von Marc Brandstetter
   

Reportage über NPD-Hochburg Löcknitz erhält „Deutsch-Polnischen Journalistenpreis“

Die Kleinstadt Löcknitz (Mecklenburg-Vorpommern) ist weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus bekannt. Während sich dort einerseits immer mehr Polen ansiedeln, die zumeist gut integriert sind, wählt andererseits knapp ein Fünftel der deutschen Einwohner die rechtsextremistische NPD. Ein Fernsehbeitrag über dieses Phänomen wurde nun mit dem „Deutsch-Polnischen Journalistenpreis“ ausgezeichnet.

Gestern wurde in Schwerin der „Deutsch-Polnische Journalistenpreis“ verliehen. Als Preisträger in der Kategorie Fernsehen wurde Markus Frenzel vom ARD-Magazin „Fakt“ mit seiner Reportage „Löcknitz: Zuwanderungsparadies und NPD-Hochburg“ ausgezeichnet. Der Jury gefiel vor allem die „originelle Aufmachung“ des Beitrages.

Die Kleinstadt Löcknitz, in der rund 3.000 Menschen leben, erlebt in den letzten Jahren einen starken Zustrom aus Polen. Rund zehn Prozent der Einwohner stammen aus dem Nachbarland. Viele Deutsche begegnen den neuen Einwohnern mit Misstrauen. Das schlägt sich auch bei der Zustimmung für die NPD nieder, die bei Wahlen in Löcknitz so stark ist wie in kaum einem anderen Ort in der Region. Bei den Landtagswahlen 2011 erhielten die Rechtsextremisten 20,8 Prozent Zustimmung.

Seit den Kommunalwahlen 2009 sitzt die NPD mit zwei Vertretern im Gemeinderat (13,7 Prozent). Einer davon, Dirk Bahlmann, ist mehrfach vorbestraft, u.a., weil er einen Journalisten als „Judensau“ beschimpft hatte. Bei der letzten Landtagswahl trat der NPD-Mann als Direktkandidat für seine Partei an.

Der „Deutsch-Polnische Journalistenpreis“ wird von den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, den drei Woiwodschaften Lebuser Land, Niederschlesien und Westpommern sowie der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit verliehen. Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, lobte den Beitrag, den die Medien für die Verbesserung des deutsch-polnischen Verhältnisses geleistet hätten.

Neben dem „Fakt“-Beitrag wurde in der Kategorie Hörfunk eine Reportage der polnischen Journalistin Jolanta Rudnik von Radio Koszalin geehrte. Ein weitere Auszeichnung erhielt ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung („Der neue Schlesier“) von Konrad Schuller.

Foto: Screenshot

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