von Robert Scholz
   

Reconquista: Klamotten für den neurechten Provokateur

Für Neonazis gibt es Kleidung en masse: Thor Steinar, Erik and Sons, Consdaple... Und auch an Anbietern solcher Kleidung mangelt es dem szenebewussten Neonazi nicht. Bei den Neuen Rechten, die sich bewusst vom Image der Ewiggestrigen lösen wollen, gab es bislang keine Einheit stiftenden Markenzeichen zum Anziehen. Einen ersten Versuch, eine solche Marke zu etablieren, gibt es nun: Reconquista.



Ein richtiger Versandhandel ist es zwar nicht - die Produkte werden von Spreadshirt hergestellt und auch versandt -, aber zumindest ist es der Versuch, subtile Botschaften unter das Volk zu bringen. Schon der Name des Shops „Reconquista" (span. Rückeroberung) gibt dabei die Richtung vor: Als Reconquista wird die Rückereroberung der Iberischen Halbinsel durch die Christen bezeichnet, die die muslimischen Eroberer zwischen 718 und 1492 wieder verdrängten.

Das Christentum scheint es dem Shop-Betreiber, Arne Michael Schemmerling (als Inhaber der Domain firmiert Thomas Michael aus Halle), angetan zu haben. Vielleicht auch als Alternative zum Neuheidentum der rechtsextremistischen Szene, die sich mit den von ihr gewählten Marken „Thor Steinar" sowie „Erik and Sons" stark an die nordische Mythologie anlehnt.

Bei Reconquista findet man hingegen an anderer Stelle wiederum den expliziten Bezug zum Christentum. So lautet ein Ausspruch auf den Motiven „Deus lo vult" - „Gott will es". Mit „Deus lo vult" antwortete die Menschenmenge Papst Urban II., als er 1095 in einer Predigt zur Eroberung Jerusalems aufrief und damit den ersten Kreuzzug begründete. Laut Wikipedia legt der Ausdruck Zeugnis ab „für ein religiöses Sendungsbewusstsein, das zur Erreichung seiner Ziele jegliche Form der Gewalt einzusetzen bereit war."

buergerkrieg.jpgDas Motiv U-Krieg ist mit „BUergerkrieg" beschriftet. Das „U" ist im Stile des U-Bahn-Zeichens hervorgehoben. Wahrscheinlich eine Anspielung auf den brutalen Angriff zweier Jugendlicher mit Migrationshintergrund auf einen Rentner Ende des vergangenen Jahres: Der Mann hatte die Jugendlichen aufgefordert ihre Zigaretten in der U-Bahn-Station auszumachen, woraufhin er Krankenhaus reif geschlagen wurde. Grund genug für einen Bürgerkrieg? Auf jeden Fall für den Betreiber Indiz, dass es mit anderen Kulturen nicht zu einem friedlichen Zusammenleben kommen kann. Diese Meinung unterstreicht auch das Motiv: „Bunte Republik abwickeln", das durch ein schwarz-rot-goldenes Wollknäuel ergänzt wird.

ritzen_gegen_rechts.jpgDes Weiteren findet sich ein T-Shirt für Patrioten im Bionade-Look im Angebot sowie ein mit Hilfe von Rasierklingen stilisiertes Hakenkreuz unter der Parole „Ritzen gegen Rechts", das offenkundig auf den Fall Mittweida anspielt.

Menschenrechte stoßen auch nicht auf besonders große Gegenliebe. Denn eine Menschheit gäbe es gar nicht, so muss man wohl das Motiv mit dem Carl Schmitt-Zitat „Wer Menschheit sagt, will betrügen" verstehen. Carl Schmitt, einer der Lieblingstheoretiker der Neuen Rechten, gibt denn auch einen Hinweis auf den Hintergrund des Shop-Projekts. Die jungen Konservativen, die sich um die Schülerzeitung „Blaue Narzisse" scharen, sind bislang die einzigen, die ein Wort über den Onlineversand verloren haben. Und auch auf der Homepage der konservativ-subversiven Aktion von Felix Menzel und Götz Kubitschek ist der Laden verlinkt.

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