von Tim Mönch
   

Rechtsrock in Thüringen: Tommy Frenck eröffnet Festivalsaison

Am Samstag fand im südthüringischen Kloster Veßra ein Konzert mit der Rechtsrock-Band „Sturmwehr“ statt. Auf Einladung von Veranstalter Tommy Frenck erschienen etwa 200 Neonazis zu dem Konzert im Garten seines Gasthauses „Goldener Löwe“. Die Zukunft der Immobilie ist derweil noch ungewiss.

Rechtsrock-Sänger Jens Brucherseifer, Foto: Tim Mönch

In dem kleinen Garten hinter der Gaststätte waren dicht an dicht mehrere Pavillons aufgebaut. Darunter befanden sich die Bühne, der gut frequentierte Getränkeausschank und ein Werbestand der NPD. Vor den rund 200 Gästen, die in das südthüringische Dorf gekommen waren, spielte am Nachmittag zunächst der Sturmwehr-Sänger Jens Brucherseifer zusammen mit einem weiteren Gitarristen ein Akustikkonzert, bevor am Abend E-Gitarren und Schlagzeug ausgepackt wurden. Vor einem in Teilen stark alkoholisierten Publikum spielte das „Sturmwehr“-Trio dann eine weitere Stunde ihre extrem rechten Lieder.

Zwischen den Konzerten hielt der Landesvorsitzende der Berliner NPD, Sebastian Schmidtke, eine Rede, in der er die aktuelle NPD-Wahlwerbung „Migration tötet“ als nicht volksverhetzend verteidigte und sich beschwerte, dass das ZDF sich weigere, den Wahlwerbespot im Fernsehen zu zeigen. Zudem forderte er die Anwesenden auf, die vielen Rechtsrock-Konzerte nicht nur als komerzielle Events wahrzunehmen, sondern die Veranstaltungen als Belohnung für tatsächliche politische Arbeit zu betrachten.

Bundes- und europaweite Anreise

Zu der als öffentlichen Versammlung angemeldeten Veranstaltung reisten Personen aus dem halben Bundesgebiet und vereinzelt auch aus dem Ausland an, wie ein Pärchen mit Kleinkind, das aus der Schweiz kam. Die meisten Teilnehmer waren aus Thüringen und Sachsen nach Kloster Veßra gekommen, darunter auch Teile einer Reisegruppe aus Nordsachsen, die vor zwei Wochen noch an einem Neonazi-Konzert in Italien teilnahm. Dort hatten nach Berichten von Zeit Online bis zu 1500 internationale Neonazis den Geburtstag von Adolf Hitler gefeiert, viele davon in Kleidung der in Deutschland verbotenen Organisation „Blood&Honour“.

Konzerte als Vernetzungstreffen für militante Neonazis?

„Blood&Honour“ wurde vom Briten Ian Stuart Donaldson, Sänger der Band „Skrewdriver“, mit dem Ziel gegründet, die neonazistische Musikszene international zu vernetzen. Zudem besteht mit „Combat 18“ - ein Code für "Kampftruppe Adolf Hitler" - ein bewaffneter Arm der Rechtsrock-Organisation. Der Gruppe mit Ablegern in ganz Europa werden diverse erfolgreiche und vereitelte Anschläge zugerechnet.

Symbole des verbotenen "Blood&Honour"-Netzwerks sind keine Seltenheit auf rechtsextremen Konzerten, Foto: Tim Mönch

Rechtsrock-Konzerte stehen im Ruf als Vernetzungstreffen für weiterhin aktive „Blood&Honour“-Akteure zu dienen. Auch beim Sturmwehr-Konzert in Kloster Veßra waren mehrfach Symbole und Zahlencodes mit Bezug zu der verbotenen Neonazi-Organisation zu sehen. Auf dem kahlgeschorenen Schädel eines Ordners war eine tätowierte „28“ - ebenfalls ein Zahlencode für die Gruppierung - zu sehen, ein Besucher trug eine Jacke der Band „Skrewdriver“ und den Pullover eines weiteren Besuchers zierte das Kürzel „C18“ (Combat 18).

Konzerte sind hoch profitabel

Für Veranstalter Tommy Frenck dürfte das Konzert finanziell äußerst lukrativ gewesen sein, denn neben den „Spenden“, die am Einlass verlangt wurden, wurden große Mengen alkoholischer Getränke verkauft. Zudem erwarben viele der Besucher T-Shirts und Pullover in Frencks Laden oder aßen in seinem Restaurant. Teile der Einnahmen dürften dabei wiederum in rechtsextreme Strukturen fließen.

Dabei ist aber fraglich, wie lange Frenck seine Geschäfte noch aus dieser Immobilie in Kloster Veßra führen kann. Denn laut Berichten von Spiegel-Online ist Frenck gar nicht Besitzer der Immobilie, da aktuell noch ein Rechtsstreit läuft, in dem die Kommune versucht, ein Vorkaufsrecht mit Verweis auf den Denkmalschutz geltend zu machen. 

Konzert nur der Start in die Festival-Saison

Egal wie der Rechtsstreit ausgehen wird - das Geschäft mit Rechtsrock boomt weiter. Das zeigt ein Blick auf die kommenden Veranstaltungen in Thüringen. Schon am 25. Mai lädt der Unternehmer Frenck zum nächsten Konzert, diesmal mit der Band Sleipnir im nahegelegenen Themar. Dort findet am ersten Juliwochenende auch wieder das Festival „Tage der nationalen Bewegung“ statt, das ebenfalls von Frenck organisiert wird. Zusätzlich lädt der Thüringer NPD-Vorsitzende Thorsten Heise schon am 18. Mai zum „Eichsfeldtag“, einem weiteren Rechtsrock-Festival in Thüringen.

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