Rekordstand brauner Hassmusik

Die Zahl extrem rechter Musikveranstaltungen in Thüringen ist 2018 erneut angestiegen. Damit hat sie den höchsten Wert seit zwölf Jahren erreicht. 

Montag, 25. März 2019
Kai Budler

Die „Mobile Beratung in Thüringen“ (Mobit) zählte im vergangenen Jahr 71 extrem rechte Musikveranstaltungen. Damit fand 2018 in jeder Woche mehr als ein braunes Event mit musikalischer Begleitung landesweit statt. Dies ist die höchste Zahl seit Beginn der Messung durch Mobit im Jahr 2007.

Mobit führt den erneuten Anstieg auf die Vielzahl von „Liederabenden“ im Freistaat zurück, die mehr als die Hälfte der Gesamtzahl ausmachen. Die Zahl der Liederabende ist so groß, wie es im Jahr 2015 noch das Gesamtaufkommen an Rechtsrock-Konzerten war. Zudem beobachtet Mobit, dass die extrem rechten Organisatoren von Großveranstaltungen diese deutlich vergrößern und teilweise auf zwei Tage ausweiten wie beispielsweise die „Tage der nationalen Bewegung“ im Juni 2018 in Themar. Hinzu kämen Kampfsportwettbewerbe während der rechtsextremen Veranstaltungen, die zusätzliche Besucher/innen anlockten.

Immobilien im Besitz von Neonazis

Ein Blick auf die erhobenen Zahlen zeigt, welch große Bedeutung Szene-eigene Häuser für die Organisation von extrem rechten Musikveranstaltungen haben. Von den 71 Veranstaltungen fanden 67 Konzerte in geschlossenen Räumen statt. Ein Großteil davon waren Immobilien im Besitz von Neonazis wie der „Gasthof Goldener Löwe“ von Tommy Frenck oder Anwesen, auf die Neonazis problemlos Zugriff haben, wie das „Veranstaltungszentrum Erfurter Kreuz“ in Kirchheim. Sollte Rechtsrock in seinen verschiedenen Facetten nicht breit gesellschaftlich geächtet werden, könnte er als „normaler Bestandteil eines regionalen Musikangebots wahrgenommen“, werden, heißt es in der Mitteilung von Mobit. Deshalb sei es begrüßenswert, dass sechs Konzerte im vergangenen Jahr verhindert wurden und auch der Strafverfolgungswille der eingesetzten Polizeibeamten offensichtlich gestiegen sei. Dies wirke einer Normalisierung ebenso entgegen wie die Gegenproteste vor Ort.

Kategorien
Tags