den Gegenprotesten teilgenommen, auch diese Zahl fiel gegenüber den Vorjahren deutlich.

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