Revisionistisches Stelldichein

Im 55. Jahr ihres Bestehens will sich die bundesweit größte extrem rechte Kulturvereinigung „Gesellschaft für freie Publizistik“ bei ihrem geplanten Kongress Ende Mai in  Antiamerikanismus üben.

 

Freitag, 10. April 2015
Kai Budler

Die 53. Jahrestagung der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) seit der Gründung im Jahr 1963 steht unter dem Motto „Hilfssheriff  der USA? – Deutschlands Rolle in der Welt“ und soll wie in den letzten fünf Jahren im thüringischen Kirchheim stattfinden. Nachdem die Veranstaltung an wechselnden Orten stattfand und 2009 ganz ausfiel, hat die GfP mit Rainer Kutz einen Betreiber gefunden, der sein „Romantisches Fachwerkhotel“ seit sechs Jahren für Veranstaltungen der extremen Rechten zur Verfügung stellt.

Mit einem Saal für rund 200 Personen und dem Hotelbetrieb auf einem Grundstück kann die GfP am letzten Maiwochenende – anders als in anderen Ortschaften – auf einen ungestörten Ort in zentraler Lage für ihren zweitägigen Kongress zurückgreifen,  der nach der Mitgliederversammlung am Samstagvormittag startet. Der rechte Historiker Mario Kandil fragt nach „Neuordnung Europas 2015? – Deutschland und Russland: Partner oder Gegner?“ und der Düsseldorfer Rechtsanwalt und ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Republikaner, Björn Clemens, sinniert über „Der Kampf ums Recht – am Beispiel Dügida“.

Bekennender Islamhasser stellt Buch vor

Anschließend will in Kirchheim der bekennende Islamhasser Akif Pirinçci sein Buch „Deutschland von Sinnen“ vorstellen, den die FAZ einen „Sarrazin auf Speed“ genannt hat. Das Tagungsmotto „Hilfssheriff der USA? Deutschlands Rolle in der Welt“ greift dann Harald Neubauer in seinem Vortrag auf. Er war bei der NPD, wechselte erst zur DVU und zehn Jahre später zu den Republikanern, für die er 1989 ins Europäische Parlament einzog. Zwei Jahre später gründete Neubauer die als Sammelbewegung der extremen Rechten gedachte „Deutsche Liga für Volk und Heimat“ und fungierte als einer von drei Bundesvorsitzenden. Wie Clemens gehört auch Neubauer dem Bundesvorstand der GfP an.

Am zweiten Kongresstag wird erneut die 1962 gestiftete Hutten-Medaille verliehen. Preisträger ist in diesem Jahr Hans-Dietrich Sander. Der 1928 geborene Journalist schrieb für nahezu alle wichtigen früheren Blätter der extremen Rechten wie „Nation&Europa“ und gab in den 1990er Jahren das Monatsblatt „Staatsbriefe“ heraus. Die Laudatio hält der ehemalige NPD-Landtagsabgeordnete aus Sachsen, Arne Schimmer, der Sander bereits 2007 für die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ interviewt hatte. Die Anmeldung zum Kongress läuft wie in den Vorjahren über das Bundesvorstandsmitglied der GfP, Margret Nickel in Wahlsburg-Lippoldsberg am äußersten Rand Nordhessens.

Kategorien
Tags