Pressesprecherin der AfD in Brandenburg
Reichstagsstürmerin in Diensten der AfD
Die Pressesprecherin der AfD-Landesverbandes Brandenburg gehörte zu denen, die 2020 Polizeisperren überwanden, um zum Reichstag zu gelangen.
Sie rennt die Stufen hinauf, als wolle sie unter den Ersten sein. Es ist der 29. August 2020 und Femke Grops trägt einen sommerlichen langen geblümten Rock und weiße Turnschuhe, mit ihr läuft ein Mann mit grauer Jacke, Locken und in der Hand eine Reichsfahne mit Adler. Sie stürmen neben den „Corona-Rebellen Düsseldorf“ hinauf, bis sie endlich oben sind.
Grops stellt sich in Position, lächelt und formt mit den Fingern ein Herz in die Kameras. Der Mann klettert auf eine der Säulen. Sie sind umgeben von schwarz-weiß-roten Fahnen. Die Pandemie wütete in ihrem ersten Jahr und „Querdenken“ organisierte rechte Massenproteste mit radikalen ReichsbürgerInnen und antisemitischer Verschwörungsideologie.
Um die 38.000 Menschen sind es, die dem Aufruf nach Berlin am 29. August folgen. Jürgen Elsässers „Compact“ feiert die Massenproteste zu Beginn und zum Ende des Monats als „Tage der Freiheit“, fabuliert von einer Million Teilnehmenden und feiert die Reichsfahne als neues „Popsymbol“. Vor der russischen Botschaft randalieren an diesem Tag bereits Neonazis und Hooligans.
Ein harter Kern um Rüdiger Hoffmann von „staatenlos.info“ hält seine regelmäßige Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude ab, als die Stimmung auch dort beginnt, in Aggression umzuschlagen. Mit Falschmeldungen wie der, der amerikanische Präsident sei in Berlin und ausländische Soldaten seien bereit einzurücken, wurden gezielt Gerüchte gestreut, die die Menge zu dem Glauben verleiten sollten, das „Volk“ stehe nun auf.
Rund 500 wütende Rechte – darunter auch Holocaust-Leugnende wie Nikolai Nerling – überwanden daraufhin die Polizeisperren, um hinauf zum Deutschen Bundestag zu gelangen.
Es gelang Sicherheitskräften jedoch, einen aufgebrachten Mob vom Eindringen in das Gebäude abzuhalten. Als „Sturm auf den Reichstag“ geht das Ereignis in die bundesdeutsche Geschichte ein. Ein halbes Jahr später wird es einen vergleichbaren Versuch in den USA mit der Erstürmung des Kapitols in Washington geben, der jedoch weitaus blutiger endet.
Doch auch Berlin war keine Lappalie. Betroffene PolizistInnen berichten der „ZEIT“ von Fußtritten, Faustschlägen und Angriffen mit Fahnenstangen. Deren KollegInnen wurden verletzt; sie sagen der Zeitung: „Das war ein klassischer Anschlag auf die deutsche Demokratie.“ Femke Grops war unter den Treppenstürmern, das belegen Fotos und Videos - heute ist sie Pressesprecherin des AfD-Landesverbands Brandenburg. Nachfragen der Autorin beantwortet sie nicht.
Im Widerstand
Grops hat enge Bezüge nach Niedersachsen. 2023 fuhr sie in einem Auto mit Nienburger Kennzeichen zur Hochzeitsfeier der ehemaligen Anführerin des „Sturmvogel - Deutscher Jugendbund“ mit dem Sohn eines hochrangigen Mitarbeiters der „Jungen Freiheit“.
Der „Sturmvogel“ wurde für diesen Zeitraum vom niedersächsischen Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft. Mitgegründet hat ihn die NPD-Ikone Edda Schmidt, eine Großmutter der Braut. Der Hof der Familie in Masendorf zählt zu den wichtigen völkischen Treffpunkten.
Von der NPD bis zum AfD-Landtagskandidaten finden sich dort regelmäßig Gleichgesinnte ein. Die Braut Almut B. studierte 2021 in Dresden auf Lehramt und trat bei einer extrem rechten Protestaktion von „Studenten stehen auf“ im Rahmen der Corona-Proteste als Rednerin auf. Mit dabei: Femke Grops. Sie dokumentierte die Inszenierung.
Gemeinsam mit Paul Klemm vom Compact-Magazin nahm sie bereits im Mai 2021 an einem Autokorso gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen in Berlin teil. Hinten neben Klemm saß Influencer „Zorro Kenji“ alias Eric Protzner. Er filmte und veröffentlichte die Fahrt im Mai 2021 bei YouTube unter dem Titel „Zorro Kenji Show“.
„Femke, du wohnst doch jetzt in Sachsen, wie ist das so?“, fragt Zorro Kenji in dem Video. Sie berichtet begeistert vom „gallischen Dorf“ Zwönitz im Erzgebirge. Wenig zuvor sei dort eine Gemeindeversammlung gegen Corona-Schutz-Auflagen abgehalten worden und die Polizei schritt laut Grops „aggressiv und übergriffig“ ein, „unnötig gewaltsam“.
Doch es habe massenhaft Solidarität mit den Protestierenden gegeben, „da hat man mal vorgemacht, wie das geht“. Die Gewalt gegen Sicherheitskräfte blendet sie in dem Gespräch aus. Eine ehemalige AfD-Stadträtin, die einem Polizisten in den Arm gebissen hatte, wurde später zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Von den "Alternativmedien" direkt in die Parteizentrale
Die spätere Pressesprecherin offenbart sich als begeisterter Fan extrem rechter Straßenproteste. 2024 war sie bei einem „Pegida“-Protest in Dresden für den extrem rechten Internetsender AUF1 unterwegs. Im selben Jahr verkündete die AfD Brandenburg, dass Grops neue Pressesprecherin wird.
„Mit ihren Erfahrungen als freie Journalistin bei alternativen Medien wird sie für uns eine Bereicherung sein“, ließ der Landesvorsitzende René Springer verlauten. Die Personalie scheint bestens zu passen, denn der stramm rechtsextreme brandenburgische Landesverband der AfD versteht sich dezidiert als „Bewegungspartei“, sucht ebenso die Nähe zu Straßenprotesten wie die zu „Alternativmedien“.
Wenige Verurteilungen
Die illegale Erstürmung des Reichstags blieb ohne spürbare Konsequenzen. Laut Fachportal „Belltower.News“ gab es rund 300 Ermittlungsverfahren, darunter 77 Fälle von Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und weiteren Delikten. Bis zum Sommer 2024 konnten in 364 Ermittlungsverfahren 89 Beteiligte ermittelt werden, sechs Personen wurden zu Geldstrafen von rund 2.000 Euro verurteilt.