von Marc Brandstetter
   

Rechtsextremismus-Expertin Röpke: Neonazis in M-V „gefährlich verankert“

In Schwerin stellte die bekannte Fachautorin Andrea Röpke heute ihr neustes Buch über die gesellschaftliche Verwurzelung der extrem rechten Szene in Mecklenburg-Vorpommern vor. Mit „Gefährlich verankert“, das von der SPD-Landtagsfraktion herausgegeben wird, liefert sie einen tiefen Blick in deren Netzwerke. Nachholbedarf sah die Expertin beim Verfassungsschutz und der Aufarbeitung der NSU-Mordserie.

Andrea Röpke - hier zusammen mit Manuela Schwesig - stellt ihr neues Buch vor (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Mecklenburg-Vorpommern steche im Vergleich zu anderen Bundesländern heraus, sagte Andrea Röpke am heutigen Vormittag auf einer Sonder-Landespressekonferenz im Schweriner Schloss. In den letzten 20 Jahren habe sich das Ostseebundesland zu einem Erprobungsgebiet rechtsextremer Netzwerke und Subkulturen entwickelt. Weiter erklärte die 49-Jährige: „Die Szene ist im Fluss“.

Die Konzentration auf die NPD, die hierzulande bekanntlich über ihre letzte Landtagsfraktion verfügt, greife zu kurz, stellte sie mit Blick auch auf den Landesverfassungsschutz fest. Die Behörde klammere viele Bereiche wie Mvgida, die rechtsextreme Siedlerbewegung oder rassistische Sekten weitgehend aus. Dabei lasse das Maß an kultureller Unterwanderung, wirtschaftlicher Verflechtung und gesellschaftlicher Vereinnahmung durch Rocker, Bürgerwehren, Siedlergemeinschaften und Firmenkonglomerate aufhorchen. „Gefährliche Entwicklungen, wie z.B. die Rattenfängeraktivitäten der inzwischen verbotenen `Heimattreuen Deutschen Jugend´, wurden damals von offizieller Seite erst spät thematisiert und rechte Kontakte ins Rotlichtmilieu vielfach bis heute noch gar nicht identifiziert“, kritisierte die vor wenigen Wochen mit dem Paul-Spiegel-Preis ausgezeichnete Journalistin. Auf Nachfrage bestätigte die Sachverständige verschiedener NSU-Untersuchungsausschüsse die „gute und wichtige“ Arbeit dieser Gremien. In Mecklenburg-Vorpommern seien hingegen noch viele Fragen offen.

Tarnen und Täuschen

In neun Kapiteln nimmt Röpke alle Facetten der extrem rechten Bewegung in Mecklenburg-Vorpommern unter die Lupe. Die Recherchen zu dem Buch dauerten zwei Jahre. „Neonazis zu erkennen wird schwieriger“, mahnte die Autorin. Organisierte Menschen mit rassistischem Weltbild tarnten sich „durch Normalität innerhalb einer Gesellschaft voller Alltagsressentiments“. Diese neuen Netzwerke, so Röpke weiter, „gehen zur Erreichung ihrer Ziele konspirativ und manipulierend vor, oft sogar gepaart mit einer subtilen Atmosphäre, die einschüchtern soll.“

Norbert Nieszery, Andrea Röpke und Manuela Schwesig 

Viele Menschen verschließen hiervor die Augen, Prävention sei so wichtig wie eh und je, ergriff Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) das Wort. Weiter sagte sie: „Hier in meiner Heimat habe ich selbst erlebt, was es bedeutet, wenn Rechtsextreme ganze Dörfer tyrannisieren und im Landtag gegen Flüchtlinge hetzen. Das hat mich sensibilisiert für alle Formen der Ausgrenzung, Abwertung und Verfolgung. Mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ möchte ich die Zivilgesellschaft stark machen, damit sie demokratiefeindlichen und menschenverachtenden Tendenzen in unserem Land weiterhin die Stirn bieten kann“. Die Gefahr des Rechtsextremismus dürfe nicht nur an NPD-Wahlergebnissen gemessen werden, betonte die frühere Sozialministerin.

Pflicht zur Information

Warum die SPD dieses Buch herausgebe, führte der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten, Norbert Nieszery, aus: „Als größte Fraktion im Schweriner Landtag sehen wir es als unsere Pflicht an, auf diese gefährlichen Entwicklungen hinzuweisen, Belege zu liefern, Verbindungen aufzuzeigen und vor rassistischen Biedermännern und -frauen zu warnen, die zu Brandstiftern werden.“

Das Buch „Gefährlich verankert – Rechtsextreme Graswurzelarbeit, Strategien und neue Netzwerke in M-V“ kann online in der SPD-Landtagsfraktion MV bestellt werden. www.spd-fraktion-mv.de/buchbestellung oder buchbestellung@spd.landtag-mv.de.

Kommentare(3)

kammerjäger Donnerstag, 30.April 2015, 16:27 Uhr:
Tja, da dürfte das gutmenschliche Klische vom dummen, hartzenden "Nazi", Rassisten", Pegidisten widerlegt sein. Immer schön zu sehen, wenn Gutmensch das selber macht... Ihr seit einfach zu komisch...lol.
 
Irmela Mensah-Schramm/"Hass vernichtet" Freitag, 01.Mai 2015, 09:22 Uhr:
Was sich in MV abspielt, habe ich längst erkannt und selbst erlebt.
Zum Beispiel, als ich vor 2 Tagen in Güstrow war.....wie immer auf der Suche nach Nazipropaganda.
Lange mußte ich nicht suchen und wunderte, das heißt, ich ärgerte mich sehr, feststellen zu müssen, dass z.B. die Bahn nicht ihrer Verpflichtung nachkommt gegen NS-Schmierereien in ihrem Geltungsbereich vorzugehen.
Ich fand in der hinteren Unterführung massenhaft alte (!) NS-Schmierereien, auch unter Verbot stehende NS-Symbole. Hier hätte die Verpflichtung der Eigentümer bestanden, diese unverzüglich zu beseitigen!
Ich werde dran bleiben - und wenn es sein muss - selbst Hand anlegen!
Seltsamer Weise ist man dann schnell dabei dagegen polizeilich vorzugehen.
Dieses Tempo hätte ich mir mehr gewünscht bei den eigentlichen Verursachern!
 
Roichi Samstag, 02.Mai 2015, 14:11 Uhr:
@ Kammerjäger

Du hast also mal wieder nicht verstanden, worum es geht.
Hauptsache eine Parole gefunden, die annähernd ziehen könnte.
Und wieder daneben gegriffen.

Dass die Kamerraden versuchen "normal" zu wirken ist ja nun hinlänglich bekannt.
 

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