GfP-Jahreskongress

Rechtsextreme Tagung in Thüringen

Dem Generalthema "Welt im Ausnahmezustand – Wohin treibt Deutschland?" widmet sich der Jahreskongress der Gesellschaft für freie Publizistik (GfP). Getagt wird vom 28. bis 30. August in einem "Gasthof in Thüringen"  (im Herzen Deutschlands).

Dienstag, 11. August 2026
Anton Maegerle
Werbung für die Veranstaltung auf der Homepage der GfP - Screenshot
Werbung für die Veranstaltung auf der Homepage der GfP - Screenshot

Die GfP mit Sitz in München wurde 1960 von einstigen SS-Offizieren und NSDAP-Funktionären in Frankfurt/Main gegründet. Ihre jahrzehntelange Bedeutung als die mitgliederstärkste rechtsextreme "Kulturvereinigung" und größtes überparteiliches Sammelbecken von rechtsextremen Verlegern, Redakteuren, Publizisten, Schriftstellern und Buchhändlern hat der Verein mangels Nachwuchs zwischenzeitlich eingebüßt. Dennoch bleibt die GfP weiterhin einer der bekannteren Akteure in der rechtsextremen Szene.

Aktivist gegen das "Corona-Regime"

In der Einladung zum Jahreskongress wird eine angebliche „Verschärfung der innenpolitischen Lage“ beklagt. Demnach werde, „angestachelt von Brüssel“, die Meinungsfreiheit in der Europäischen Union „immer mehr eingeschränkt“. Am Beispiel Südtirols will Jürgen Wirth-Anderlan, vormals Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes und seit 2023 Abgeordneter im Südtiroler Landtag in Bozen, den „Wahnsinn“ der Brüsseler EU-Politik skizzieren. Wirth-Anderlan ist in einschlägigen Kreisen als Aktivist gegen das „Corona-Regime“ bekannt und referiert zu „Fremdbestimmt von Rom und Brüssel – Südtirols unbeugsamer Weg zur Freiheit“. Seine Liste JWA ist direkt nach ihm benannt.

Karl Richter, einer der angekündigten Referenten, hier mit der AfD-Politikerin Doris von Sayn-Wittgenstein bei einer gemeinsamen Demonstration von Neonazis, Querdenkern und Reichsbürgern in Ramstein im Februar 2023.
Karl Richter, einer der angekündigten Referenten, hier mit der AfD-Politikerin Doris von Sayn-Wittgenstein bei einer gemeinsamen Demonstration von Neonazis, Querdenkern und Reichsbürgern in Ramstein im Februar 2023.

Zum Generalthema "Welt im Ausnahmezustand – Wohin treibt Deutschland?" sprechen bei der GfP-Tagung der "Volkstumsaktivist" Jürgen Hösl, der Historiker Mario Kandil, die Publizisten Melanie Dittmer, Karl Richter und Andreas Thierry.

Hösl ist Herausgeber des geschichtsrevisionistischen Periodikums „Vergißmeinnicht. Aktion gegen das Vergessen." Der „Bekenntnis-Schlesier" (Eigenbezeichnung) Hösl wurde 2006 in Polen wegen „Aufstachelung zum Rassenhass" verurteilt. Ende 2000 fungierte er zeitweilig als Bundesvorsitzender der „Schlesischen Jugend". Hösl: „Wenn man sich umfassend für Deutschland, seine Kultur und Geschichte interessiert, dann gehören Schlesien, Ostpreußen oder Pommern einfach dazu."

Kandil publiziert in zahlreichen Periodika wie "Deutsche Militärzeitschrift" oder "Der Eckart". Er tritt als Referent auf, u. a. bei der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt (ZFI). Sein Vortragsthema beim Kongress: Umerziehung in Deutschland – „Geschichtspolitik“ und „Vergangenheitsbewältigung“ als linkes Kampfmittel.

Dittmer ("Diskurs statt Abwehr – Wie Themen gesellschaftliche Akzeptanz erreichen") war unter anderem Vorstandsmitglied der Bürgerbewegung PRO NRW, Pressesprecherin von Pegida-NRW und später identitäre Aktivistin.

Richter ("Untergang, Transformation, Neubeginn: Deutschlands neue Stunde Null") war Münchner Stadtrat der "Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA), NPD-Bundesvize und Chefredakteur der "Deutschen Stimme".

Der Österreicher Thierry referiert unter anderem zu dem Schriftsteller Hans Grimm. Grimms 1926 veröffentlichtes Hauptwerk "Volk ohne Raum" wurde in der Weimarer Republik zum meistverkauften Buch. Damit lieferte Grimm die propagandistische Formel und Rechtfertigung für die Eroberungs- und Vernichtungspolitik der NS-Diktatur.
 

In Österreich ging gestern einer der wichtigsten Prozesse der letzten Jahre zu Ende. Der Chefredakteur der Aula wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Wiederbetätigung. Das ist erfreulich scharf und eindeutig. Und unendlich wichtig. Um was geht es hier? www.derstandard.at/story/300000...

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— Natascha Strobl (@nataschastrobl.bsky.social) 4. Dezember 2025 um 11:44

Thierry, einst NPD-Bundesvorstandsmitglied, war unter dem Pseudonym „Konrad Reisinger" beim „Eckart" als Chefredakteur („Schriftleiter") tätig. Er gilt als Ziehsohn von Herbert Schweiger, vormals SS-Untersturmführer der Division „Leibstandarte Adolf Hitler" (LAH).

Verurteilt wegen (NS)-Wiederbetätigung

Geführt wird die GfP von dem 1966 in Unterfranken geborenen Martin Pfeiffer.  Der einstige lang­jäh­ri­ge Chef­redak­teur der 2018 eingestellten rechts­extrem­en Zeit­schrift "Aula", wur­de im Dezem­ber 2025 in ers­ter Instanz wegen natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Wie­der­be­tä­ti­gung und Holocaust-Verharmlosung zu vier Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Das Sekretariat der GfP leitet deren Vorstandsmitglied Margret Nickel. Nickel führt den Klosterhaus-Verlag, gegründet von Holle Grimm, der Tochter des Schriftstellers Hans Grimm.

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