von Mathias Brodkorb
   

Resignation: "Sezession" stellt Netztagebuch ein

Es war der 2. Februar 2009, als Götz Kubitschek verkündete, mit dem Blog der Theoriezeitschift "Sezession" der "wahren, guten und schönen Rechten ein Tagebuch" schaffen zu wollen. Knapp zwei Jahre später ist dem anfänglichen Elan nun allerdings die Ernüchterung gewichen. Das Netztagebuch der "Sezession" wird ab sofort auf Kernfunktionen eingedampft.

Es ist das ewige Dilemma eines elitären Konservativismus unter Bedingungen der Massengesellschaft: Kubitschek und Co. wollen ganz klar die Machtfrage, sich dabei jedoch nicht in den Dienst einer politischen Partei stellen. Ihr Wirken zielt auf intellektuelle Maulwurfsarbeit, die sie selbst "Metapolitik" nennen. Diese macht jedoch nur Sinn, wenn sie sich zugleich wirksamer Instrumente bedient.

In einer Massendemokratie des 21. Jahrhunderts führt deshalb, wenn man kommunikativen Einfluss erlangen will, am Internet kein Weg mehr vorbei. Es ist dabei jedoch kein Geheimnis, dass sich im Internet in aller Regel die Tiefe und Ernsthaftigkeit der Gedanken umgekehrt proportional zur Massenwirksamkeit dieses Mediums verhalten. Als Schlussfolgerung aus diesem Dilemma hatte Kubitschek von Anfang an angekündigt, die Kommentarfunktion des "Sezession"-Blog nur in sehr eingeschränkter Weise zuzulassen, um Diskussionen "jenseits des von Foren-Trollen ruinierten Netzes" zu garantieren. Außerdem war das Projekt auf Expansion angelegt: "Jeden Monat wird ein neuer Autor zum Tagebuch der wahren, guten und schönen Rechten dazustoßen."

Anfangs konnte Kubitschek diesen Anspruch noch einlösen. So wurden u.a. mit Adolph Przybyszewski, Martin Lichtmesz, Stefan Scheil und Martin Böcker aus ganz unterschiedlichen Gründen bemerkenswerte Autoren gewonnen. Doch allen ging, mit Ausnahme Lichtmesz', im Laufe der Zeit die Luft aus. Scheil bspw. veröffentlichte seinen letzten Beitrag am 3. Oktober 2010, Przybyszewski im November 2009 und Böcker brachte es im Laufe der Zeit auf lediglich vier Beiträge, obwohl Kubitschek ihm in der Druckausgabe der "Sezession" noch eine wesentliche Funktion als künftigem Chef-Interviewer zugedacht hatte, die er allerdings ebenfalls nie ausfüllen sollte. Angesichts des Selbstbewusstseins und des Potenzials dieses jungen Mannes lässt dieser Umstand aufhorchen.

Kubitschek gibt dabei zwei Gründe für die Einstellung des Projektes an. Zum einen ließe sich mit dem Blog kein Geld verdienen und keiner der Autoren könne "es sich leisten, Woche für Woche ein paar Stunden für ein Publikationsformat zu schreiben, das ihn nicht angemessen bezahlen kann". Zudem seien die Autoren nach einer gewissen Zeit einfach "ausgeschrieben": "Vieles ist gesagt, wird woanders gesagt (und ein Verweis dorthin genügte), wird an zehn Stellen zugleich gesagt, kommentiert und damit dokumentiert." Künftig werde man sich daher auf die Dokumentation der Druckausgabe der "Sezession" sowie auf die Veröffentlichung diverser Ankündigungen beschränken und sich wieder auf anspruchsvollere Projekte konzentrieren. Nach der Konservativ-Subversiven Aktion (KSA) befindet sich nunmehr das zweite auf verstärkte Öffentlichkeitswirkung zielende Projekt Kubitscheks im Leerlauf.

Kommentare(18)

Guggenmumm Sonntag, 16.Januar 2011, 21:04 Uhr:
Im Gegensatz zu Endstation Rechts legt man bei der Sezession eben wert auf Qualität. Da ist es ganz normal, wenn auch mal auf der quantitativen Ebene ein Gang zurückgeschaltet wird.

Darüber hinaus sind die Sezession-Autoren eben keine arbeitslosen Looser, die den ganzen Tag Zeit haben, in ihrem Blog herumzuschreiben...
 
Demokrat Montag, 17.Januar 2011, 09:17 Uhr:
"Das ist kein Rückzug, wir verkürzen nur die Front! Und dann achten wir bei der Sezession auf Qualität!"
 
wp Montag, 17.Januar 2011, 10:14 Uhr:
Ganz egal, wie man den Rückzug nennen will: Frontbegradigung, Qualitätssicherung usw. - Tatsache ist: es bleibt ein Rückzug. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß man nicht - selbst wenn man beruflich eingebunden ist - einmal in der Woche einen Beitrag für den Blog abliefern könnte. Als Recycling-Container für alte Sezessions-Artikel ist das Format zu schade.
 
Florian R. Montag, 17.Januar 2011, 12:06 Uhr:
@Guggenmumm
"arbeitslosen Looser"
Danke für die Einblicke in gleich zweierlei Weise.
 
Alexander Geisler Montag, 17.Januar 2011, 12:54 Uhr:
Was genau sind denn die jeweiligen Gründe, aus denen man Przybyszewski, Lichtmesz, Scheil und Böcker besonders interessant finden sollte? Argumentationsweise, Positionierung, Lieblingsthemen? Zum besseren Verständnis würde ich mich über eine Konkretisierung freuen.
 
Arne Hoffmann Montag, 17.Januar 2011, 16:14 Uhr:
"Darüber hinaus sind die Sezession-Autoren eben keine arbeitslosen Looser, die den ganzen Tag Zeit haben, in ihrem Blog herumzuschreiben..."

Das ist immerhin mal eine klare Ansage zu Blogs wie "Politically Incorrect". :D

(Übrigens heißt es "Loser", nicht "Looser". Wieso müsst ihr Deutschnationalen ausgerechnet auf angelsächsische Beschimpfungen ausweichen, wenn ihr nicht mal den Stoff des Englischunterrichts der fünften Klasse beherrscht? Wer da wohl wirklich der Loser ist ...)
 
Mathias Brodkorb Montag, 17.Januar 2011, 17:51 Uhr:
@ Alexander: Ist natürlich eine subjektive Wertung, die ich aber wie folgt begründen würde: Lichtmesz: Ein launiger Rüpel, aber blitzgescheit. Böcker: Ein sehr anständiger Kerl mit eigenem Kopf. Das ist unter den jüngeren der Sezessionisten nun wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Scheil: Ein messerscharfer Analytiker. Przybyszewski: Ein gelehrter Mann mit profunder Kenntnis über linke Theorietraditionen, dem es dadurch gelingt, tiefsinnige Analysen zu präsentieren.
 
Guggenmumm Montag, 17.Januar 2011, 18:13 Uhr:
Wie kommt es eigentlich, daß dieser Florian R. hier so munter drauf los schreiben darf?

Ich erinnere mich noch an die KSA in Frankfurt. Da gab es einen jungen Mann, der gegen schwarze Mitbürger loswetterte, die uns zufälligerweise über den Weg liefen. Alle (angeblich ach so bösen) haben sich angewidert abgewendet.

Tja, so können sich die Dinge ändern. Aber eines bleibt gleich: immer dumpfsinnige Sprüche und einfältiges Denken.
 
Henk Montag, 07.Februar 2011, 17:54 Uhr:
Nun, der Verlag existiert ja weiter - eine neue Verschwörung (= Guttenberg entlässt Kapitän Schatz um die eigentlich zentrale Frage nach Frauen an Bord zu deckeln) ist bereits aufgedeckt.

Es bleibt amüsant. :-)
 
GorckFuck Montag, 07.Februar 2011, 20:37 Uhr:
Am Alleramüsantesten finde ich immer noch, was so manche Hirne sich kreativ zusammenzufiltern imstande sind, wenn nur der feste Wille zum Endergebnis da ist...
 
Henk Dienstag, 08.Februar 2011, 15:29 Uhr:
Herr Fuck hat ja so recht.

Passt wie angegossen.
 
GorckFuck Dienstag, 08.Februar 2011, 16:56 Uhr:
Klar, der Fuck hat immer recht. ;)
 
Henk Samstag, 12.Februar 2011, 11:18 Uhr:
Jup, und bei anderen heisst das dann...Wille zum Endergebnis?

Konsequenz ist doch was feines.
 
Henk Mittwoch, 09.März 2011, 18:48 Uhr:
Im Moment betreibt man also ausgiebige Endergebnisarbeit zum Thema Flintenweiber. Gerne unter Verwurstung von verlogenen Einzelpersonen (...und unter Weglassen der bereits vermeldeten Rolle des Verlages bei den angeführten superrepräsentativen Beispielen).

Man wird im Methodenrausch schon wissen wieso man für Kommentarfunktionen zu feige ist.
 
Chris Donnerstag, 07.Juli 2011, 08:22 Uhr:
@ Funk

"Am Alleramüsantesten finde ich immer noch, was so manche Hirne sich kreativ zusammenzufiltern imstande sind, wenn nur der feste Wille zum Endergebnis da ist..."

Nur zum Verständnis für mich und der Verwechslungsgefahr- diese Aussage ist auf die Jungs der Sezession bezogen?
 
Atze Montag, 11.Juli 2011, 21:08 Uhr:
Hehe, Dr. Eisenbart hat mich gerade wieder mit der Nase auf diese Postille des gewöhnlichen Rassismus gestoßen. Nachdem ich nun etwas auf deren Internet-Portal gestöbert habe, hatte ich auch gleich mein "Aha-Erlebnis"! Was will man mehr? Jedenfalls weiß ich nun, wie der Dummnazi in meinem eigentlichen Heimatforum auf die dämliche Idee gekommen ist, alltäglich aus der Vielzahl möglicher Opfer-Täter-Relationen eben jene rassistisch motivierte herauszugreifen, in denen der Täter ein ethnisch imaginierter "Ausländer" ist und das Opfer ein ethnisch reinrassig imaginierter "Deutscher". Dieser "heldisch" vorgenommene "Tabubruch" - in Wahrheit ein von niemandem bestrittener Alltagsfakt - dass nämlich auch Ausländer kriminelle Taten begehen und Deutsche deren Opfer sein können, ist durch dieses Blättchen bzw. deren neuestes Internetprojekt "deutscheopfer.de" ausgelöst.

Von "blitzgescheiten Rüpeln", "anständigen Kerlen", geschweige den "messerscharfen Analytikern" habe ich da nix gelesen. Nur von einem PISA-Geschädigten Alltagsrassisten namens Menzel, der aus die deutsche Staatsangehörigkeit besitzenden Kriminellen "stolz" die ethnisch türkische Herkunft herausfiltert, um...

Ja, um was eigentlich? Was will uns eigentlich die Avantgarde des rassistisch motivierten Dummenfangs mit dieser neuen Intenetseite nahebringen? Das es ausländische Kriminelle gibt? Sorry, wissen wir schon. Dass es dabei auch mal ein deutsches Opfer gibt? Ehm, nun ja, wissen wir auch schon, fänden aber begangene Straftaten jetzt auch nicht weniger schlimm, wenn andere "Ausländer" deren Opfer wären. Oder will man gar glauben machen, Kriminalität sei immer "ausländisch", Qpfer seine immer deutsch...? Hallo! Laut PKS sind selbst bei ausländerkitischster Zahlendarstellung 3/4 der ermittelten Tatverdächtigen Deutsche. Und nein Murx, vergiss die Legende von der überbordenden Kriminalität von Migranten, die die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben. Ein blütenweißes polizeiliches Führungszeugnis ist eine der Grundbedingungen für deren Erwerb.

Elitärer Konservatismus...? Vielleicht in einem Paralleluniverum von der Größe einer Nussschale...!
 
Dr.Eisenbart Montag, 11.Juli 2011, 23:14 Uhr:
Na, Atze, du bist ja ganz erregt... beruhig dich mal. Das ist alles viel leichter zu verstehen, als du glaubst, auch ohne Anführungsstriche und Imaginationen mit ein bißchen mehr Blick in die Wirklichkeit. Sogar du wirst es begreifen, wenn du dich ein bißchen mehr einarbeitest in die Materie, zB das Büchlein liest, weder elitär noch konservativ sein, ist dazu nötig, ein bißchen Grips aber schon. Manchmal sieht man halt den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Dein Dich liebender, sich sorgender Doktor.
 
Atze Dienstag, 12.Juli 2011, 12:04 Uhr:
Hallo Eisenbart,

(den Dr. lasse ich mal nach deiner eigenen jüngsten Schreibweise weg). Ich will mir ja gerne Mühe geben. Aber ich kann unmöglich stehenden Fusses jedem eurer Buchtipps nachkommen. Momentan schmökere ich in dem Suvorov-Schinken. Das ist mitunter etwas strapaziös für die Bauchmuskulatur aber auf jeden Fall realsatirische Unterhaltung vom feinsten.

Also lass dich nicht lumpen. Offenbar hast du es schon gelesen. Mit welchen zentralen Erkenntnisgewinnen kann denn das Büchlein aufwarten...? Öde mich aber bitte nicht mit solchen an, die ich oben schon vorweggenommen habe...
 

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