von Oliver Cruzcampo
   

Rechtsrock im Thinghaus

Seit Jahren sinkende Mitgliederzahlen und öffentlich kaum noch wahrnehmbare Aktionen dürften ein Grund sein, aus dem die NPD Ende August zu einem Sommerfest lädt. Im Thinghaus in Grevesmühlen sollen neben Parteichef Franz vor allem Rechtsrock-Bands auftreten, darunter der Sänger von Oidoxie.

Das Thinghaus in Grevesmühlen, der wichtigste Szene-Treffpunkt in M-V.

Am 31. August will der Landesverband der NPD Mecklenburg-Vorpommern ein Sommerfest durchführen. Nachdem die Veranstaltung zwar bereits seit einigen Wochen beworben, der Ort jedoch geheim gehalten wurde, geht die rechtsextreme Partei damit nun an die Öffentlichkeit. Eine Überraschung ist es kaum – gefeiert werden soll im Thinghaus in Grevesmühlen.

Beworben werden, wie bei ähnlich gelagerten Szene-Events, vor allem Bands und Musiker. So wird Karin Mundt angekündigt, die unter dem Namen „Wut aus Liebe“ auftritt, die größtenteils unbekannte Gruppe „Flatlander“ und „Ungebetene Gäste“, die einzigen Musiker aus Mecklenburg-Vorpommern.

NPD-Parteivorsitzender als Redner

„Headliner“ dürfte jedoch Marko Gottschalk sein, Sänger der Band „Oidoxie“, der für die Rechtsrock-Veranstaltung allerdings ohne Band angekündigt wird. Zuletzt trat „Oidoxie“ Anfang Juli im thüringischen Themar auf, ebenfalls vor Ort und in die Organisation eingebunden: Stefan Köster, Landesvorsitzender der NPD.

Die Band Oidoxie wird immer wieder mit Combat18 in Verbindung gebracht. Der Neonazi-Gruppierung, die vor allem im Bereich Musik aktiv ist, hat die Band das Lied „Terrormachine Combat 18“ gewidmet.

Neben den vier Bands wird ein Redebeitrag des Parteichefs Frank Franz angekündigt. Fehlen dürfen nicht Stefan Köster und Udo Pastörs, die auf annähernd allen NPD-Demos der letzten Jahre am Mikrofon standen. Der 66-jährige Pastörs hat sich seit dem Verlust der Landtagsfraktion 2016 jedoch größtenteils aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Fehlendes Gutachten schränkt Nutzung ein

Eingeladen zu dem NPD-Sommerfest seien laut Ankündigung „Mitglieder, Freunde und Förderer“. Dabei wird prominent darauf hingewiesen, dass es sich um eine nicht-öffentliche Veranstaltung handelt. Bemerkenswert ist, dass die NPD, die für gewöhnlich äußerst konspirativ agiert, den Event öffentlich bewirbt. Dies dürfte vor allem den letzten erfolglosen Jahren geschuldet sein. Die Zahl der Mitglieder ging von über 400 auf 250 zurück, der Kampf um den Nachwuchs gestaltet sich schwierig. Viele ehemalige Aktivposten haben sich zurückgezogen und versuchen sich seitdem als Kleinstunternehmer. Somit dürfte die Veranstaltung auch darauf abzielen, neue Interessenten an die Partei zu binden.

Bereits um 14 Uhr soll es im Thinghaus in Grevesmühlen losgehen. Hintergrund für den frühen Beginn dürfte auch der Umstand sein, dass in dem Szene-Objekt ab 22 Uhr Zimmerlautstärke herrschen muss. Sollte danach Musik gespielt werden, müsste Eigentümer Sven Krüger ein Schallgutachten nachweisen. Dies ist jedoch bislang nicht passiert, ein grundsätzliches Problem für den wichtigsten Szene-Treffpunkt des Bundeslandes. Gut vorstellbar, dass die NPD, die früher auch Bürgerbüros im Thinghaus unterhielt, so Spenden eintreiben will.

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