von Robert Scholz
   

Republikaner außer Rand und Band – Schlierer hat seine Partei nicht mehr im Griff

Für den Republikaner-Vorsitzenden Rolf Schlierer war es bislang alles andere als ein frohes neues Jahr. Zunächst musste er eine dpa-Meldung dementieren, in der sein Rücktritt verkündet wurde, und nun muss er zur Kenntnis nehmen, dass die Stimmen gegen ihn immer lauter werden. Seine Partei scheint Schlierer nicht mehr unter Kontrolle zu haben.

Schlierer ist zurzeit ein Vorsitzender von trauriger Gestalt. Mit den Wahldebakeln zur Europa- und Bundestagswahl ist seine Autorität im Schwinden begriffen. Lehnte er anfangs einen personellen Neuanfang noch partout ab, so musste er dem Druck der Partei doch letztlich nachgeben. Seine Wiederwahl ist aber zumindest fraglich. Die Nachrichtenagentur dpa verkündete Ende vergangener Woche bereits seinen Rücktritt – eine Falschmeldung, wie Schlierers Stellvertreterin Ursula Winkelsett eilends gegenüber der „Jungen Freiheit“ erklärte. Die Ente sei angeblich auf eine gefälschte E-Mail an die Nachrichtenagentur zurückgegangen. Die Hintergründe versuche man gerade aufzuklären.

Zeit zum Verarbeiten dieses Ärgernisses blieb dem seit 16 Jahren amtierenden Vorsitzenden indes nicht. Stephan Stritter, REP-Vorsitzender in Rheinland-Pfalz und bislang der einzig bekannte Gegenkandidat Schlierers auf dem kommenden Parteitag im März, traf sich mit dem Pro-NRW-Vorsitzenden Markus Beisicht. Und das nicht zum ersten Mal. Bereits nach dem ersten Treffen hatte Schlierer Stritter relativ unverhohlen einen Parteiaustritt nahegelegt: Mit den Republikanern gebe es kein „Kuscheln in braunen Ecken“, erklärte Schlierer seinerzeit. Dieser Appell schien allerdings auf taube Ohren zu stoßen.

Denn nur einen Tag nach dem angeblichen Rücktritt Schlierers ließ sich Stritter als „Hauptredner“ auf dem Neujahrsempfang der Rechtspopulisten von Pro-NRW blicken. Eine „historische Stunde“ befand Pro-Chef Markus Beisicht. Bei einem „mehrstündigen Gedankenaustausch“ einigte man sich, „den Weg zur Einheit der seriösen rechtsdemokratischen Kräfte, in klarer Abgrenzung zu allen Extremisten und Sektierern, konsequent weiter zu verfolgen“. Ein deutlicher Affront Stritters gegen den Vorsitzenden, dessen Autorität zu schwinden scheint.

Und nun meldet sich auch noch der bislang eher zurückhaltende sächsische REP-Landesvorsitzende Toralf Grau zu Wort. Er sieht den Parteitag als Chance für eine „Reform“. Das „allerwichtigste“ sei dabei ein „Generationenwechsel innerhalb des freiheitlichen Lagers“. Offenbar mit Wink an Parteichef Schlierer erklärt er weiter, dass dabei „persönliche Befindlichkeiten hinten an stehen“ sollten.

Für den Langzeitvorsitzenden Schlierer wird die Luft folglich immer dünner. Noch gibt er sich trotzig: „Selbstverständlich“, heißt es auf der Internetseite der Partei, werde Schlierer sich „beim Bundesparteitag im März als Bundesvorsitzender wieder zur Wahl stellen“.

Siehe auch: Führungswechsel ohne Perspektive

Kommentare(1)

Don Geraldo Dienstag, 19.Januar 2010, 13:51 Uhr:
Die armen Repse.

Da haben sie sich so viel Mühe gegeben, aus den VS-Berichten zu verschwinden daß sie darüber hinaus auch aus der Wahrnehmung der Öfentlichkeit verschwunden sind.

Und wozu das alles ?

Um auf Enstation Rechts auf eine Ebene gestellt zu werden mit anderen Rechtsaußen. Dumm gelaufen...
 

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