von Oliver Cruzcampo
   

Rechtsrock-Veranstalter kauft Schloss – und meldet Konzert an

Ein bekannter Organisator von Rechtsrock-Konzerten hat unweit von Magdeburg ein Schloss samt Großgrundstück erworben. Bereits Ende Mai soll es dort die erste Musik-Veranstaltung geben – eine der größten im gesamten Bundesgebiet.

Erst Montagnachmittag berichtete der NDR, dass der bekannte Neonazi Oliver Malina aus Salzgitter ein Schloss erworben haben soll. Dabei handelt es sich um das Schloss Groß Germersleben, welches Ende März versteigert wurde. Malina soll für 12.000 Euro den Zuschlag erhalten haben, dafür ist jedoch nicht nur das baufällige Gebäude, sondern auch eine rund 48.000 m² große Fläche in seinen Besitz übergegangen.

Schnell wird klar, dass Malinas Interesse an einer Restaurierung des Schlosses überschaubar sein dürfte. Das Barockgebäude wurde 1999 bei einem Brand fast vollständig zerstört, die Kosten für eine Instandsetzung dürften ein Vielfaches der Kaufsumme betragen.

Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass der umtriebige Neonazi das Grundstück in Zukunft für Veranstaltungen der rechtsextremen Szene nutzen wird. Auch die NPD, die seit Jahren mehr oder weniger erfolglos nach der Suche nach Immobilien ist, dürfte ob der Neuigkeiten hellhörig werden. Zuletzt wollte die rechtsextreme Partei ihren Bundesparteitag gar in einem Zelt abhalten – doch auch daraus wurde nichts.

Etliche Rechtsrock-Konzerte und vermeintlich unpolitische Veranstaltungen organisierte Malina in den vergangenen Jahren in der kleinen Gemeinde Nienhagen, die nur rund 20km von dem neuen Grundstück des Rechtsextremen entfernt ist. Allein 2012 sollen dort insgesamt sechs rechtsextremistische Veranstaltungen stattgefunden haben.

Doch dann gründete sich das „Bürgerbündnis Nienhagen-Rechtsrockfrei“ und kämpfte an vorderster Front gegen die braunen Umtriebe in dem kleinen Dorf. Eine beachtliche Leistung – bedenkt man, dass die Gemeinde auf gerade einmal 380 Einwohner kommt. Zudem konnten sie dem Vermieter des alljährlichen Veranstaltungsortes ein Bekenntnis abringen. Sollte sich die Mehrheit der Dorfgemeinschaft gegen eine weitere Vermietung der „Alten Hopfendarre“ aussprechen, würde der Mann es nicht mehr für Rechtsrock-Konzerte zur Verfügung stellen. 80 Prozent waren es anscheinend leid, Jahr für Jahr Hunderte Neonazis in ihr Dort einmarschieren zu sehen, begleitet von ebenso mehreren Hundertschaften der Polizei.

Allem Anschein nach hat der Vermieter sein Wort gehalten, denn Malina will bereits Ende Mai auf dem an das Schloss angrenzende Grundstück seine „Skinhead-Party“-Reihe fortsetzen, die in den Jahren zuvor noch in der „Alten Hopfendarre“ stattfand. Laut MDR hätte er dafür beim Ordnungsamt bereits einen Antrag eingereicht. Dieter Klenke, Bürgermeister von Oschersleben, hat derweil harte Auflagen angekündigt, warnte aber gleichzeitig vor den einschlägig bekannten Anwälten des Veranstalters.

Für den 25. Mai kündigt Malina bereits seine nächste „Skinhead-Party“ unter dem Motto „This one´s for the Skinheads again“ an. Auf dem Veranstaltungsflyer heißt es noch „Der genaue Ort wird 3-4 Wochen vor Konzertbeginn bekannt gegeben“ - mittlerweile ist jedoch klar, dass es sich um Groß Germersleben handelt. 22 Euro müssen für das braune Festival berappt werden.

Etliche Wochen vor dem eigentlichen Event war das Konzert im vergangenen Jahr bereits ausverkauft. Mit immerhin 1.200 verkauften Tickets hat Malina eines der größten Rechtsrock-Konzerte in Deutschland überhaupt etabliert. Sollte es dem Veranstalter auch in diesem Jahr gelingen, die Auflagen umzusetzen, dürfte die Durchführung kaum zu verhindern sein.

Ein Blick auf die angekündigten Bands lässt zudem erahnen, dass die Zahl der anreisenden Anhänger erneut im vierstelligen Bereich anzusiedeln sein dürfte. Publikumsmagnet wird – wie bereits 2012 – erneut die Band „Endstufe“ aus Bremen sein. Dazu gesellt sich das „Kommando Skin“, dass sich auf ihrer Webseite als „Willkommen in der Braunzone“ ankündigt, sowie die Hamburger Gruppe „Abtrimo“.

Explizit richtet sich Malina erneut auch an internationale Gäste. Nicht nur die Einladungen werden auf Englisch verschickt, auch drei der insgesamt sechs Bands stammen aus dem Ausland. Die aus Belgien stammende Gruppe „Short Cropped“ spielten bereits 2009 in Leipzig. Das Konzert musste damals von der Polizei aufgelöst werden, da volksverhetzende Lieder gespielt worden seien. Aus dem Norden reisen „The Wrongdoers“ an – eine nach eigenen Angaben – Skinhead-Rockband aus Helsinki. Die weiteste Anreise muss die Gruppierung „Brassic“ aus Los Angeles auf sich nehmen. In einem Interview beschreiben sie sich selbst als rechtsextrem – und seien „stolz darauf“.

Foto: St. Heide

Kommentare(6)

Peter Mittwoch, 10.April 2013, 11:02 Uhr:
Namen sind wohl doch nicht nur Schall und Rauch? Ob der Neonazi Oliver Malina weiß, dass sein Nachname das polnische Wort für Himbeere oder auch Himbeerstrauch ist? „Wpu?ci? kogo? w maliny“ ist eine beliebte Redewendung im Polnischen und bedeutet „jemanden verschaukeln“. Da ist wohl jemand – vermutlich unbewusst – seinem Namen gerecht geworden.
Bleibt zu hoffen, dass Politiker und Bürgergesellschaft um Groß Germersleben / Oschersleben sich nicht verschaukeln lassen, Ihrer Verantwortung gerecht werden und keinen neuen Neonazi-Treffpunkt dulden.
 
Björn Mittwoch, 10.April 2013, 16:07 Uhr:
@Peter

"Bleibt zu hoffen, dass Politiker und Bürgergesellschaft um Groß Germersleben / Oschersleben sich nicht verschaukeln lassen, Ihrer Verantwortung gerecht werden und keinen neuen Neonazi-Treffpunkt dulden."

Auf welchen gesetzlichen Grundlagen sollte der Treffpunkt ihrer Meinung nach nicht geduldet werden? Oder sollten Rechte für Andersdenkende ihrer Meinung nach nicht gelten?
 
Ein Nienhagener Donnerstag, 11.April 2013, 08:09 Uhr:
@Björn

Schlagen Sie doch bitte wenigstens mal die Wortbedeutung des Begriffes "Duldung" im Duden nach, bevor Sie den nächsten Kommentar ablassen.

Eventuell eröffnet sich dann die Unsinnigkeit der Forderung nach "gesetzlichen Grundlagen".
 
Björn Dienstag, 16.April 2013, 14:00 Uhr:
@Nienhäger

Ich kenne die Bedeutung des Begriffes. Daher habe ich ja auch gefragt auf welcher rechtlichen Grundlage diese Nichtduldung basieren soll. Denn Nichtduldung ist das Verhindern von Handlungen und Haltungen Anderer. Hättest du mal im Duden nachgeschaut, dann hättest du dir diesen Kommentar sparen können.

Also @Peter, auf welcher rechtlichen Grundlage sollen deiner Meinung nach die Politiker und die Bürgerschaft die Handlungen und Haltungen des Herrn Malina und seiner Gäste nicht zulassen?
 
Roichi Dienstag, 16.April 2013, 21:25 Uhr:
@ Björn

"Ich kenne die Bedeutung des Begriffes."

Daran bestehen ernste Zweifel. Erst Recht nach deinen Aussagen.

"Also @Peter, auf welcher rechtlichen Grundlage sollen deiner Meinung nach die Politiker und die Bürgerschaft die Handlungen und Haltungen des Herrn Malina und seiner Gäste nicht zulassen?"

Freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit.
Ach nee, bei dir wird daraus dann aj wieder Gewalt und Ähnliches, wenn es gegen die Kamerraden ist.
 
Ein Nienhagener Mittwoch, 17.April 2013, 07:14 Uhr:
@Björn
"Denn Nichtduldung ist das Verhindern von Handlungen und Haltungen Anderer"

Meine Güte, Björn. Sind Sie wirklich nicht fähig, den Duden fehlerfrei zu bedienen?

Also ganz langsam, nur für Sie:

Sie kritisierten das Wort "Duldung":

Duldung, Substantiv, feminin,
Bedeutungsverweis auf "das Dulden"

Bedeutungsdefinition von "das Dulden": "aus Nachsicht fortbestehen lassen, ohne ernsthaften Widerspruch einzulegen oder bestimmte Gegenmaßnahmen zu ergreifen; zulassen, gelten lassen"

Und die Zulässigkeit von "Widerspruch" finden Sie in Art 5 Abs. 1 S.1 GG geregelt. Lesen Sie doch wenigstens einmal das GG.

Ach ja. Synonyme für "dulden" (als Synonym bezeichnet man übrigens bedeutungsgleiche Wörter):
akzeptieren, annehmen, billigen, durchgehen lassen, einräumen, sich einverstanden erklären, einverstanden sein, einwilligen, gelten/geschehen lassen, gestatten, gewähren lassen, hinnehmen, zugeben, zugestehen, zulassen; (bildungssprachlich) konzedieren, sanktionieren, tolerieren; (umgangssprachlich) absegnen, sich gefallen lassen.


Übrigens, Björn. Niemand muss sich widerspruchslos gefallen lassen, dass die braune Horde wieder ein Dorf in Haft nimmt und die Lebensqualität und Vermögenswerte von Bürgern vernichtet.
 

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