von Tim Schulz
   

„Revisionistisch und antidemokratisch“ – Gedenkstätte konfrontiert AfD-Mann

Am 8. August will der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner die Gedenkstätte Buchenwald besuchen, so die gestrige Ankündigung aus seiner Fraktion. Eine Reaktion der Stiftung, die als Trägerverein für das ehemalige Konzentrationslager dient, ließ nicht lange auf sich warten. Kaum verwunderlich, schließlich gilt der AfD-Politiker als enger Gefolgsmann von Björn Höcke, gegen den im vergangenen Jahr aufgrund seiner Äußerungen zur Erinnerungskultur ein Hausverbot in der Gedächtnisstätte erteilt wurde. Brander hingegen werde nicht ausgeschlossen, allerdings wolle man seine Positionen und die seiner Partei kritisch hinterfragen.

Stephan Brandner im Thüringer Landtag, vor ihm Björn Höcke, Foto: Olaf Kosinsky, CC BY-SA 3.0 de

„Um sich über die Arbeit in der Gedenkstätte Buchenwald zu informieren“ und „ihre Wünsche an die Politik mitzunehmen“, wolle Stephan Brandner mit der Leitung der Gedächtnisstätte in Dialog treten, so die Ankündigung auf der Website der AfD-Bundestagsfraktion. Der AfD-Politiker, der in der Vergangenheit immer wieder mit seinem umstrittenen Politikstil und der Nähe zu Björn Höcke auffiel, gibt sich in der Pressemitteilung betont zurückhaltend. Buchenwald sei eine „Mahnung“ und „Antrieb für meine politische Arbeit“, so lässt sich Brandner zitieren.

Antidemokratische Positionen, Verbindungen zum Rechtsextremismus

Die Leitung der Gedenkstätte scheint daran Zweifel zu hegen: In einer darauf folgenden Pressemitteilung sprach sich die Stiftung „Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora“ zwar nicht generell gegen einen Besuch des AfD-Rechtsaußen aus, setzte jedoch klare Bedingungen – höchstwahrscheinlich zum Unmut Brandners. Dieser solle im Gespräch mit dem Direktor der Stiftung, Prof. Dr. Volkhard Knigge, nämlich nicht nur zu Höckes Thesen von „Schuldkult“ und „erinnerungspolitischer Wende“ Stellung nehmen, sondern auch seine Haltung zu anderen „geschichtsrevisionistischen und antidemokratischen Positionen in seiner Partei“ klären. Als Beispiele bringt die Stiftung neben Alexander Gaulands Reden von „Vogelschiss“ und den Forderungen nach der Wertschätzung der „Leistung deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“, auch die antisemitischen Äußerungen Wolfgang Gedeons an.

Zudem kritisiert die Stiftungsleitung auch die engen personellen Verbindungen der AfD Thüringen ins rechtsextreme Milieu. So ist in der Pressemitteilung die Sprache von einer „engen Zusammenarbeit von Abgeordneten und Kandidaten der Thüringer AfD mit Neonazis“ und personellen Verstrickungen zwischen rechtsextremen Burschenschaften und Branders ehemaliger Landtagsfraktion im Freistaat.

Offene Distanzierung

Dabei distanziert sich der Trägerverein des Weimarer Gedenkorts – für eine öffentliche und überparteiliche Institution - überraschend offen von der Partei. Die AfD sei weder „an der sachlichen Lösung politischer und gesellschaftlicher Probleme interessiert“ noch an „der Bewahrung und Verteidigung demokratischer Werte und Haltungen“. Mit ihrer Öffnung zum Rechtsextremismus zeige sie Parallelen auf zur Entstehungsgeschichte des Nationalsozialismus.

Wie Branders Antworten ausfallen werden und ob der Besuch trotz der Positionierung der Gedenkstätte stattfinden wird, bleibt abzuwarten. Für Kritik sorgte die Causa allerdings bereits. In den sozialen Netzwerken wird der Besuch des rechten Politikers nicht nur als Unsäglichkeit und Provokation empfunden, sondern auch die Haltung der Stiftung bemängelt. Schließlich biete man dem AfD-Mann so eine öffentliche Plattform.

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Kommentare(1)

Götz Renger Freitag, 10.August 2018, 19:03 Uhr:
Die Fragen der Gedenkstätte an Herrn Stephan Brandner wurden hinreichend klar formuliert. Und was antwortete Stephan Brandner am 8.8.18 im Informationsgespräch mit dem Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora? Auf www.buchenwald.de sind Brandners Anworten und auch der Gesprächsverlauf von vorgestern nicht dokumentiert.


 

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